Weniger ist mehr Teil 1

Weniger ist mehr Teil 1

Der Information Bias oder: Führt mehr Information zu klügeren Entscheidungen?

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Information, ganz allgemein betrachtet, war immer ein wertvolles Gut. Wo bekomme ich was und zu welchem Preis? Gibt es in meiner Umgebung News, die für mich relevant sind? Wann ist die nächs­te Wahl zum Bürgermeister? Und: Wer verdammt ist so verwegen und stellt sich dieser Wahl? Information machte freilich immer auch die Welt da draußen verständlicher. Klassische Quellen, die unseren Informationshunger speisen, sind, neben mündlichen  Überlieferungen – auch Klatsch und Tratsch haben ihre Berechtigung –, Bücher und Zeitungen. All das hatte einen unmittelbaren Nutzen und einen Preis, welcher – so weit die Theorie – in einem nachvollziehbaren Verhältnis zu diesem Nutzen stand. 

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 Heute scheinen diese Parameter weitgehend entkoppelt. Die meis­ten Informationen sind prinzipiell (in großen Teilen der Welt) für lau zu haben. In Sekunden abrufbar. Aber wie viel Info braucht der Mensch, und welche Info ist wichtig, um kluge Entscheidungen zu treffen? Konkret: Wie viele Infos braucht ihr, um einen Fernseher zu kaufen?  

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 Mit diesem Phänomen befasst sich auch der Information Bias. Übersetzt: die Informationsverzerrung. Ein Beispiel: Ihr wollt euch einen neuen Fernseher zulegen. Groß soll er sein. Das Budget, sagen wir 800 Euro. Klar, Apps soll er können und die Bedienung keine Raketenwissenschaft sein. Wir googeln. Und siehe da: Der schlaue Algorithmus spuckt ein Ding aus, das uns gefällt. Aber: Kaufen wir das? Nein, denn es könnte ja noch was Besseres geben. Also vertiefen wir unseren Verkaufsprozess. OLED, Black OLED, Self-lit OLED, Cris­tall Colours, Original Colours. Nach nur drei Tagen Recherche sind wir Experten, und der Elektro­händler unseres Vertrauens würde uns flugs zum Chefeinkäufer machen. Aber: Welches Teil schaffen wir uns jetzt an: in vielen Fällen genau jenes, das uns bereits auf den ersten Blick angesprochen hat. Das Mehr an Info hat uns nicht ­klüger gemacht. 

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 Dieses kleine Beispiel schon führt uns zu einem (zugegeben zugespitzten) Fazit, das ich mir aus einem klugen Buch geborgt habe: Versuchen Sie, mit dem Minimum an ­Informationen durchs Leben zu kommen. Sie werden bessere Entscheidungen treffen. Was man nicht wissen muss, bleibt wertlos, selbst wenn man es weiß. Die Quelle: Rolf Dobelli, „Die Kunst des klugen Handelns. 52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen“ (Verlag dtv).  

In der nächsten Ausgabe (Erscheinungstermin: 18. Juni) widme ich mich der täglichen Infoflut durch TV, Internet und Zeitungen. 

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Bildnachweis: © Getty Images.

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