Von Wall bis Nairobi

Von Wall bis Nairobi

Trickgolf-Champion Karsten Maas ist weltweit gefragt.

Wer in den vergangenen Jahren Karsten Maas, einen der besten Trickgolfer der Welt, live in Aktion sehen wollte, hätte dafür mal in Neuseeland oder Australien, mal in China, Nordamerika oder auch in zahlreichen europäischen Ländern Gelegenheit dazu gehabt. 

„Nur in Südamerika und der Antarktis habe ich meine Show noch nicht zeigen können“, lacht der 1,90 m große Däne. Die nächste Chance bietet sich in Nairobi: Ende August fliegt der Trickgolf-Champion in die kenianische Hauptstadt, um seine verrückten und verblüffenden Kunstschläge bei einem Jugendcamp im Golfclub Muthaiga – Heimat des DP World Tour-Turniers „Kenya Magical Open“ – vorzuführen. 

Wer in diesem von viel Flugchaos geprägten Sommer Langstreckenflüge lieber meidet, kann sich stattdessen aber auch ins Auto setzen und nach Wall fahren. Das kleine Dorf im brandenburgischen Landkreis Oberhavel, rund 50 Kilometer nordwestlich von Berlin, liegt in der spärlich besiedelten Niedermoor-Landschaft des Rhinluch, in der winzige Weiler Namen tragen wie Bärenklau, Kuhsiedlung und Verlorenort – ein Paradies für Kraniche und andere Zugvögel. 

 

Dänisches Brüderpaar

In Wall verwirklichte Flemming Maas, der um anderthalb Jahre ältere Bruder von Trickgolf-Champion Karsten, in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten seinen Jugendtraum von einer eigenen Golfanlage. Auch Flemming Maas ist Head-Pro mit beeindruckenden Karrierestationen in The Wisley bei London, Val de Lobo an der Algarve, Schmallenberg im Sauerland und Son Anthem auf Mallorca. Mit Unterstützung eines deutschen Freundes erwarb er 2005 mitten im brandenburgischen Nirwana rund 80 Hektar Weideland einer ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaft (LPG) aus DDR-Zeiten und begann – mit viel Engagement, aber auch einigen Rückschlägen – mit dem Bau seiner 27-Loch-Anlage „Golf in Wall“.

„Wir haben am Anfang Fehler gemacht“, bekennt Flemming Maas freimütig. Der sumpfige Niedermoor-Boden und die Drainage machten Probleme. Doch mit skandinavischer Entschlossenheit und noch mehr Arbeit wurde der Platz kontinuierlich verbessert und verschönert, unter anderem mit neuen Wasserhindernissen und etlichen erhöhten Abschlägen. Und das schmucke Clubhaus mit seiner Sonnenterrasse ist zwar klein, aber ausgesprochen „hyggelig“ – die dänische Steigerung von „gemütlich“. Kein Wunder, dass die Zahl der Clubmitglieder steil nach oben ging und auch viele ehemalige Kritiker dem „dänischen Platz“ in Brandenburg inzwischen viel Respekt zollen.

Thomas Björn war immer besser

Mit dem Überwinden von Startschwierigkeiten kennt sich auch Karsten Maas bestens aus. Als Jugendlicher hatte er es zunächst mit größeren Bällen versucht. „Ich spielte einige Zeit in einer dänischen Basketball-Erstliga-Mannschaft, da habe ich die Ersatzbank ganz gut warm gehalten“, erzählt er schmunzelnd, „ich war mit meinen 1,90 m der zweitkleinste Spieler im Team.“ Keine optimale Voraussetzung für eine Karriere als Basketball-Profi. 

Deutlich besser lief es, als er sich wie sein Bruder Flemming für den Golfsport entschied. Aber auch nicht optimal: „Ich habe einen Freund aus der Kindheit, ein paar Jahre jünger, die meisten kennen ihn: Thomas Björn. Der war immer besser“, gibt er unumwunden zu. Dennoch versuchte Karsten, in Amerika als Tourspieler Tritt zu fassen. „Ich hab ein paar Turniere auf der Challenge-Tour gespielt, aber meine beste Platzierung war ein vierter Platz – davon wird man nicht reich.“ Lieber wurde er ein in Dänemark und Deutschland gefragter Golflehrer – und weltweit erfolgreicher Trickgolfer.

 

Monster-Driver

Eine Dreiviertelstunde lang führt Karsten Maas im Stakkato alles, was Golfer jemals gelernt und tausendfach geübt haben, ab absurdum. Mit einem simplen Putter erreicht er Längen, die andere mit dem Driver gerne hätten; zwischen ungläubigem Staunen, brüllendem Gelächter und frenetischem Applaus schwanken die Reaktionen, wenn er mit den merkwürdigsten Utensilien wie einem alten Holländer-Holzschuh, drei zusammengeschmiedeten Schlägerköpfen und einem in der Mitte durchgesägten 7er-Eisen Sensationsschläge zaubert oder beim Abschlag auf einem großen Gymnastikball balanciert. 

 

Aber „bekannt bin ich vor allem für meine überlangen Schläger, mit denen ich es dreimal ins Guinness-Buch der Weltrekorde geschafft habe“, verweist Karsten Maas auf sein Markenzeichen – mit irrsinnigen Schlägerlängen von 4,09 m, 4,37 m und 11,40 m. Der zweite Rekord im Jahr 2014, verrät Maas, war sein wichtigster. „Damals brachte Guinness seine 60-Jahre-Jubiläumsausgabe raus, und die fanden meinen Rekord (über 165 Meter mit dem 4,37 m langen Monster-Driver) so irre, dass sie mich zu Werbezwecken um die ganze Welt geschickt haben“, sagt der Trickgolf-Champion stolz, „man muss auch mal Glück haben …“

Und wo hat Karsten Maas damals seinen bis heute legendären Weltrekord aufgestellt? 

In Wall im Havelland natürlich. Danish Dynamite in Brandenburg. 


Bildnachweis: © Wolfgang Weber (5), © Wolfgang Weber.

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