Titelstürmer

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Mit Haydn Porteous und Julian Suri sorgen zwei junge Spieler auf der Euro-Tour für Schlagzeilen.

Am ersten Septemberwochenende hat die European Tour das Qualifikationsrennen für das Ryder-Cup-Team 2018 eröffnet. Aber das erste Turnier um Ryder-Cup-Punkte für Paris 2018 ging aus deutsch-österreichischer Sicht ziemlich daneben. Bernd Ritthammer (-5) auf Platz 18, Martin Wiegele (-4) auf Platz 22 und Christian Bräunung (-2) auf Rang 34 erreichten beim nahe Prag auf dem Albatross-Kurs ausgetragenen Czech Masters Achtungserfolge, hatten aber mit dem Ausgang des Turniers nichts zu tun. Sebastian Heisele, Alexander Knappe, René Gruber und Florian Fritsch, der nach einem falsch eingetragenen Score disqualifiziert wurde, verpassten ebenso den Cut wie überraschenderweise Martin Kaymer, der einzige Major-Sieger im Feld und dementsprechend hoch gehandelt vor Turnierbeginn. Doch der Rheinländer kam mit den schwierigen nasskalten Spielbedingungen bei mitunter strömendem Regen schlecht zurecht, hatte nach einer 76er-Runde mit + 4 zwei Schläge zu viel auf dem Konto und musste vorzeitig die Heimreise antreten.

Kaymer im Formtief

Kaymer setzte damit seine seit längerem anhaltende, auch verletzungsbedingte Formschwäche fort und muss auf ein besseres 2018 hoffen, will er sich zum fünften Mal in Folge für den Kontinentvergleich qualifizieren. Auf der European Tour liegt sein letzter Sieg bereits fünf Jahre zurück, 2017 hat er bislang lediglich eine Top-Ten-Platzierung zu Jahresbeginn zu verbuchen, als er in Abu Dhabi Vierter wurde. Demgegenüber stehen vier verpasste Cuts, jede Menge Plätze im Mittelfeld und ein 40. Platz in der Geldrangliste, für Kaymers Verhältnisse nach jetzigem Stand ein vertanes Jahr .

Jubeln konnte in Tschechien der Südafrikaner Haydn Porteous, der mit einer 69er-Finalrunde und 13 unter Par den Engländer Lee Slattery mit zwei Zählern Rückstand auf Platz zwei verwies und sich über 166.000 Euro freuen konnte. Der Engländer Tom Lewis, dem mit 67 Schlägen die beste Finalrunde gelang, und der Schwede Pontus Widegren belegten mit einem weiteren Schlag Rückstand Rang drei. Lee Westwood, neben Kaymer der prominenteste Spieler im Feld, belegte den geteilten neunten Rang.

Porteous hatte im vergangenen Jahr mit seinem ersten European-Tour-Sieg, der Joburg Open, auf sich aufmerksam gemacht, hatte aber daraufhin ein längeres Formtief durchlaufen. Erst mit einer Top-Ten-Platzierung in Dänemark in der Vorwoche der Czech Masters hatte er wieder aufstrebende Form bewiesen. Er startete mit zwei Birdies in die Finalrunde und schloss schnell zu dem nach drei Runden führenden Engländer auf. Nach einigen Führungswechseln entschied er das Turnier auf den Schlusslöchern für sich. „Dass ich meinen zweiten Tour-Sieg erreichen konnte, erstaunt mich selbst. Die letzten acht, neun Monate waren eine Katastrophe, da lief nichts für mich zusammen. Zuletzt habe ich mein Spiel wieder halbwegs in die richtige Spur gebracht“, freute sich Porteous. Mit am Start in Tschechien war auch Julian Suri, eine Woche zuvor Überraschungssieger beim Made in Denmark-Turnier. Der 26-jährige Amerikaner belegte mit elf Schlägen Rückstand auf Porteous den geteilten 34. Rang, stand aber sichtlich noch unter dem positiven Schock seines ersten Erfolges auf der PGA European Tour. „Ich muss mich immer noch kneifen, um zu glauben, dass das alles wahr ist. Aber langsam beginne ich zu begreifen, welche neuen Möglichkeiten zur Turnierteilnahme sich jetzt für mich auftun. Das ist ziemlich cool“, kommentierte Suri in Prag seinen Erfolg.

Fehlerfreier Auftritt

Erringen konnte er ihn in äußerst beeindruckender Manier mit einer 64er-Finalrunde im Himmerland Golf and Spa Resort. Suri blieb bei sieben Birdies ohne Schlagverlust und sicherte sich nach Runden von 67, 69, 65 und 64 mit 19 unter Par seinen ersten Titel auf der European Tour im erst siebenten Anlauf. Der Amerikaner profitierte dabei aber auch vom Missgeschick von David Horsey, der am letzten Loch seine Titelchancen mit einem Triple-Bogey begrub. Der Engländer hatte nach einem wild verzogenen Abschlag seinen Ball verloren und nach einem erneuten Abschlag den Annäherungsschlag ins Wasser verzogen. Horsey, der das Turnier 2015 gewonnen hatte, belegte mit vier Schlägen Rückstand Rang zwei, gefolgt von seinen Landsleuten Chris Paisley, Steve Webster und Ben Evans auf Rang drei. Einen bemerkenswert guten Auftritt hatte der 51-jährige John Daly auf dem zehnten Rang, den er sich unter anderem mit Marcel Siem teilte. Der Ratinger setzte mit einer ordentlichen Leistung seinen jüngsten Aufwärtstrend fort und war mit 11 unter Par bester Deutscher. Bernd Ritthammer folgte mit -7 auf Rang 28, -6 bedeutete für Florian Fritsch und Martin Kaymer Rang 31.

The American Dream

Der Erfolg von Julian Suri belegt auch die Leistungsstärke auf der Challenge Tour. Suri hatte im Mai bereits die D+D REAL Czech Challenge gewonnen, nach Brooks Koepka und Peter Uihlein ist er damit der dritte Amerikaner, der in derselben Saison auf der European und der Challenge Tour siegen konnte. Mit einer starken Saisonleistung auf der Challenge Tour hatte er sich bereits vor seinem Erfolg in Dänemark die Tourkarte gesichert.

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