The Show must go on!

The Show must go on!

Die Eventgastronomie hatte in den letzten Wochen wenig Anlass zu feiern. Doch langsam erholt sich die Branche. Die Golf Week hat bei Veranstaltern, Caterern und Personalvermittlern nachgefragt.

Die angesagtesten Events der Welt wurden abgesagt: Karneval in Venedig, Oktoberfest in München, Donauinsel-Fest in Wien. Die Oscar-Verleihung wurde verschoben, die Austrian Open finden statt – leider ohne Publikum. Ja, die Sterne stehen derzeit nicht günstig für Mega-Events. Die größten Caterer des Landes, Do & Co und Gerstner, mussten bereits Mitarbeiter abbauen. Doch so trist, wie es zunächst scheint, ist die Lage dann doch nicht. Kleinere und mittlere Veranstaltungen sind genehmigt, Open-Air scheint sich die Ansteckungsgefahr überhaupt in Grenzen zu halten. Der Event- und Kulturbereich erwacht langsam, aber sicher aus dem Corona-Koma. Auch die für das leibliche Wohl zuständigen Gastronomiebetriebe und Caterer sehen ein Licht am Ende des Tunnels. In Deutschland ist die Lage ähnlich, wobei hier die Länder ihre eigenen Regelungen haben. Wir haben uns bei Veranstaltern, Caterern, Personalvermittlern und Golfclubbetreibern in Österreich umgehört und gefragt, wie sie geschäftlich, aber auch persönlich durch den Lockdown gekommen sind.

Stephan Vogl, Golfmanager Diamond Country Club

Der Diamond Country Club in Atzenbrugg veranstaltet unter anderem die Austrian Golf Open und weitere große Events der Branche. Zum Club zählen ferner eine Golf­academy, ein Apartment Hotel sowie zwei Restaurants. Stephan Vogl, der in Bayern wohnt, arbeitete vier Wochen im Homeoffice. „Unsere Golfanlage mussten wir Mitte März runterfahren. Die Plätze waren in gutem Zustand und waren bereit für die Saison. Wir haben sehnsüchtig dem Tag X entgegengesehen, wo wir die ersten Golfer begrüßen durften. Am ersten Mai-Wochenende war ein wirklich großer Ansturm. Die Leute wollten endlich mal wieder ihrem Hobby nachgehen.“
Und wie geht es dem Gastronomie-Bereich? „Dem Hauptres­taurant Clubhouse geht es relativ gut. Aber im Tagesbetrieb fehlen uns die Events. Das geht jetzt erst wieder im Juli los. Das Boathouse, unsere Eventlocation, haben wir erst vergangenes Wochenende wieder gestartet.“

Stephan Vogl: „Es war ein großer Ansturm. Die Leute wollten endlich mal wieder ihrem Hobby nachgehen.“

 

Hannah Neunteufel, Hannahs Plan

Hannah Neunteufel ist mit ihrer Fullservice-Eventagentur seit mehr als 20 Jahren im Geschäft. Nach diesem großen Einschnitt fordert sie ein ebenso großes Umdenken. Relevante Events werden nicht vor 2021 stattfinden, meint Neunteufel. Ihre Mittagskantine sei derzeit „ihre Lebensader“. „Wir haben durch die Firmenstruktur einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Eventern und Caterern, die vor dem Nichts stehen: Mit Hannahs Speisesaal ist Gott sei Dank eine kleine Spielwiese in der Firmengruppe, die fast krisensicher ist – Mittagsversorgung in der Bundesamts-Ecke ist derzeit unsere Überlebensader. Klar rechne ich mit einem mindes­tens 75-prozentigen Ausfall heuer – so viel kann ich bereits jetzt sagen. Das Eventbusiness 2020 ist kaputt.“ In der Phase der Krise hat die erfinderische Gastronomin HANNAHS HARVESTING HOME gestartet. „Ein Food-Schwerpunkt als Zusatzangebot zum Normalen, für alle diejenigen, die es sich leisten können. Hier gibt es alles von Tagesgerichten bis hin zu kompletten Buffets oder dem 6-Gänge-Dinner, wobei alles ausschließlich mit Produkten von österreichischen Produzenten. zubereitet wird. Bissl teurer – aber viel g‘scheiter, auf vielen Ebenen!“ Man müsse die Wertschöpfung zu 100 Prozent im Land lassen und die Wirtschaft raschestmöglich in den Aufschwung schicken, meint Neunteufel abschließend.

Hannah Neunteufel: „Ich persönlich, und somit auch mein Unternehmen, habe den Vorteil, dass mir meine 20-jährige Selbstständigkeit eine recht dicke Haut beschert hat. Die gelernte Resilienz und die Beweglichkeit helfen massiv.“

 

Christian Chyth, Impact Catering

Auch Impacts Catering ist eine fixe Größe im österreichischen Event- und Gastronomie-Segment. Das Unternehmen beliefert Groß-Events wie den Song Contest, Life-Ball, ÖBB-Veranstaltungen, aber auch zahlreiche Sport-Veranstaltungen wie den Beachvolleyball-Grand Slam und die Red Bull Flugtage. Geschäftsführer Christian Chytil sagt, der Lockdown habe ihn und sein Web­-Restaurant bei Cup Solutions sehr hart getroffen. „Bis auf das Web-Restaurant war der ganze Betrieb eingestellt – und auch unser Büro-Catering für ein gesundes Mittagessen und abwechslungsreiche Meeting-Verpflegung ist auf Sparflamme gelaufen, weil die meisten Kunden vom Homeoffice aus gearbeitet haben. Der Prozess bis zur Genehmigung der Kurzarbeit war langwierig und zäh und die Aussicht auf Normalität war und ist unsicher.“ Chytil hat dann aber sein Unternehmen mit Hygiene und Sicherheitskonzepten neu aufgestellt und verstärkt im Web-Restaurant und Web-Bistro Lieferdienste angeboten. „Wir haben die impacts Genuss-Boxen entwickelt, angefangen von der Meeting-Box, die alle Menschen im Homeoffice einen ganzen Tag lang vom Frühstück bis zum Apero kulinarisch versorgt, über das Sektfrühstück, die Spargel-Box oder die aktuell sehr gefragte Grill-Box.“ Hier sieht er auch einen Teil der Zukunft seines Geschäfts.

Christian Chytil: „Wenn du aus heiterem Himmel auf einmal nicht mehr arbeiten darfst und nichts dafür kannst, ist das ein herber Schlag.“

 

Laszlo Jakabffy, 4D-Solutions

4D-Solutions hat sich auf Event-Konzeption und Personalvermittlung spezialisiert und beliefert einige der größten Player in Österreich und den Nachbarländern. Jakabffy, Geschäftsführer von 4D-Solutions, hat auf einen Schlag alle Aufträge verloren.
„Natürlich haben wir versucht, sofort alle unsere Fixkosten auf ein Minimum zu senken, um durch die Krise zu kommen, und versuchen, mit unseren Ersparnissen auszukommen.“ Als Personalvermittler macht er sich besonders Sorgen um seine Mitarbeiter, die jetzt drei Monate nicht arbeiten konnten und denen es „sehr, sehr schlecht geht“. Die Zukunft sieht er, nach diesem schwierigen Jahr, aber positiv.

Laszlo Jakabffy: „Ich glaube, 2021 wird sich wieder alles zum Guten wenden.“

 

Gerhard Huber, Easystuff

Easystuff wiederum ist einer der größten Personalvermittler für Promotion-, Salespromotion-, Event-, Gastro- und Hospitality-Personal. Geschäftsführer Gerhard Huber, der auch Vorstandsvorsitzender des VAMP (Verband Ambient Media, Promotion und Digital out of Home) ist, hat schnell reagiert und sein Unternehmen neu aufgestellt. „Wir haben in diversen anderen Sparten versucht, unser Personal zu positionieren. Zum Beispiel im Logistik­bereich bei den Bädern oder den Wiener Linien. Leider ist hier der große Bedarf ausge­blieben, aber es wurden doch neue Kunden gewonnen, vor allem im Bereich Helping Hands.“ Den Neustart sieht er eigentlich sehr positiv, „aber es wird noch eine Zeit lang dauern bis die Normalität wieder eingekehrt ist, wenn überhaupt.“

Gerhard Huber: „Ich persönlich fand die Erfahrung interessant, aber ein zweites Mal brauche ich das definitiv nicht mehr.“

 

Optimismus trotz Hindernissen

Nach dieser schwierigen Zeit haben jene, deren Firmenstruktur es erlaubt, ihre Geschäftsfelder erweitert. Sei es digital mit eigenen, neuen Webangeboten und Lieferservices, oder etwa Personaldienstleister, die wiederum auf andere Branchen ausgewichen sind. Trotz allerlei Hürden und Hindernissen scheint der Branche, deren Hauptgeschäft ja das Vermitteln und Gestalten von Erlebnissen ist, die gute Stimmung (noch) nicht abhanden gekommen zu sein.
Keine Frage: The show will go on. The show must go on.


Bildnachweis: Pixabay, © Stephan Vogel , © MarkusMorianz , © Inge Prader, © Laszlo Jakabffy, © Gerhard Huber.

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