Tatort Golfplatz

Tatort Golfplatz

Die beliebte Krimiserie klärt nicht nur Verbrechen auf, sondern hat auch einiges mit Golf zu tun.

Im Jahre 1970 wurde die erste Folge des Tatorts ausgestrahlt. Mittlerweile schalten teilweise über zehn Millionen Menschen ein, wenn die Kommissare sonntags auf Verbrecherjagd gehen. Wenn die Leiche gefunden wird, wird ermittelt, sei es im Drogenmilieu oder in den besten Häusern von Deutschland, Österreich und der Schweiz – der Tatort bildet die gesamte Gesellschaft ab, und somit schauen die Ermittler dann und wann auch auf dem Golfplatz vorbei. Doch auch manche Darsteller selbst schwingen gern das Eisen.

Leiche auf dem Green

„Havarie“ hieß 2001 ein „Tatort“­. Die 480. „Tatort“-Folge ist der 28. und zugleich letzte Fall des Kriminalhauptkommissars Edgar Brinkmann, verkörpert von Karl-Heinz von Hassel. Im Mittelpunkt steht zunächst ein versunkenes Schiff eines Geschäftsmanns, Prof. Windecker. Es geht um Geld, Freundschaften und Liebe. Windecker hatte die Angebetete eines Geschäftsfreundes geheiratet. Nach einem Gespräch zwischen den beiden geht Windecker golfen und wird kurz darauf mit einem Golfschläger erschlagen. Kommissar Brinkmann ermittelt, zu viel soll über die Handlung aber nicht verraten werden. 2009 kam mit „Höllenfahrt“ ein weiterer Krimi mit Golfbeteiligung heraus. Der Film ist der 727. der „Tatort“-Reihe und der 15. Fall mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers als Münsteraner Ermittler Thiel und ­Boerne. Diese gelten als humoristisches Duo. Thiel befindet sich auf einem polizeilichen Lehrgang, während Boerne seinem geliebten Golfspiel frönt. Als Boernes Golfpartner Dr. Bollinger einen verschlagenen Golfball im Gebüsch sucht, entdeckt er einen Toten – stranguliert an einem Baum. Ab nun gilt dasselbe wie eben: Mehr wird nicht über die Handlung verraten. Doch Jan Josef Liefers ist ein gutes Beispiel für einen golfenden Darsteller. 

Abschlag

Der in Dresden geborene Liefers ist nämlich selbst Golfer im GC Bad Griesbach. Liefers agiert schon seit vielen Jahren als Botschafter der NCL-Stiftung (setzt sich für die Erforschung der derzeit noch unheilbaren Kinderdemenz ein) und hat eigens dafür den Münsteraner Krimi-Cup ins Leben gerufen, ein Charity-Golfturnier, dessen Reinerlös der Stiftung zugutekommt. Mit Ulrike Folkerts, die Lena Odenthal darstellt, die längstdienende Kommissarin, gibt es eine waschechte Ermittlerin, die sich ab und zu auf den Golfplätzen Deutschlands zeigt. Seit 1989 sucht Folkerts bzw. Odenthal in Ludwigshafen Mörder, doch sie spielt nicht nur Golf. Folkerts wurde 1999 gegen ihren Willen von der „Bild“-Zeitung als Lesbe geoutet, und sie nahm an Gay Games teil. Bei den Gay Games 2002 in Sydney holte Folkerts mit der Schwimmstaffel des Berliner Vereins „Vorspiel“ eine Silber- und eine Bronzemedaille. 

„Tatort“-Kommissare Ulrike Folkerts und Dietmar Bär waren auf Golfplätzen.

 

Ungewohnt

Es gibt aber auch nebst dem Darsteller des schnöseligen Boerne und der Sportskanone Odenthal auch unerwartete Golfer. Etwa Dietmar Bär. Der ist seit 1997 Freddy Schenk beim beliebten Kölner „Tatort“ und hat mehr eine Statur, wie sein Nachname verheißt. Seit bald 15 Jahren schwingt er aber den Golfschläger. In einem Interview sagte er 2010 einen sehr schönen Satz über das Spiel: „Ich versuche seit zwei Jahren Golf zu spielen. Für viele ein elitärer Schnöselsport. Aber niemand zwingt mich, in Bundfaltenhose im Clubrestaurant aufzuschlagen und meinen Stammbaum aufzublättern. Ich spiele in T-Shirt und Jeans – und falle da nicht mal als Rebell auf. Zum Glück haben sich die Traditionen gelockert. Mir macht Golf einfach Spaß, ich bin an der Luft, bewege mich …“


Bildnachweis: © Sportcom/Getty Images.

Georg Sander
Letzte Artikel von Georg Sander (Alle anzeigen)
.