Spannender Schwedenkrimi am Seddiner See

Spannender Schwedenkrimi am Seddiner See

Rückkehr der Ladies Tour nach Deutschland übertraf alle Erwartungen.

Dieses Herzschlagfinale hätte kein Schwedenkrimi-Regisseur spannender inszenieren können. Jessica Karlsson (29), die sich an Tag 1 mit einer fulminanten 63er-Runde an die Spitze gesetzt hatte, lag beim ers­ten Ladies-European-Tour-Turnier in Deutschland seit sechs Jahren bis zum 72. Abschlag in Führung. Doch dann versagten der Schwedin die Nerven, ihr Drive auf Bahn 18 landete rechts im Wald. Mehr als ein Bogey war nicht mehr drin. Jessica Karlsson fiel beim Amundi German ­Masters auf dem Südplatz des Golf und Country Club Seddiner See noch auf den geteilten 2. Rang zurück und vergoss bittere Tränen der Enttäuschung.

Ihr Glück kaum fassen konnte hingegen ihre als Mitfavoritin angetretene Landsfrau Maja Stark (22), die vier Tage lang beharrlich um Anschluss an den Spitzenplatz gekämpft hatte. Auch sie erlaubte sich einige Fehler und spielte am Finaltag mit 70 Schlägen ihre schwächs­te Runde. Doch auf den beiden Schlussbahnen gelangen der nervenstarken Stark zwei viel­umjubelte Birdies, die ihr mit insgesamt 273 Schlägen und einem Schlag Vorsprung den Last-Minute-Sieg und ihren zweiten Saisontitel sicherten. Obendrein übernahm sie von ihrer besten Freundin Linn Grant, die diesmal mit dem geteilten 4. Rang zufrieden sein musste, die Führung in der Order of Merit der Ladies European Tour.

5.000 begeisterte Zuschauer

Was die gut 5.000 Zuschauer auf der großartigen Anlage südwestlich von Berlin freilich fast noch mehr begeisterte, war, dass in diesem Schwedenkrimi deutsche Damen die Mehrzahl der Hauptrollen besetzten. Dass am Ende mit der Schwäbin Leonie Harm vom GC St. Leon-Rot (geteilter 2. Rang), der Berlinerin Polly Mack vom GC Stolper Heide und der Pfälzerin Olivia Cowan (geteilte 4.) sowie Esther Henseleit vom Hamburger GC (geteilte 8.) gleich vier deutsche Golferinnen unter den Top 10 des hochkarätig besetzten Turniers landeten, sorgte für Glücksgefühle bei Damen-Bundestrainer Stephan Morales: „Das Leaderboard zeigt ganz deutlich, wie es insgesamt im europäischen Golf bei den Mädchen und Damen aussieht: Schweden und Deutschland sind vorne.“

Leonie Harm (24), die am Finaltag ihre erste bogeyfreie Runde dieser Saison spielte und sich über ihr bestes Saisonergebnis freute, konstatierte selbstbewusst: „Für das deutsche Damengolf war dieses Turnier die beste Werbung, die man hätte bringen können.“ Dazu trugen nicht zuletzt die spektakulären Live-TV-Übertragungen auf golf.de und Sky bei.

Drei Eagles von Polly

Polly Mack, die normalerweise auf der Epson Tour in den USA spielt und wie Isa Gabsa (im Endklassement geteilte 22., wie auch Sarah Schober als bes­te Österreicherin) mit einer Wildcard von Presenting Partner VcG (Vereinigung clubfreier Golfspieler e.V.) angetreten war, gelang vor den Augen ihrer ­Eltern und Freunde auf der letzten Bahn ihr mit einem wahren Jubelsturm gefeierter insgesamt dritter Eagle des Turniers. Magische Momente bei einer echten Heimkehr. Mack, die erst ihr drittes Turnier als Proette absolvierte: „Der Platz ist mir vertraut, da ich hier viel Jugendliga gespielt habe.“

Polly Mack mit Caddie.

 

Das überschwängliche Kompliment von Siegerin Maja Stark – „Das Turnier war sehr professionell organisiert, und der Platz war großartig. Alles rundherum war perfekt“ – fiel umso mehr ins Gewicht, als die Vorbereitungszeit für das erste Damengolf-Top-Event in Deutschland seit sechs Jahren für Veranstalter U.COM Event, Titelsponsor Amundi, DGV, VcG und nicht zuletzt für den G & CC Seddiner See sehr kurz bemessen war. Nicht nur U.COM-Chef Dirk Glittenberg sah am Tag danach „alle Erwartungen übertroffen“. Auch Marcus Neumann, Vorstand Sport beim DGV, ist schon jetzt „voller Vorfreude auf die Amundi German Masters 2023“.
Der Vertrag mit Seddin läuft vorerst über drei Jahre. Schönes Spiel!


Bildnachweis: © Tristan Jones / LET, © DGV/stebl.

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