Corona, aber …

Corona, aber …

Rechtliche Vorgaben zu formulieren ist nicht einfach. Da tut sich so manche Kuriosität auf.

Mit dem Öffnen der Golfplätze – hier kommt das mittlerweile geflügelte Wort – „in Zeiten von Corona“ ergeben sich so manche Auffälligkeiten, so mancher Golfer würde sie auch Kuriositäten nennen. Denn einerseits ist klar, dass heutzutage anders gegolft werden muss, andererseits wirkt so manche Maßnahme aus Sicht eines Golfers dann doch etwas interessant, wenn nicht gar ein bisschen übertrieben. Logischerweise gilt laut Maßnahmenkatalog etwa: Beim Betreten aller Clubräumlichkeiten ist zur Verfügung gestelltes Desinfektionsmittel zu verwenden und es sind ausnahmslos MNS-Masken zu tragen. Oder: Duschen, Fitness- und Wellnessräume sind geschlossen zu halten.

So weit, so klar. Und dann sind da Regelungen, die eben auffällig sind. Ins Auge fällt beispielsweise, dass man ohne Vorabbuchung einer Startzeit nicht golfen darf. Sprich: Wer einfach so hinkommt, schaut durch die Finger. Im Zusammenhang mit der allgemeinen Abstandsregelung von mindestens zwei, eher fünf Metern ist das aber eigentlich nicht notwendig. Schließlich spielt man gerne in Viererflights, was ist, wenn einer ausfällt? Abgesehen davon muss bei der Online-Buchung angegeben werden, dass man keine Symptome hat. Das ist zwar verständlich, aber entgegen landläufiger Meinung ist nicht jeder Golfer auch gleich Arzt, es gibt symptomlose Covid-19-Verläufe, und die Allergiker unter den Schlägerschwingern können wohl ein Lied davon singen, wie schwierig das Auseinanderdividieren der Symptome ist. Eine Randnotiz, aber doch auch eine Verschwendung von Datenvolumen. Verboten sind nun auch Handshakes, was normalerweise nach der Runde ein Muss ist, derzeit aber nicht erlaubt und vor allem den neumodischen Typus „Punkgolfer“ freuen wird, wenn er aus fünf Meter Abstand nach dem Spiel mit der geringsten Schlaganzahl einfach das Victory-Zeichen in die Luft strecken kann. Ob man dem Lieblingsgegner auch die Zunge zeigen darf, ist übrigens nicht geregelt.

Can’t touch this!

Ebenfalls sehr wichtig scheint, dass Fahnenstangen nicht gezogen werden dürfen, die Bunkerrechen nicht verwendet werden dürfen, „im Bunker darf der Ball innerhalb einer Schlägerlänge straflos besser gelegt werden“. Das Verbot des gemeinsamen Berührens von Gegenständen wirkt mittlerweile überzogen, Schmierinfektionen schließt die Medizin ja aus. Und wie sich die Formulierung „straflos besser gelegt werden“ im Flight auswirkt, wird auch spannend. Diskussionen darüber müssen eben mit fünf Meter Abstand geführt werden. Wenn Bälle geworfen werden, dann tunlichst die eigenen. Ein bisschen überzogen wirkt auch die Hausordnung des GC Föhrenwald, wo Corona sich offensichtlich unterschiedlich verhält und Autos im Gegensatz zu Supermarktparkplätzen wohl auch etwas damit zu tun haben: „Auf der Driving Range ist ein Abstand von fünf Metern einzuhalten, beim Ballautomaten zwei Meter. Es wird empfohlen, nicht früher als 20 Minuten vor Startzeit zu erscheinen. Auf dem Parkplatz soll ebenfalls zwischen den Autos ein Abstand eines Pkws sein (empfohlen). Golf-Carts dürfen nur mit einem Spieler besetzt werden, außer die Personen leben im selben Haushalt.“

 

Und die Scores?

Diese Maßnahmen aus Öster­reich gelten auch in Deutschland. Aber der DGV hat sich auch etwas für die Scores einfallen lassen. Hierbei muss man auf die Ehrlichkeit der Mitspieler vertrauen, was zwar der Regelfall ist, aber wenn nur eine mündliche Bestätigung ausreicht, Unterschriften nicht erforderlich sind, dann sollte man seine Golfpartner besser gut kennen oder gut im Kopfrechnen sein. Es geht ja um nix, also um alles, und das bringt auch im nettesten Menschen nicht immer nur das Beste zum Vorschein. Wer sich also nach zwei, drei Wochen fragt, wie der Herr Golfkollege es geschafft hat, ohne Golf auf einmal viel weniger Schläge zu brauchen, der kann sich eine App besorgen. Und wer im hohen Bogen ein Hole-in-one schafft, und der Ball kullert wieder raus, sei an diese deutsche Maßnahme erinnert: „Im Loch ist ein Plastikeinsatz zu verwenden. Das heißt, das Loch hat nicht die normale Tiefe.“ Alles normal. Oder so.


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