Siems Comeback

Siems Comeback

Ein spannendes und abwechslungsreiches Finale, erstklassiges Golf eines sehr gut besetzten Feldes und starke Leistungen der deutschen Spieler: Das erste Matchplay-Turnier der European Tour auf deutschem Boden hat im Golf Resort Bad Griesbach eine sehr ordentliche Premiere hingelegt, die nicht einmal ein Tornado am Freitagabend und das fehlende Happy End aus deutscher Sicht beeinträchtigen konnten. Denn Marcel Siem fehlten am Ende nur wenige Putts, um nach zweijähriger Durststrecke seinen fünften Sieg auf der European Tour zu erreichen.   

Blitzstart von Siem

Stattdessen unterlag er dem Spanier Adrian Otaegui im Finale 2 und 1, obwohl er die Runde über drei Stunden lang dominiert hatte. Dass er seinem Kontrahenten, dem Sieger der Qualifying School 2016, dennoch zu dessen erstem Tour-Sieg gratulieren musste, hat er sich selbst zuzuschreiben, weil er es verpasste, das Match frühzeitig zu seinen Gunsten zu entscheiden. Das wäre, nach einem furiosen Start des Deutschen mit drei Birdies auf den ersten acht Löchern und einer 3-auf-Führung, durchaus möglich gewesen. Aber Siem verpasste es, als er mit breiter Brust und präzisen Eisen das Spiel diktierte, den Sack zuzumachen. Am neunten Loch, nach einem brillanten Annäherungsschlag über die Fahne hinweg, hatte Siem einen sehr machbaren Putt aus kurzer Distanz zum „4 auf“. Er verschob ihn leichtsinnig, was sich im Nachhinein als Wendepunkt der Runde herausstellen sollte.

Wendepunkt 9. loch

Denn dann zeigte sich die Dynamik, die ein Lochwettspiel entwickeln kann und dieses so faszinierend macht: Siem, vielleicht noch leicht genervt wegen der ausgelassenen Chance, kam aus dem Tritt und musste nach zwei schlampigen Annäherungen mit Bogeys die nächsten beiden Löcher abgeben. Alles war wieder offen, was Otaegui sichtlich Auftrieb verlieh. Nach neun Pars auf den ersten neun Löchern zeigte der junge Spanier auf den Backnine das Golf, das ihn nach fünf Siegen, darunter auch über Alexander Knappe in der vierten Runde, ins Finale geführt hatte.  Er gewann sechs von acht Löchern, ließ sich auch nicht abschütteln, als Siem am 13. Loch mit einem Birdie noch einmal „2 auf“ gehen konnte, und nutzte konsequent die Chancen, die sich durch Siems Konzentrationsschwächen ergaben. Der Deutsche vergab kurze Putts aus jeweils knapp einem Meter an den Bahnen 14 und 16, beide Löcher gewann der Spanier, ebenso wie die 15 mit einem Schlag nur wenige Zentimeter an die Fahne. An der 17 war das Match beendet, als Otaegui aus sieben Metern zum vierten Birdie in Folge einlochte. Siem gratulierte dem Gegner, schüttelte aber den Kopf, offensichtlich fassungslos darüber, dass er dieses Match noch verlieren konnte. „Ich hatte alles unter Kontrolle. Es soll seine Leistung nicht schmälern, aber ohne meine zwei schlechten Chips an der 10 und 11 wäre das Match schnell vorbei gewesen. Dadurch habe ich mein Selbstvertrauen verloren, und ich habe den Ball aus kurzer Distanz nicht mehr ins Loch gebracht. Mein Rückschwung beim Putten wird unter Druck zu kurz, daran muss ich arbeiten“, sagte ein sichtlich enttäuschter Marcel Siem, den, zumindest kurz nach der Niederlage, auch 110.000 Euro Preisgeld und die beste Platzierung seit vier Jahren auf der European Tour nur wenig trösten konnten. Denn ein Sieg hätte ihm wieder einen Startplatz bei jedem Turnier ermöglicht, „er lässt sich durch nichts ersetzen“, wie Siem haderte, zumal in gut einem Jahr sein langjähriger Weggefährte Thomas Björn das Ryder-Cup-Team als Kapitän anführen wird, „auf meinem Lieblingsplatz, wo ich schon einmal gewonnen habe“. Der Sieg war zum Greifen nahe, er hätte nur zupacken müssen. „Die letzten zwei Jahre waren hart“, ergänzte Siem, der von einer Position unter den Top 50 auf Platz 424 der Weltrangliste zurückgefallen war.

Starke Deutsche

Von den mit seinem ersten Turniersieg auf der Europen Tour verbundenen Privilegien profitiert nun der Baske Otaegui, ein Schützling von José María Olazábal. Dass er den Sieg nicht nur Siems verpassten Putts zu verdanken hat, lässt sich an 31 Birdies und einem Eagle ablesen, die er in seinen sechs Matches ablieferte. „Ich habe immer an mich geglaubt und bin fokussiert geblieben“, so der Spanier. Erfreulich aus deutscher Sicht war aber nicht nur Siems sportliches Comeback, sondern auch der Auftritt von Max Kieffer (2. Runde), Florian Fritsch (3. Runde) und Alexander Knappe, der bis ins Viertelfinale kam.

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