Schloss Meisdorf erwacht

Schloss Meisdorf erwacht

Am Rande des Harzes: Neue Hotelkette lädt zum „Bernstein-Cup“. 

Dieser Platz hat zwei Gesichter, wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Zu Beginn wiegt er die Spieler in Sicherheit. Ebenso harmonisch wie harmlos scheinen die ersten Bahnen großzügig eingebettet zu sein in eine relativ flache, anmutige Umgebung. Nur etliche Wassertümpel und Bunker machen so manche Annäherung ans Grün zu einer echten Herausforderung. 

Richtig ernst wird es freilich erst auf den zweiten Neun. Plötzlich ist auf dem Golfplatz von Schloss Meisdorf nicht nur Spielgenauigkeit, sondern auch eine gesunde Kondition gefragt. Und jede Menge Mut zum Risiko. Denn ein ausgesprochen sportliches Auf und Ab mit Höhenunterschieden von mehr als 50 Metern bringt so manchen Golfer, der aufs Cart verzichtet hat, an dem einen oder anderen Hang aus der Puste. Kurzatmig werden ortsunkundige Gastspieler jedoch vor allem angesichts der zahlreichen „blinden“ Fairway- und Annäherungsschläge. Da hilft bei so manchem recht schma­len Fairway und nicht übermäßig großen Grün nur Beten und Gottvertrauen – oder eine betont defensive Spielweise.

Panoramalage de luxe

Doch ob Doppelbogey oder gar Ballverlust: Lange hadern kann man mit diesem Golfplatz nicht. Denn er entschädigt von den hoch gelegenen Abschlägen und Grüns mit spektakulären Ausblicken, dutzende Kilometer weit über die schier unendlich sich ausbreitenden hellgrünen Getreidefelder der Magdeburger Börde. Zwar liegt Schloss Meisdorf vom Brocken, dem mit 1141 Metern höchsten Berg des Harzes, Sachsen-Anhalts und ganz Norddeutschlands, knapp 48 Kilometer Luftlinie entfernt; der nach dem Schloss benannte Golfplatz, an den östlichen Ausläufern des nördlichsten Mittelgebirges gelegen, genießt dennoch eine geradezu „abgehobene“ Panoramalage de luxe. 

Wird grundlegend renoviert und 2023 als Luxushotel neu eröffnet: Schloss Meisdorf am Ostrand des Harzes.

 

Tolle Greenkeeper

Mit ein paar kleinen Veränderungen will Rolf Heinemann den Meisdorf-Platz noch ein wenig „entschärfen“. Ansons­ten jedoch ist er schon sehr zufrieden mit dem tollen Job, den sein Greenkeeper-Team gemacht hat, seit im vorigen Jahr die neue Bernstein Hotels & Resorts-Kette auf einen Schlag die vier Hotels (Schloss Meisdorf, Schlosshotel Ballenstedt, Salzlandcenter in Staßfurt und Acamed Resort in Nienburg) und zwei Golfplätze im Harzvorland  übernommen hat. Der unter den holländischen Vorbesitzern zuletzt ziemlich vernachlässig­te Meisdorf-Golfplatz präsentiert sich mittlerweile wieder in einem exzellenten Zustand – eine würdige Austragungsstätte für den neuen „Bernstein-Cup“, der Mitte August hier und auf dem 20 Autominuten entfernten 9-Loch-Platz des Acamed-Resorts in Neugattersleben bei Nienburg an der Saale ausgespielt wird. 

Bürgermeister und Golfpro

Rolf Heinemann ist als Golfmanager zuständig für beide Plätze. Der 61-Jährige ist golferisch auf dem sehr schönen und anspruchsvollen Acamed-Golfplatz quasi „groß geworden“, denn der ehemalige Bauingenieur und -unternehmer, der erst unlängst im bayerischen Bad Griesbach seine Golflehrerausbildung vollendete, ist in Neugattersleben nicht nur aufgewachsen, sondern seit mehr als einem Jahrzehnt auch ehrenamtlicher Bürgermeister seiner Heimatgemeinde und spürbar mit ganz besonderem Enthusiasmus bei der Sache.  

Anders als Rolf Heinemann muss sich Michael Waldbrunner wohl noch ein gutes Jahr lang in Geduld üben. Mindes­tens so lange wird der aus Seefeld in Tirol stammende General Manager der Bernstein Hotels & Resorts noch auf einer riesigen Baustelle ausharren müssen. Das nur wenige Driver-Längen unterhalb des Golfplatzes im von Wiesen und Wäldern geprägten Talgrund des Flüsschens Selke gelegene Schloss Meisdorf wird nach dem Willen der neuen Besitzer Ingo und Niklas Jung ein gründliches Facelift und Upgrade erfahren, bevor es wieder anspruchsvolle Gäs­te aus nah und fern – mit und ohne Golf-Equipment – empfangen kann. 

Imposante Schlossanlage

Eine stolze zweistellige Millionensumme wollen Vater und Sohn Jung investieren, um die imposante Schlossanlage aus dem frühen 18. Jahrhundert generalzuüberholen, zu erweitern und zu einem weit über die Landesgrenzen hinaus strahlenden touristischen Leuchtturmprojekt zu veredeln – mit deutlich mehr Schlosszimmern und Suiten, neuer Restauration, für prunkvolle Hochzeitsfeiern geeignetem Veranstaltungssaal, großem Wellnessbereich mit Innen- und Außenschwimmbad und vielem mehr. Geplante Neueröffnung: 2023. 

Das Adelswappen der Asseburger und Schulenburger an der Eremitage von Schloss Meisdorf.

 

Aus seinem mehrjährigen Dornröschenschlaf wieder erwachen soll der zurzeit kaum noch erkennbare 6-Loch-Kurzplatz auf dem großen Schlossparkgelände, der in Zukunft golfende Gäste wieder zu einer schnellen Runde vor dem Frühstück oder dem Abendessen einladen wird. Unangetastet bleiben das vor allem bei Kindern überaus beliebte Wildgehege mit Rehen und Hirschen sowie die den Schlosspark prägenden hunderte Jahre alten Solitärbäume, darunter Platanen, Rotbuchen, Traubeneichen, Eiben und ein prachtvoller Ginkgo-Baum. 

Die TeilnehmerInnen am (Doppel-)Turnier um den Bernstein-Cup 2022 am 12./13. August  werden im komfortablen Acamed-Resort unmittelbar neben dem 9-Loch-Golfplatz in Nienburg-Neugattersleben feiern und übernachten. Doch es lohnt sich allemal, mehr als nur einen verlangenden Blick durch das schmiedeeiserne Hoftor auf das Alte und das Neue Schloss, auf das Chalet Ludwig, die Orangerie, das Gräfliche Rentamt und die Eremitage von Schloss Meisdorf zu werfen, die allesamt derzeit einer vielversprechenden, gründlichen Verjüngungskur unterzogen werden. Vorfreude ist schließlich die schönste Freude …


Bildnachweis: © Wolfgang Weber (3).

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