Schief gelaufen

Schief gelaufen

Lee Westwood bekommt die LIV um die Ohren geworfen. Sonst gibt es Schönes zu berichten.

Sagen wir es so: Es gibt Dinge, die haben eine bessere Nachrede als die LIV Golf Invitational Series. Im Universum, das sich rund um den kleinen, weißen Ball dreht, sogar eine ganze Menge. Die Golfturniere stehen wegen der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien in der Kritik. Amnesty schreibt in der Kurzzusammenfassung: Gewaltlose politische Oppositionelle werden oftmals ohne Anklage und Gerichtsverfahren inhaftiert; bei Männern wird die Prügelstrafe angewendet und die Todesstrafe gilt noch immer. Die Gefängnisse sind überfüllt und Berichte von Folter und Misshandlungen häufen sich. Geständnisse, die unter Folter erpresst wurden, werden weiterhin zugelassen. Die Polizei löst friedliche Demonstrationen gewaltsam auf, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist stark eingeschränkt, das Internet untersteht staatlicher Kontrolle. Das ist übrigens nur rund ein Drittel dessen, was in dem Land schiefläuft. Dass man nun „Sportwashing“ betreibt, macht die Sache nicht besser. Für einige Sportler scheint das nicht so entscheidend zu sein, gibt es doch gutes Preisgeld zu gewinnen. Lee Westwood findet das passend und wollte auf Social Media Freikarten verschenken. Die ersten hundert Menschen, die einen bestimmten Code unter den Tweet posten, bekommen die Tickets. Und dann passierte das, was im Online-Zeitalter oft passiert: kritische Kommentare. „Warum sollte das jemand von uns wollen? Einige von uns haben Grundsätze“, schrieb der eine. „Verzweifelte Zeiten, so wie auch das Feld. Ist Seniorentag?“, fragte ein anderer. Oder: „Jetzt müssen die Spieler die Tickets verschenken! Die Anzahl der verschiedenen Verkaufsstellen, die 100 Freikarten ausgegeben haben, sollte dazu führen, dass alle Eintritt erhalten, ohne zu bezahlen! Der größte Misserfolg bei der Einführung eines neuen Produkts in der Sportgeschichte.“ Einer, der offensichtlich besonders erbost war, schrieb: „Gib das weg, denn es wird scheiße!“

Die schöne Seite

Genug der Online-Aufregung, wenden wir uns dem Schönen im Leben zu. Es wurde geheiratet! Brooks Koepka und Jena Sims sind jetzt Mr. und Mrs. Die beiden sind seit fünf Jahren zusammen, wobei das Model ihren Partner als „perfekten Teamkollegen“ bezeichnet. Als sie vor ein paar Wochen über ihre Hochzeitsplanung sprachen, sagte sie: „Er war bei allen Zooms, weil wir Zooms mit dem örtlichen Floristen und dem Hotel haben, und er war für alles da. Es macht Spaß, mit ihm ein Teamkollege zu sein.“ Auf einer Karibikinsel ließen die beiden nichts aus, was man sich unter einer Hochzeit eines vierfachen Majorsiegers vorstellt: Es war dekadent und riesig. Das J&B-Logo war ein Thema der Hochzeit und wurde bei der Strandparty vor der Hochzeit am Donnerstag sogar in Kokosnussgetränke geschnitzt. Sims trug für dieses Event auch J&B-Ohrringe. Koepka und Sims machten in dieser Nacht zusammen ein spektakuläres Foto mit einer Tiki-Fackel, während Lichtfunken um sie herum glitzerten. Es waren jedoch keine Altarbilder mit dem Paar, das Telefone verboten hatte, zu sehen. Ebenso wurden keine Fotografien der Zeremonie gezeigt, auch wenn das Paar sonst sehr präsent auf Instagram ist. Aber sie dokumentierten die Partys vor der Hochzeit, darunter ein Abendessen mit Familie und Freunden mit Meerblick. Sims trug zu diesem Anlass ein eng anliegendes Kleid mit Ärmeln, das mit einer kleinen Handtasche mit der Aufschrift „Mrs Koepka“ verziert war. Die Frischvermählten teilten Videos der sonstigen Feierlichkeiten auf Instagram, etwa einen Clip, der zeigt, wie sie Arm in Arm in den Pool springen. Rapper Ludacris trat bei der After-Party auf, die am Strand stattfand. Sims schien die Zeit ihres Lebens zu haben, als sie neben ihrem neuen Ehemann in einem kurzen Rüschenkleid tanzte, das wenig der Fantasie überließ. Eine andere Instagram-Geschichte zeigte das Paar beim Anschneiden seiner Hochzeitstorte zusammen mit Sims, die ihr Brautkleid zeigte. Möge das Leben der beiden in Zukunft auch so berauschend sein. Sie haben sich so lieb, das ist doch wunderschön. Hoffentlich noch viele, viele Jahre mehr!

Koepka und seine Jena sind jetzt Mr. und Mrs. Es wurde anständig gefeiert.

 

Ein Ball, zwei Holes-in-One

Eine feine Geschichte spielte sich auf einem Golfplatz in Minneapolis ab. Preston Miller ist 13 Jahre alt und er schaffte in seinem Golfclub ein wunderschönes Hole-in-One. Ein Feiertag an und für sich für jeden Golfer, egal ob jung oder alt. So mancher nimmt sich den Ball und spielt ihn nie wieder, legt ihn an einen besonderen Ort und denkt dann den Rest des Lebens an diesen einen Schlag, der direkt rein­ging. Nicht so der junge Preston. Er golfte mit dem besonderen Ball einfach weiter. 

Dann kam es, wie es kommen musste: Er verlor die kleine Kugel natürlich. Als er nach seiner Runde ins Clubhaus kam, jubelte mit Ricardo Fernandez ein erfahrener Spieler. Er hatte ebenfalls ein Hole-in-One geschafft. Und nun kommt der Clou: Im Gegensatz zum kleinen Preston hat er sich seinen Zauberball natürlich mitgenommen. Fernandez hatte seinen Wunderschlag just mit dem verlorenen Golfball erzielt. Das wusste man, da dieser nicht nur das Logo von Prestons Golfmannschaft trug, sondern auch  an jenem Loch gefunden wurde, an dem er ihn verloren hatte. Eigentlich unglaublich …

Ein Ball, zwei Holes-in-One, so geschehen in Minneapolis.

 

Von/für Frauen

1,8 Millionen Euro Preisgeld gab‘s für Minjee Lee bei den US Women’s Open. Insgesamt hat man die zu gewinnenden Dollars auf zehn Millionen erhöht und auch sonst gab es viele Neuigkeiten. Denn bei den Offenen der Damen schlugen die besten Proetten nicht nur ab, auch um das Geläuf kümmerten sich Frauen. 35 Greenkeeperinnen kümmerten sich um die Grüns und Co. Das geht auf eine Initiative von Troy Flanagan, Chef-Greenkeeper des vorjährigen US-Open-Ausrichters Olympic Club in San Francisco, aus dem Jahr 2021 zurück, der gezielt Fachfrauen suchte und auch gefunden hat. 

Da soll noch einer sagen, Golf wäre hinsichtlich gesellschaftlicher Veränderungen in puncto Repräsentanz von Frauen zu konservativ, als dass sich etwas tun könnte. Sehr gut gemacht – auch wenn es am Ende des Tages noch ein weiter Weg sein wird, bis die Golffrauen die berechtigte gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie ihre männlichen Pendants. Verdient ist es und es tut sich ja auch was.


Bildnachweis: © Sportcom/Getty Images.

Georg Sander
Letzte Artikel von Georg Sander (Alle anzeigen)
.