Rundruf Teil 2

Rundruf Teil 2

Golf Week hat sich bei den Verbandspräsidenten in D-A-CH nach dem Golf-Status-quo erkundigt.

Fortsetzung des jährlichen Rundrufs unter den Präsidenten der Golfverbände, Claus M. Kobold (Deutschland), Peter Enzinger (Österreich) und Reto Bieler (Schweiz).

Golf Week:
Wie hoch ist der Anteil an jungen Menschen, die regelmäßig Golf spielen und eine Mitgliedschaft haben?

Kobold:
Die Entwicklung der Mitgliederzahlen im Bereich der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren ist in den letzten Jahren rückläufig. Dieser Entwicklung wollen wir noch mehr als bisher gegensteuern. Wir freuen uns darüber, unseren Mitgliedern mit dem Golfhelden-Camp ein neues, vielversprechendes Produkt zur Gewinnung junger Golfinteressenten anbieten zu können. Dabei sollen bereits golfspielende Kinder und Jugendliche ihre nichtgolfenden Freunde mit auf ihre Heimatanlage bringen und gemeinsam am eintägigen Camp teilnehmen. Aktuell melden sich die Clubs zu diesem Camp an – sie erhalten dann ein umfassendes Unterstützungspaket. Wir sind uns sicher, dass wir durch die neue Kampagne, in Kombination mit unserem Dauerbrenner Abschlag Schule, einen wichtigen Impuls für ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum im Nachwuchsbereich setzen.

Bieler:
Der Junioren-Anteil ist bei uns, wie fast überall in der Welt, sicher zu klein. Ende 2018 waren bei Swiss Golf exakt 5.397 Junioren registriert, das entspricht einem Anteil von 6 %. Die Clubs machen selber sehr viel in puncto Juniorenförderung und auch die Migros arbeitet mit den Schulen zusammen. Sie bietet mit SNAG Golf einen einfachen Einstieg für Kinder. Allerdings ist die Konkurrenz zu allen anderen Sportarten natürlich stark. Attraktiver wird Golf unter anderem, wenn die Runden weniger lange dauern, das gilt für junge und ältere Zielgruppen.

Enzinger:
Wir haben seit vielen Jahren rund 10 % an jugendlichen Mitgliedern in unseren Vereinen. Trotz vieler Anstrengungen und toller Projekte unserer Clubs – wie zum Beispiel Hello Juniors – gelingt es uns kaum, wesentlich mehr Kinder und Jugendliche für Golf zu begeistern. Das liegt aber nicht nur an Golf an sich, Kinder und Jugendliche bewegen sich leider zunehmend weniger, üben kaum Sport aus. Leider verbringen sie immer mehr Zeit online – mit Games oder in Social Media. Insofern bin ich auch massiv gegen die Benennung von eSports als Sportarten. Gaming ist kein Sport im üblichen Sinn. „eGaming“ wäre wohl eher die passende Bezeichnung.

GW:
Wie beurteilen Sie das neue Handicap-System, das ja eigentlich 2020 starten sollte?

Kobold:
Mit einem weltweit einheitlichen Handicap-System soll zukünftig das Alleinstellungsmerkmal des Golfsports, nämlich das Handicap, leichter zu verstehen sein und weltweit weitgehend einheitlich berechnet werden. Das ist das Ziel des R&A und der USGA, der weltweit führenden Instanzen für Golfregularien. Auch in Deutschland soll dann das neue Handicap-System Geltung finden. Noch ist nicht ganz klar, wie die genaue zeitliche und inhaltliche Umsetzung aussehen soll. Uns ist es wichtig, dass wir unseren Mitgliedern und den Golfspielern früh genug die für sie wichtigen Informationen geben können, damit niemand überrascht wird und uns genügend Zeit bleibt, mögliche Auswirkungen zu testen, um alle Beteiligten mitzunehmen. Daher bringen wir uns seit langem in den internationalen Abstimmungsprozess ein.

Der DGV vertritt in bilateralen Gesprächen mit USGA und R&A die Interessen von Golf in Deutschland und ist auf den zum Thema stattfindenden Konferenzen aktiv. Dabei geht es nicht nur um inhaltliche Fragen. Besonders wichtig sind uns vor allem die Rahmenbedingungen zur Einführung des neuen Systems. Der verbleibende Zeitraum bis zum anvisierten Jahr 2020 erscheint uns zu kurz, um die notwendigen Schritte geordnet gehen zu können. Deswegen wird es das World Handicap System in Deutschland frühestens 2021 geben.

Bieler:
Wir sind bereit. Wir werden unser IT-System rechtzeitig auf 2020 umstellen. Das neue System benötigt sicher eine umfassende Erklärung. Es ist eine Art Systemwechsel bei der Berechnung, da müssen viele alte Gewohnheiten angepasst werden. Am Prinzip des Handicaps ändert sich dagegen nicht allzu viel. Wir begrüßen die Vereinheitlichung und sind gespannt wie unsere Golferinnen und Golfer darauf reagieren werden.

Enzinger:
Ein sehr komplexes Thema, welches in wenigen Sätzen kaum darzulegen ist. Wenn ich es in Kürze zusammenfasse: Gebraucht hat es das nicht! Das neue World Handicap System ist im Wesentlichen an das US-System angelehnt. Keiner weiß, wie es sich tatsächlich auswirken wird und, was am wichtigsten ist, ob es unsere Golfer, Gäste, Kunden auch wirklich annehmen möchten. Auch wenn wir es mit viel Mühe in seiner ursprünglichen Planung etwas entschärfen und etwas an die europäische Golfkultur anpassen konnten, sehe ich ehrlich gesagt wenig Vorteile, um diese große und auch umfassende Änderung rechtfertigen zu können. Im Juni wird bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der EGA über die Einführung abgestimmt. Ich denke, diese Abstimmung wird mit großer Mehrheit positiv beschlossen. Manche Länder werden bereits 2020 das World Handicap System einführen. Wir werden uns deren Erfahrungen einmal ansehen. Eine Einführung in Österreich vor 2022 ist eher unrealistisch.

GW:
Was wünschen Sie sich für das laufende Jahr bzw. was müsste aus Ihrer Sicht dringend umgesetzt werden?

Kobold:
Wir müssen stärker in den Vordergrund stellen, dass unsere Golfanlagen vermehrt Rückzugspunkte für Flora und Fauna sind. Sie sind Oasen für die Natur mit bunt blühenden Wiesen, Teichen voller Kröten und Fröschen sowie Gehölzen, in denen Nachtigallen brüten. Sie sind ein Garant naturnaher Lebensräume und fördern die Verbreitung von Artenvielfalt. Die Erhaltung, Aufwertung und Neuanlage von naturschutzfachlich wertvollen Lebensräumen – genau zu diesem Thema haben wir gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Golfverband eine Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg. Ziel der Kooperation ist die Förderung der Artenvielfalt durch Erhaltung und Schaffung von schützenswerten Lebensräumen für Pflanzen- und Tierarten, durch Bereitstellung geeigneter Nahrungsquellen für diese und durch Beiträge zum Biotopverbund und zur Biotopvernetzung, zum Beispiel durch Schaffung von Trittsteinbiotopen.

Dabei soll das Projekt einen möglichst großen zusätzlichen Nutzen zu den bisher bereits durchgeführten Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt bringen. Eine solche Partnerschaft auch mit den Ministerien anderer Länder langfristig umzusetzen, wäre ein Meilenstein für den Golfsport! Und genau das möchten wir mittelfristig erreichen. Wichtig ist uns auch der Themenbereich Golf & Gesundheit. Hier ist der Verband mit einem großen Unterstützungs- und Marketingpaket unterwegs, um den Mitgliedsklubs die Positionierung mit dem Schwerpunkt Gesundheit zu erleichtern.

Bieler:
Im laufenden Jahr möchten wir in erster Linie die Aufbruchstimmung nutzen. Wir sind einen großen Schritt in die richtige Richtung gegangen, unter anderem darum gibt es in der Schweiz auch praktisch keine „wilden Golfer“, die nur eine Kredit-, aber keine Handicap-Karte vorweisen können. Wir haben viele Projekte im Vorstand des Verbandes, das reicht vom Kulturwandel bis zum Namenswechsel und auch in puncto IT gibt es große Veränderungen, die wir in diesem Jahr umsetzen wollen.

Enzinger:
Ich hoffe sehr, das die über viele Jahre diskutierte und lang überfällige steuerliche Erleichterung für den österreichischen Sport kommen wird. Es wäre sehr wichtig, die heimischen Vereine etwas zu entlasten, um auch wieder Investitionskraft in Sportstätten und Sportprogrammen zu ermöglichen. Auch die von Sportminister H.-C. Strache angesprochene Absetzbarkeit von Spenden an gemeinnützige Sportvereine wäre eine sehr sinnvolle Maßnahme.


Bildnachweis: swiss golf (li) ÖGV.

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