Reifeprüfung ­bestanden

Reifeprüfung ­bestanden

Ausgerechnet in Augusta, wo Sergio García sich nicht mehr wirklich eine Chance ausgerechnet hat, gewinnt der Spanier sein erstes Major.

Als ein gewisser Sergio  García beim Masters des Jahres 1999 die Auszeichnung für den besten Amateur gewann, sagte man dem jungen wilden Spanier eine verheißungsvolle Zukunft voraus. Ein Duell mit Tiger Woods auf Jahrzehnte wurde heraufbeschworen oder vielleicht auch erhofft. Doch im Gegensatz zum amerikanischen Superstar ließ „El Niño“ gerade bei Majorturnieren regelmäßig aus und wurde Jahr für Jahr mit dem Titel „bester Spieler ohne Majorsieg“ gebrandmarkt.

Lucky 73

Bei  seinem 73. Versuch, endlich das ersehnte und von ihm zwischenzeitlich sogar schon für „unerreichbar“ erklärte Majorturnier zu gewinnen, hat der Spanier es tatsächlich geschafft. Ob es an Severiano Ballesteros lag, der just am Finaltag 60 Jahre alt geworden wäre, oder an José María Olazábal, der Sergio noch eine feurige Botschaft für das Turnier mit auf den Weg gab, bleibt offen – aber sicher haben seine beiden Vorbilder und Mentoren in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass Sergio jetzt Träger eines grünen Jacketts ist.

Treppensturz

Begonnen hatte die Masterswoche gleich mit einer ganzen Reihe von Hiobsbotschaften. Die Nummer eins der Welt, Dustin Johnson, fiel im eigens angemieteten Haus die Treppe hinunter und musste am Donnerstag von einem Start absehen. Hinzu kamen Wetterkapriolen, die nicht nur den so beliebten Par-3-Contest verregneten, sondern auch die Greenkeeper-Crew des Augusta National Golf Club in höchste Alarmbereitschaft versetzten. Das Rennen um das erste Major des Jahres war durch die überraschende Absenz des Topfavoriten auf einmal völlig offen.

USA Schwach

Für die ersten positiven Schlagzeilen am Donnerstag sorgte der Amerikaner Charley Hoffman, der scheinbar spielend leicht mit den schweren Bedingungen zurechtkam und das Feld mit einer nicht für möglich gehaltenen 65er-Runde überrollte. In der Folge ereilte den Amerikaner jedoch dasselbe Schicksal wie alle seine hochgewetteten Landsleute. Und zwar ein rabenschwarzer Sonntag. Denn in diesen waren nicht nur Hoffman, sondern auch Rickie Fowler und Jordan Spieth eigentlich mit berechtigten Titelambitionen gegangen. Gerade von Spieth, der in seiner jungen Masterskarriere nie schlechter als mit Rang zwei abgeschlossen hatte, war viel erwartet worden. Doch mit Spezl Fowler im vorletzten Flight gepaart, kam er genau wie Rickie nie richtig in Schwung und musste sich relativ schnell mit der Zuschauerrolle zufriedengeben. Für das Highlight aus amerikanischer Sicht sorgte Matt Kuchar mit seinem Hole-in-one auf der 16. Unter tosendem Applaus der Patrons signierte „Kuch“ seinen Ball und drückte ihn einem völlig verdutzten kleinen Fan in die Hand. Schlaggleich mit dem belgischen Shootingstar Thomas Pieters belegte Kuchar am Ende bei fünf unter Par den geteilten vierten Platz und wurde damit bester „Gastgeber“.

Sergio vs. Rosey

Den sonst so loyalen Fans schien das schlechte Abschneiden ihrer Landsmänner jedenfalls nichts auszumachen, und so wurden eben Justin Rose und Sergio García, die sich ein packendes Duell lieferten, angefeuert. Zu Beginn hatte der Spanier nach zwei frühen Birdies schnell die Oberhand gewonnen. Im weiteren Verlauf der Runde kam „Rosey“ jedoch immer besser ins Spiel und zog auf der 8 mit seinem guten Freund gleich. Aber entschieden wird das Masters, wie man ja weiß, sowieso erst auf den zweiten Neun, die für Sergio mit einem Desaster begannen. Gleich zwei Schlagverluste musste der Spanier hinnehmen und drosch seinen Abschlag an der 13. Bahn unspielbar links in den Wald. „Da dachte ich, jetzt hab ich ihn“, so Rose, der im Gegenzug Par um Par spielte und sich auf der 13 eine gute Birdiechance erarbeitet hatte.

Nicht aufgeben

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ein junger García die Schultern hängenlassen und sich in sein Schicksal ergeben. Doch der einst so unberechenbare Spanier ist sichtlich gereift, und so war genau das Gegenteil der Fall. „Ich fühlte mich die ganze Woche über sehr ruhig und habe auch an der 13 noch an mich geglaubt“, so Sergio, dem mit Drop nebst Strafschlag das wohl beste Par seiner Karriere gelang. Danach schrieb Sergio García Geschichte. Sein Birdie an der 14 und ein sensationeller Eagle an der 15 sorgten mit 9 unter Par erneut für den Gleichstand mit Rose, der nach vergebenen Siegchancen auf beiden Seiten auch noch nach 72 Bahnen Bestand hatte.

Die Erlösung

Ein Stechen musste her, in dem sich Sergio García am ersten Extraloch endlich, endlich seinen großen Traum erfüllte. Justin Rose hatte nach einem Ausflug in den Wald an der 18 nur ein Bogey zu bieten, welches García mit einem krönenden Birdie zum Abschluss konterte. Als der Ball ins Loch fiel, kannte nicht nur der Jubel der Fans keine Grenzen mehr. Sergio García hatte das Unmögliche möglich gemacht, ging in die Knie und klopfte auf das geheiligte Grün. Beim anschließenden Besuch in der Butler Cabin gab es nach einem kurzen Interview aus den Händen von Vorjahressieger Danny Willett schon einmal die erste Anprobe des „Neuzugangs“ in Sergios Kleiderschrank. „Ich habe so lange auf diesen Moment gewartet, das macht ihn jetzt umso schöner“, strahlte der Masterssieger wenig später und konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. „Jetzt bin ich wohl der beste Spieler der Welt mit nur einem Majorsieg.“ 

 

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