Putter-Magier

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Victor Perez locht bei der Dutch Open aus allen Lagen und bezwingt Ryan Fox im Stechen.

Wenn es so etwas wie eine Traumkonstellation überhaupt gibt für einen Profigolfer, dann ist es wahrscheinlich die Führung auf der letzten Bahn mit 1-2 Schlägen Vorsprung. Bei der diesjährigen Dutch Open befand sich Ryan Fox nach wirklich großartigem Golf mit 4 Birdies und einem Eagle in dieser glücklichen Ausgangsposition. Ein einfaches Bogey auf der 18 (Par 5) hätte Fox ausgereicht, um sich nach der Ras al Khaimah Classic im Februar dieses Jahres nun im Bernardus Golf in der niederländischen Provinz Nordbrabant den zweiten Titel auf der DP World Tour in dieser Saison zu holen.

18 vergeigt

Für den neuseeländischen Long­hitter an einem Par 5 stellt das eigentlich kaum noch eine Her­ausforderunge dar, dachte man, doch wenig später machte sich bei dem diese Saison so stark aufspielenden Fox große Ernüchterung breit, als er nach einem verzogenen Drive mit Strafschlag am Wasserhindernis droppen musste. Von dieser Stelle aus benötigte Ryan Fox sage und schreibe fünf weitere Schläge und musste am Ende mit einem Doublebogey eine wirklich ganz bittere Pille schlucken. Nach Runden von 70, 67, 70 und 68 Schlägen hatte Fox mit insgesamt 13 unter Par zwar die Führung im Clubhaus übernommen, den sicheren Sieg aber hatte er verspielt und musste nun sogar noch um ein Stechen zittern. 

Knapp verfehlt

Denn nach ihm stand mit Victor­ Perez (–13) noch ein Spieler in den Startlöchern, dem ein Birdie auf der finalen Bahn jetzt sogar zum überraschenden Titel gereicht hätte. Doch auch der Franzose zeigte eine gute Portion Nerven am Tee und verzog seinen Abschlag so weit nach links, dass der Ball auf einem anderen Fairway landete. Nach einem Sicherheitsschlag und einer guten Annäherung trennten Perez nur gut zwei Meter vom Überraschungssieg, doch sein Putt verfehlte das Loch. Und so gab es für die Zuschauer der Dutch Open 2022 in Form eines Playoffs noch eine Zugabe, die mit jeder Menge spektakulären Putts gespickt war. 

Playoff-time

Am ersten Extraloch (gespielt wurde erneut die 18) erreichte Ryan Fox mit zwei Schlägen das Grün, vergab anschließend aber den Eagle-Putt zum Titel. Victor Perez hingegen musste aus gut sieben Metern zum Birdie verwandeln, um eine weitere Verlängerung zu erzwingen. Der Franzose meisterte diese Aufgabe und ging nach ein paar Fist-Pumps und unter großem Applaus der Fans mit Ryan Fox zurück an den 18. Abschlag. Auch am zweiten Extraloch geriet Perez ins Hintertreffen. Doch wusste Ryan Fox seine Chance auf den Titel nicht zu nutzen, und erneut verwandelte Perez nervenstark zum Ausgleich. Auch die dritte Auflage des Stechens an der 18 sah keinen Sieger, als Fox nach zwei tollen Schlägen zum Eagle vergab und Perez einmal mehr sensationell einen Monsterputt zum Teilen verwandelte. 

Ausserirdisch

Da sich die 18 nicht als Entscheidungsbahn entpuppte, stand mit der 17 (Par 3) nun endlich einmal ein anderes Loch für das Stechen auf dem Programm. Wie schon auf den Bahnen befand sich erneut Ryan Fox in der besseren Position. Aber irgendwie schien dem Neuseeländer langsam zu dämmern, dass es gegen „Putt-Meister“ Perez an diesem Tag wohl nichts mehr zu holen gab. Und als der Franzose wenige Minuten später tatsächlich erneut einen langem Putt mit kniffeligem Break im Loch versenkte, muss sich Ryan Fox wie in einem falschen Film vorgekommen sein. Sichtlich geschockt von den Puttkünsten seines Kontrahenten, vergab Fox wenig später zu einer erneuten Verlängerung und überließ dem jubelnden Franzosen die Bühne. 

Ryan Fox zog im Stechen gegen Putt-König Perez den Kürzeren.

 

Glück war auch dabei

„Ich muss ganz ehrlich sagen, dass bei allen Putts von mir im Stechen auch eine ganze Menge Glück dabei war. Dennoch freue ich mich natürlich sehr über den Titel. Ich habe mich den ganzen Tag nur auf mein Spiel konzentriert und Schlag für Schlag mit einem guten Gedanken-Setup ausgeführt“, so Perez nach seinem Sieg. „Im Golf kann man nie vorraussehen, was passieren wird. Manche Spieler kommen aus dem Nichts nach vorne und gewinnen noch das Turnier, andere erspielen sich große Vorsprünge und ziehen davon. Wichtig ist, dass man sich auf sich konzentriert, nicht zu sehr aufs Leaderboard schaut und in meinem Falle dann halt auch einmal in den richtigen Momementen das Glück auf seiner Seite hat“, so der Franzose weiter.

Wasserball

Hinter den zwei Playoff-Kontrahenten belegte Adrian Meronk bei einer wirklich spannenden Dutch Open den alleinigen dritten Rang. Dabei stand der Pole sogar zwischenzeitlich knöcheltief im Wasser, um seinen Ball spektakulär aus dem Hindernis zu schlagen. Der Lohn für diesen Auftritt war die Qualifikation für die Open Championship. Der Deutsche Marcel Schneider (67-71-71-68) benötigte nur einen Schlag mehr als Adrian Meronk und wurde nach einer soliden Vorstellung am Ende hervorragender alleiniger Vierter. 

Marcel Schneider spielte sich in Holland in die Top 5.

 


Bildnachweis: © Getty Images.

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