Punktlandung

Punktlandung

Weltmeister am Reck wurde er 1974 nicht zuletzt dank des nach ihm benannten „Gienger-Saltos“, den bis heute nur die Allerbesten beherrschen. Bei diesem Flugelement löst sich der Kunstturner beim Vorschwung vom Reck und turnt einen Salto rückwärts mit halber Längsachsendrehung – atemberaubend. 

Ein kaum weniger staunenswertes Kunststück vollbrachte der ehemalige Kunstturn-Champion Eberhard Gienger (70) am 11. Oktober vor dem Clubhaus des Golf- und Land-Clubs Berlin-Wannsee, unmittelbar nach seiner Teilnahme am traditionellen Golfturnier um den Pokal des Deutschen Bundestages. Es war der Tag, an dem in Berlin die Sondierungsgespräche für eine rot-gelb-grüne „Ampel-Koalition“ starteten, womit ein „Jamaica-Bündnis“ unter Führung von CDU/CSU in schier unerreichbare Ferne rückte – ebenso wie die kurzfristige Aussicht auf Beifallsstürme und Standing Ovations für einstmals erfolgsverwöhnte Unions-Politiker. 

Per Fallschirm aufs Grün

Völlig gegen den bundespolitischen Trend startete Eberhard Gienger, seit 2002 CDU-Bundestagsabgeordneter, an eben diesem Montag zu einem viel umjubelten Höhenflug – mit einem Kleinflugzeug und in Form eines Fallschirmsprungs aus 2200 Fuß mit perfekter Punktlandung exakt zwischen Clubhausterrasse und Putting-Grün, vor einer begeisterten Zuschauermenge. Es war möglicherweise sein letzter Fallschirmsprung in der Hauptstadt Berlin; denn nach 19 Jahren im Parlament war Gienger – bis zuletzt sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion – zur Wahl im September nicht erneut angetreten. 

Kunstturnen, Golfen, Fallschirmspringen: Der CDU-Sportpolitiker Eberhard Gienger beherrscht viele Disziplinen.

 

Zum Golfsport bekennen!

Erhalten bleibt er freilich der Golfsparte der Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestages, der schon traditionell mehr ehemalige als aktuelle Parlamentarier angehören, dazu dem Golfsport frönende Mitarbeiter des Parlaments und diverser Ministerien. „Zum Glück gibt es Politiker, die zu ihrem Hobby, ihrer Leidenschaft Golf stehen“, sagte Hans-Jürgen Thies (CDU), der zusammen mit Karlheinz Busen (FDP) als seinem Stellvertreter die Bundestags-Golfsparte in schwarz-gelber „Koalition“ leitet – „aber allzu viele sind es nicht.“ Kaum ein Dutzend Mitglieder des neuen Bundestags zeigen sich aktiv in der Golfsparte; dabei kennt Thies „mindestens 30 MdBs, die Golf spielen“; und er und seine Mitstreiter wollen darauf hinwirken, dass „die sich auch offen zum Golfsport bekennen“.

DGV-Botschaft an die Politik

Der Präsident des Deutschen Golf Verbands (DGV), Claus M. Kobold, hatte zum traditionellen Bundestags-Turnier – zum neunten Mal vom DGV exzellent organisiert – eine politische Botschaft an die versammelten Parlamentarier und Ministerialen im Gepäck. „Die härteste Nuss ist derzeit die Begrenzung der Beitragshöhe, um als Club nicht den Status der Gemeinnützigkeit zu verlieren“, betonte Kobold, und: „Golf ist die einzige Sportart, die auf eigenfinanzierten Sportanlagen aktiven Umweltschutz betreibt.“

Den wuchtigen Wanderpokal aus Sterlingsilber bei dem als Florida-Scramble ausgetragenen Turnier gewann der Flight um den fünfmaligen Weltmeister und Olympiasieger im Diskuswurf, Lars Riedel. Über den eigentlichen Hauptpreis durfte sich jedoch Reinhard Gödel freuen, der Vorstandsvorsitzende der Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende e.V. Der Verein unterstützt betroffene Familien und organisiert Jugendfreizeiten für organtransplantierte Kinder. Eine Tombola und die Versteigerung einiger attraktiver Preise unter den Turnierteilnehmern – darunter viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Sport und Diplomatie – erbrachte eine stolze fünfstellige Summe, die von DGV-Schatzmeister Achim Battermann auf 20.000 Euro „aufgerundet“ wurde. Schönes Spiel!


Bildnachweis: © Wolfgang Weber.

Wolfgang Weber
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