One-Woman-Show

One-Woman-Show

Linn Grant gewinnt nach tollem Spiel als erste Frau die Volvo Car Scandinavian Mixed.

Bei all dem Rummel um LIV Golf vs PGA Tour ist ein wirklich einzigartiges Event in Schweden fast ein wenig untergegangen. Und dabei hatte es die Volvo Car Scandinavian Mixed nicht nur vom Format her 2022 wirklich in sich. 

Schweden mischt

Beim Scandinavian Mixed treten 78 Damen und 78 Herren dabei nicht in gemischten Teams gegeneinander an, wie der Name vermuten lässt, sondern jeder für sich. Gespielt wird derselbe Platz (Halmstadt Golf Club), nur schlagen die Herren eben, wenn man so will, von Weiß ab und die Damen von Blau. Nach dem Freitag gibt es den üblichen Cut auf 65 und schlaggleich, bevor am Wochenende der Sieger oder eben auch die Siegerin feststeht. Die Premiere des von LET und DP World Tour ausgerichteten Turniers im letzten Jahr fand gerade in Schweden sehr viel Zuspruch und mit Jonathan Caldwell einen Überraschungssieger. Dabei sah es lange nach einem Stechen mit Adrian Otaegui aus, ehe der Spanier auf dem letzten Grün aus kurzer Distanz vergab.

Grant ganz groß

In diesem Jahr aber drückte kein gestandener Tourpro aus der Herrenliga, sondern zur großen Freude der Fans eine einheimische Proette der Scandinavian Mixed ihren Stempel auf. Kennern der Ladies European Tour wird der Name Linn Grant sicher ein Begriff sein. Bevor sie im Halmstadt Golf Club ihre spektakuläre Show abzog, hatte die junge Schwedin auf der LET bereits zwei ihrer letzten fünf Starts in Siege umwandeln können. Von den Fans frenetisch nach vorne gepeitscht, spielte Grant nun im Halmstadt Golf Club das Golf ihres Lebens und wirbelte nur so durchs Feld. Es war im wahrsten Sinne des Wortes die ganz Woche über eine One-Woman-Show.

Unaufhaltsam

Nach den ersten beiden Runden mit 66 und 68 Schlägen lag Grant mit in der Spitzengruppe, ehe sie zu einem denkwürdigen Wochenende ansetzen sollte. Denn an Tag 3 übernahm die 22-Jährige dank einer blitzsauberen 66 mit vier Birdies und einem Eagle sensationell die Führung im Turnier. Natürlich kam sofort die Frage auf, ob die Nerven am Finaltag halten würden. Diese Frage aber war im Flight mit Verfolger Jason Scrivener nach nur sechs Bahnen beantwortet. Bis auf Loch 3 notierte Grant fünf Birdies auf ihrer Scorekarte und zog dem Feld unter tosendem Applaus der Fans davon. 

Eine Sensation

Die Sensation lag schon längst nicht mehr nur in der Luft, sie war greifbar geworden. Auch als der Regen einsetzte, blieb Grant cool und spielte ganz routiniert ein paar Pars herunter, ehe sie auf 10 und 11 weitere Schläge gutmachen sollte. „Als ich am 13. Grün das Leaderboard sah und vor allem, dass ich mit acht Schlägen führe, hat mich das sehr entspannt. Ich wusste, ich kann ganz normal zu Ende spielen und muss nicht noch irgendetwas forcieren“, so die Schwedin. Mit einem Birdie auf der 14 wuchs Grants Vorsprung sogar auf sage und schreibe neun Zähler an, ehe sie mit vier abschließenden Pars und einer 64er-Schlussrunde die Sensation perfekt machte. Linn Grant  wurde nicht nur zur ersten Siegerin in der noch jungen Turniergeschichte der Volvo Car Scandinavian Mixed, sondern auch zur ersten Titelträgerin eines von der DP World Tour mit ausgerichteten Events.  Und das als einzige Teilnehmerin mit allen vier Runden unter 70 im ganz großen Stil.

Home sweet home

Nachdem sie ihren Freund und Caddie Pontus lange geherzt hatte, waren alle natürlich sehr gespannt auf das Siegerinterview. „Ich bin ehrlich gesagt sprachlos und sehr glücklich über diesen Heimsieg. Alle, die mir etwas bedeuten, Familie und Freunde waren live dabei und haben zugesehen. Am ersten Turniertag mit Annika im Flight war ich wahnsinnig nervös, doch heute nach dem ersten Abschlag habe ich Pontus gesagt, dass ich total ruhig bin und glaube, das durchziehen zu können“, so Grant. „Ich hoffe, dass dieser Sieg um die Welt geht und Werbung für Damengolf macht und uns auch etwas mehr Rampenlicht beschert. Es ist auch ein tolles Gefühl, die Männer in dieser Woche geschlagen zu haben. Und das auch noch daheim. Die Fans waren einfach unglaublich“, freut sich Linn Grant sehr über ihren Coup und fand auch noch sehr lobende Worte zum Turnier an sich. „Es hat einfach Spaß gemacht. Die ganze Woche über haben Damen gegen Herren gespielt und wer am Ende auch immer gewinnt, repräsentiert trotzdem das Teilnehmerfeld.“

Stenson liefert ab

Mit einem tollen Endspurt konnte sich Co-Host und Henrik Stenson noch bis auf den geteilten zweiten Platz nach vorne spielen und auch er fand sehr lobende Worte für die frischgebackenen Championesse. „Ich konnte am Ende noch Boden gutmachen und um den zweiten Platz kämpfen. Mit dem ersten Platz hatte ich nichts zu tun, denn da gab es jemanden, der alle anderen in Grund und Boden gespielt hat. Immer, wenn ich nach hinten geschaut habe, lag Linn in Prime Position und hatte eine Birdie-Chance nach der anderen. Wenn jemand so toll spielt, hast du keine Chance, also Gratulation an Linn“, so Stenson. „Das war ein tolles Turnier und, wie Annika es schon gesagt hat, ist Halmstadt eine großartige Location dafür. Wir haben ein tolles Hotel um die Ecke und der Platz ist in einem Top-Zustand, ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr“, fügte der Ryder-Cup-Kapitän von Team Europe noch hinzu.

Hut ab vor Co-Host Henrik Stenson, der geteilter Zweiter wurde.

 

Auch Annika happy

Für Co-Host Annika Sörenstam verlief das Turnier golferisch mit Rang 139 zwar nicht so erfolgreich, ihrer Freude über den Sieg von Linn Grant tat das aber keinen Abbruch. „Es ist ein unglaublicher Erfolg für Linn Grant und ich möchte ihr ganz herzlich zu dieser dominanten Vorstellung gratulieren. Ich bin auch sehr stolz auf Henrik, der als Co-Host die ganze Woche sehr viel zu tun hatte und hier dennoch am Ende den geteilten zweiten Rang belegt hat. Die Traumvorstellung bei diesem Turnier war für uns, dass es immer abwechselnd gewonnen wird und jetzt haben wir nach zwei Events schon einen Sieger und eine Siegerin, ein tolles Venue und unglaubliche Fans. Besser hätte es nicht laufen können“, so die ehemalige Nummer eins der Welt.  

Co-Host Annika Sörenstam spielte die ersten Tage mit der späteren Siegerin.

 


Bildnachweis: © Sportcom/Getty Images, Getty Images.

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