Noch nicht ganz

Noch nicht ganz

Während sich der Golfsport für Hobbygolfer ­normalisiert, wird es bei den Pros noch dauern.

Auf dem Golfplatz ist für die meisten Spieler wieder alles wie vor Corona. Einige Hygienemaßnahmen müssen beachtet werden, aber eigentlich fragen sich mittlerweile nicht wenige, warum man das nicht schon immer gemacht hat, wie etwa nach dem Heimkommen Hände waschen oder Dinge desinfizieren. Der Profisport hingegen braucht noch, bis er zur Realität zurückkehrt. Das liegt daran, dass viele Länder, in den USA sogar die Bundesstaaten, Lockerungen mit verschiedenen Geschwindigkeiten und Vorgaben umsetzen. Beinahe täglich gibt es hier und dort neue Lockerungen, umgekehrt besteht natürlich die Gefahr, dass durch neue Clus­ter Regionen wieder zugesperrt werden. So ist die Welt eben Mitte 2020. Das stellt auch Veranstalter vor schwierige Aufgaben, schließlich möchte man den Zuschauern, auch wenn sie nur zu Hause vor den TV-Geräten sitzen, einiges bieten. Der UK Swing, sechs Turniere auf der European Tour, überlegt nun, die Spieler mit Mikrofonen auszustatten. Dies ist etwa bei Wohltätigkeitsturnieren schon gut erprobt, da macht es durchaus Spaß zuzuhören, was die Golfer und Prominenten so zueinander sagen. Und die European Tour in Person von Chief Executive Keith Pelley erklärt gegenüber Medienvertretern dazu: „Hat man einmal ein drahtloses Mikrofon im Wettbewerb benutzt und es war nicht in irgendeiner Weise beeinträchtigend – die Technologie ist mittlerweile so weit, dass die Geräte wirklich klein sind und den Schwung nicht stören –, dann wird die Technologie einfach alltäglich und zu einer Lebensart.“

Viele Vorgaben

Anders wird es für die Profis auch wegen der Testungen. Denn wie die meisten anderen Profisportler auch müssen diese umfangreich getestet werden. Die PGA Tour wird massiv viel testen, bis zu einer Million Tests werden in der Saison 2020 wohl anfallen. Dabei werden nicht nur die Sportler selbst, sondern auch Manager, Trainer, Caddies, Funktionäre oder sonstige Mitarbeiter beziehungsweise Teilnehmer vor Ort während eines Turniers getestet. Die PGA Tour setzt dabei aber nicht auf Heimtests. Der Leitfaden namens „Participant Resource Guide“ sieht eine „dringende Empfehlung“ für alle Beteiligten vor. Die Spieler sind verpflichtet, ab sieben Tagen vor der Abreise zu einem Turnier täglich Fragebögen zur Selbstkontrolle auszufüllen. Wenn die Spieler bzw. Caddies dies machen, haben sie im Falle eines positiven Corona-Tests auch Anspruch auf eine Entschädigung.

Covid-19 wird die Golfwelt doch noch einige Zeitlang beschäftigen.

 

Entschädigung

Wer in Quarantäne muss, erhält von der Tour eine Unterstützung, um die damit verbundenen Kosten zu decken. Joel Schuchmann, PGA Tour VP of Communiations, wird im Magazin „Golf Digest“ folgendermaßen zitiert: „Der Test zu Hause soll den Spielern helfen, die unwahrscheinliche Situation eines positiven Testergebnisses zu vermeiden und eine Quarantäne außerhalb ihres Zuhauses zu verhängen.“ Vor Ort werde dann sehr wohl getestet. Wer einen negativen Schnelltest liefert, erhält Zugang zu den Umkleidekabinen und dem Clubhaus. Man kann nur hoffen, dass sich aus der schieren Menge keine Sicherheitslücken ergeben.

Besonderheiten

Durch die Ausnahmesituation der Pandemie ergeben sich noch weitere Ausnahmen. So wird es für die US Open keine Qualifikationsturniere geben, das Feld werde aufgefüllt, wie John Bodenhamer von der USGA erklärt: „Wie Sie sich vorstellen können, war dies eine unglaublich schwierige Entscheidung, da das Qualifying ein Eckpfeiler unserer Meisterschaften ist.“ Ob beim Ryder Cup Zuschauer zugelassen sein werden oder er überhaupt verschoben wird, ist auch noch offen. Und die European Tour ist Stand Anfang Juni noch on hold. Derzeit geplant: das British Mas­ters (22. bis 25. Juli). und eine Woche später (30. Juli bis 2. August) dann die English Open in Birmingham. Es wird also noch dauern, bis die Normalität auch bei den Golfprofis zurückgekehrt ist.


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