Mit Anlauf zum Erfolg

Mit Anlauf zum Erfolg

Dylan Frittelli gewinnt bei den Lyoness Open erstmals auf der European Tour – Sepp Straka wird bester Österreicher.

Es war alles angerichtet für ein tolles Turnier mit einem für österreichische Fans so wichtigen Sieg eines heimischen Athleten. Eine Heerschar an rot-weiß-roten Golfprofessionals nahm die Lyoness Open powered by Organic+ in Angriff und auch wenn sich nur drei davon für ein Preisgeld qualifizierten, fällt die Bilanz des Veranstalters äußerst positiv aus: Mehr als 20.000 Zuschauer kamen in der Turnierwoche in den Diamond Country Club nach Atzenbrugg, um die nationalen und internationalen Golfstars zu bewundern. Speziell Österreichs neues Paradetrio im Golfsport (Bernd Wiesberger, Matthias Schwab und Sepp Straka), aber auch „Oldie but Goldie“ Markus Brier begeisterten die heimischen Golffans. Auch das prachtvolle Wetter an den Turniertagen trug natürlich viel dazu bei, dass die Organisatoren zurecht von einer perfekten Turnierwoche sprechen dürfen. Die neuen Ideen für den Public-Bereich fanden genauso große Zustimmung wie die Challenge „Beat the Pro by Lignum Tee“, die mehr Show in den Golfsport bringt. Das Lob der Spieler, der Sponsoren und Partner und Zuschauer ist Motivation und Ansporn für alle für das nächste Jahr.

Sportlich wertvoll

Der Sieg ging aber nicht nur an die Veranstaltung an sich, auch das Preisgeld fand einen berechtigten Abnehmer. Der Südafrikaner Dylan Frittelli holte sich mit einem Gesamtscore von zwölf unter Par in einem spannenden Finale die begehrte Trophäe im Diamond Country Club in Atzenbrugg und feierte somit seinen ersten Sieg auf der European Tour.

Frittelli, der in den USA auf dem College mit Jordan Spieth zusammen spielte, startete mit Felipe Aguilar, dem Führenden nach 54 Löchern, und Straka im Schlussflight in die letzte Runde. Begleitet von einer riesigen Menschenmenge zeigten die drei immer wieder sensationelles Golf. Vor allem Frittelli erwischte einen starken Tag und notierte auf den Front Nine vier Birdies. Während Aguilar an seine Form der letzten drei Tage nicht anknüpfen konnte und immer weiter nach hinten fiel, war Straka auch diesmal wieder cool drauf und genoss das Spiel vor den Zuschauern sichtlich. Selbst ein Doppel-Bogey auf Loch zwei konnte ihn nicht aus der Fassung bringen. Auf den beiden Löchern elf und zwölf fiel in diesem Flight dann so etwas wie eine kleine Vorentscheidung: Frittelli spielte auf der elf sein fünftes Birdie, Straka ein Bogey und Aguilar ein Bogey auf der zwölf. Somit schien es sich abzuzeichnen: Der Österreicher und der Chilene würden mit dem Sieg nichts mehr zu tun haben, der Südafrikaner baute seinen Vorsprung auf seine Spielpartner immer deutlicher aus.

Angriff von hinten

Dass es für Frittelli allerdings nicht zur One-Man-Show wurde, dafür sorgten sein Landsmann Jbe’ Kruger sowie die vor ihm spielenden Engländer David Horsey, Richard McEvoy und der Finne Mikko Korhonen. Fast nach jedem Loch änderte sich das Feld der Verfolger, auch nach 15 von 18 Löchern war es unmöglich, einen Sieger zu prognostizieren. Wie spannend Golf sein kann, wurde an diesem Sonntag offensichtlich, denn zwischenzeitlich zeichnete sich sogar ein Stechen mit vier bis fünf Spielern ab. Es war dann eine reine Nervensache für alle Beteiligten, die Entscheidung fiel auf den letzten beiden Löchern. Zunächst hatte Horsey (mit 7 unter Par der Tagesbeste) schon Par gespielt und Frittelli gewaltig unter Druck gesetzt. Dann verhaute Kruger auf der 18 seinen Abschlag und spielte ein Bogey. Auch McEvoy verzog in den Bunker und notierte ebenso einen Schlagverlust. Korhonen ging mit Par vom Grün, also war für den Südafrikaner klar: Auf den letzten drei Löchern benötigte er zumindest ein Birdie, um nicht ins Stechen gehen zu müssen. Dieses gelang ihm auf der 16, auf der 17 kämpfte er um sein Par und danach wartete eine beeindruckende Zuschauermenge im „Stadion“ rund um das 18er-Loch.

Anders als in China vor ein paar Wochen, als ihm auf der letzten Runde die Nerven versagten, blieb Frittelli diesmal aber cool, setzte den Abschlag knapp fünf Meter vor die Fahne, näherte gekonnt an und versenkte souverän den Putt zum Par und zum ersten Sieg eines Südafrikaners in Atzenbrugg. „Ich wollte das Stechen unbedingt vermeiden, daher habe ich auf den letzten Löchern noch alles riskiert. Nun bin ich überglücklich, endlich mein erstes Turnier gewonnen zu haben. Es hat sich schon ein bisschen abgezeichnet, jetzt ist es wahr geworden: Ich bin ein Sieger auf der European Tour“, jubelte Frittelli nach diesem Wochenende.

Heimat großer Söhne

Sepp Straka, der lange um den Sieg mitgespielt hat, belegte am Ende mit sieben unter Par den ausgezeichneten siebenten Platz. Der vor dem Turnier favorisierte Bernd Wiesberger musste sich  hingegen mit Rang 15 begnügen und Matthias Schwab klassierte sich bei seinem Profidebüt als 43. ebenfalls im Preisgeld. Für Straka war es sogar nicht nur „extrem lässig, mit diesen zwei Spielern auf die Runde gehen zu können“, er bewies auch einmal mehr sein großes Können. „Ich habe viel gelernt, die vielen Fans, die mich immer wieder anfeuerten, waren echt der Wahnsinn. Ich versuchte zwar, den Trubel auszublenden und meinen Plan durchzuspielen, aber die Putts fielen nicht ganz so, wie ich es wollte“, resümierte der 24-Jährige nach seiner Runde.

Bernd Wiesberger wollte an diesem Tag noch einmal angreifen, startete aber gleich mit einem Bogey. „Mit dem zweiten Schlag war es eigentlich schon vorbei“, zeigte sich der Burgenländer enttäuscht, „trotzdem habe ich mich reingekämpft und mit zwei Birdies am Schluss noch ein versöhnliches Ende gefunden.“ Wiesberger spielte am Finalttag unter den drei Österreichern auch die beste Runde (-2), der Rückstand vom Vortag ließ aber eine absolute Spitzenplatzierung nicht mehr zu. „Mit Donnerstag und Freitag bin ich zufrieden, das Wochenende will ich lieber vergessen“, analysierte er sachlich.

Matthias Schwab beendete sein erstes Turnier als Profi hingegen mit eins über Par auf Platz 43. Im Großen und Ganzen war der Schladminger mit dem Tag und seinem Debüt im Konzert zufrieden. Dass er allerdings andere Ansprüche hat, gibt er offen und ehrlich zu: „Ein Triple-Bogey und drei Doppel-Bogeys auf vier Runden sind eigentlich ein Desaster, das ist nicht das, was ich mir vorstelle. Es war dennoch richtig cool, daheim in Österreich zu spielen, das Drumherum und den Rummel kennenzulernen. Nächstes Jahr will ich im Klassement dann weiter vorne sein.“

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