Mathe & Muskeln

Mathe & Muskeln

Menschen im Sport können viel Geld verdienen –wenn man sie lässt und sie es auch wollen.

Bryson DeChambeau ist ja so einer, von dem die Golfwelt ein bisschen eine geteilte Meinung hat. Und da reden wir jetzt nicht von seiner lustigen Mütze. Da wäre zum Beispiel das letztes Jahr viel diskutierte Slow Play. DeChambeau gilt als Nachdenker, was vielleicht auch daran liegt, dass sein Hauptfach an der Southern Methodist University in Dallas, Texas, Physik war. Es wird eben nicht nur auf den Ball draufgedroschen, sondern nachgedacht. Und vielleicht ist es etwas aus der Zeit gefallen, das Aussehen eines Sportlers zum Thema zu machen, aber nun muss es sein: Denn bei Bryson DeChambeau wird stark ersichtlich, was er während der coronabedingten Wettkampfpause gemacht hat – und es ist wohl eher kein Sauerteigbrot, hat aber auch mit Aufgehen zu tun. Denn der „Scien­tist“ aus Kalifornien mit seinen fünf Siegen auf der PGA Tour ist mittlerweile ein veritabler Muskelkoloss. Der britische Golfjournalist Luke Kerr-Dineen twitterte beispielsweise: „Er sieht aus wie ein Pokemon, nachdem es sich weiter entwickelt hat.“ Und recht hat er. Wer sich Fotos von vorher und nachher ansieht, merkt, dass DeChambeau ordentlich Muskeln aufgebaut hat. Bei einer Größe von 1,85 Meter soll er 109 Kilogramm auf die Waage bringen, das meiste wohl Muskeln. Bei der Charles Schwab Challenge drosch er den kleinen Ball im Schnitt 310 Meter weit. Mit deutlichem Vorsprung auf alle anderen. Aber: Die Genauigkeit stimmt. Gut gemacht, Herr DeChambeau! Er selbst sagt: „Mein endgültiges Ziel ist, so stark wie nur möglich zu werden. Was das in Gewicht bedeutet, weiß ich nicht. Aber ich achte darauf, dass sich alles proportional entwickelt und einheitlich stärker und schneller wird.“ Entsprechende Videos und Fotos können in den sozialen Medien angesehen werden. Er verbindet eben Mathematik und Muskeln!

Unverantwortlich

Die Turnierveranstalter hatten in den letzten Wochen andere Sorgen als Muskelaufbau. So machte man sich nach (beziehungsweise während) der ersten Welle der Pandemie Gedanken darüber, wie viele Zuschauer denn zugelassen werden könnten. Beim Memorial Tournament vom 16. bis 19. Juli in Jack Nicklaus‘ Muirfield Village in Ohio werden es 8.000 sein, also ein Fünftel. Abstand, Zugangskorridore, Fiebermessungen, all das wird die neue Realität. European-Tour-Profi Bernd Ritthammer kann die Zulassung von Fans nicht verstehen, wie er der Bild am Sonntag mitteilte: „Wenn ich mir die Corona-Fallzahlen in den USA ansehe, dann passt die Entscheidung nicht und ist für mich unverantwortlich. Natürlich ist es toll, dass wieder gespielt wird. Und ich verstehe, dass man schnellstmöglich wieder mit Zuschauern spielen möchte. Das ist auf einem Golfplatz in gewisser Weise ja auch logistisch einfacher als in einem Stadion. Dennoch finde ich die Entscheidung merkwürdig.“

Gut genützt

Leider geht es nach wie vor um Corona, aber diesmal hatte das zumindest für Brooks Koepka auch einen positiven Nebeneffekt: Er konnte in der rund drei Monate andauernden Pause an seiner Knieverletzung arbeiten. Das war, so Koepka, „definitiv von Vorteil für mich. Ich konnte irgendwie nachdenken, wo ich stehe. Und das Knie konnte ich stärker machen. Es ist zurück und viel besser. Es war ohne Zweifel ein Segen für mich, und ich bin gespannt, was hier passiert.“ Damit meinte er logischerweise die Charles Schwab Challenge. Das Interview war vor dem Turnier, nach dem Turnier stand Koepka auf dem geteilten 32. Platz, doch einigermaßen weit von der Spitze entfernt.

Mehr Diversität

Stets ein Thema in diesem Bereich sind darüber hinaus auch politische Aussagen von Golfern. In den USA bestimmt neben der Pandemie die „Black Lives Matter“-Bewegung die Tagespolitik und somit auch den Golfsport. Da gibt es mit Tiger Woods zwar ein alles überstrahlendes Aushängeschild, die PGA Tour ist sich aber bewusst, dass noch mehr getan werden muss. So meinte PGA Tour Commissioner Jay Monahan etwa jüngst in einem Interview: „Wir müssen diverser werden und allen den Zugang zu unserem Sport ermöglichen, damit wir wirklich etwas bewirken können.“ Denn es geht eben um Zugang. Neben Woods sind nur noch drei schwarze US-Spieler auf der Tour: Harold Varner III, Joseph Bramlett, Cameron Champ. Es gibt durchaus Parallelen, wie Ken Bentley, CEO der Advocates Pro Golf Association Tour (APGA), meint. Die APGA möchte erreichen, dass es mehr Diversität gibt. Bentley sagt: „Im Tennis wird man in Trainingszentren geschickt, wenn man gut ist. Die Kosten werden übernommen. Im Golf müssen wir dasselbe machen. Ich glaube wirklich, dass Sie in den nächsten fünf Jahren eine völlig andere Golflandschaft sehen werden. Ich denke, die Unruhen, die wir jetzt sehen, werden dazu beitragen, das zu beschleunigen.“ Bentley zeigt sich optimistisch: „Es kommt eine Generation von Leuten, die wirklich etwas ändern wollen. Es ist nicht nur ein schwarzes Problem, es ist ein amerikanisches Problem, und die Amerikaner finden kreative Wege, um es zu lösen.“ Wer ihn unterstützt? Beispielsweise der junge Herr aus dem vorigen Absatz (Koepka): „Es muss Veränderungen geben, und ich möchte Teil der Lösung sein.“

Geldsorgen

Andere „Sorgen“, um zum Abschluss ein flockigeres Thema aufzugreifen, hat Gary Player. Die südafrikanische Golflegende – 163 Turniersiege als Professional ab 1953 – hat den eigenen Sohn Marc verklagt. Es geht um Lizenzrechte, der Streitwert zwischen Player senior und der vom Sohn geführten Firma Gary Player Group beläuft sich auf fünf Millionen Dollar. Eine pikante Familienaffäre, bedenkt man, dass Gary Player nicht nur jahrzehntelang ordentlich Preisgeld gescheffelt hat, sondern auch ein begehrter Golfplatzdesigner und mit dem doch schon fortgeschrittenen Alter von 84 Jahren wohl in der Position ist, nicht mehr jeden Dollar zu brauchen. Und auch, wenn man sein soziales Engagement bedenkt: Die Player Foundation hat viele Millionen an Spenden generiert. Oder es geht ums Prinzip, etwas, was er dem Sohnemann vermitteln will. Nicht zuletzt sagt man ja, dass Gary Players Motto „The harder you practice, the luckier you get“ lautet.


Bildnachweis: © Getty Images.

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