Majors meiden

Majors meiden

Mit den verschiedensten Erklärungen sagen Golfprofis ihre Teilnahmen an Turnieren ab.

Während für einen Großteil der Golfsportler um den Globus wieder Normalität auf den Heimatplätzen herrscht, müssen – oder dürfen, je nach Lesart – Golfprofis weite Reisen unternehmen. Wer nicht fliegen will und wenn kein Ozean dazwischen ist, kann das Auto nehmen. Die Deutsche Caroline Masson etwa fuhr über 1.000 Meilen von Florida zum letzten Turnier an. Doch andere Profis können – Ozean! – nicht mit dem Auto anreisen und sagen Teilnahmen ab. Rory McIlroy mag nicht nach Europa: „Ehrlich gesagt sehe ich mich dieses Jahr nicht in Europa. Denn ich möchte eigentlich nicht reisen, mich Menschenansammlungen und all den anderen potenziellen Risiken aussetzen.“ Oder auch Brittany Lincicome, US-Amerikanerin, 34 Jahre alt, zweifache Majorsiegerin, vor einem Jahr Mutter geworden. Sie wird nicht an den British Open teilnehmen. Weil: „Ich bin nun 16 Jahre auf der Tour und habe keine British Open verpasst. Es bricht mir das Herz, in Royal Troon nicht dabei sein zu können. Aber wir müssten einen Linienflug nehmen, und ich möchte meine kleine Tochter Emery und mich nicht diesem Risiko aussetzen.“ Den umgekehrten Weg, von den britischen Inseln nach Amerika, müsste Lee Westwood nehmen. Der will das nicht, nennt aber ganz andere Gründe für seine Absage an die Turniere der PGA Tour in den USA: „Es gibt zu viele Unwägbarkeiten. Und ich bin sehr besorgt darüber, dass Amerika diese Pandemie nicht so ernst nimmt wie der weitgehende Rest der Welt. Es fühlt sich außerdem einfach nicht gut an, für zwölf Stunden in einem Flugzeug zu sitzen.“ Zur Erinnerung: Jüngst kam es zu Änderungen bei den Corona-Vorgaben, direkt aus dem Weißen Haus. Die PGA Tour schaffte die 14-tägige Quarantäne für ankommende internationale Spieler kurz vor WGC und Major ab. Ja, es gibt sehr gute Gründe, heutzutage nicht um den halben Globus zu fliegen, auch wenn es für die Golfprofis um gutes Geld ginge. Wir lernen aber, dass Geld eben nicht alles ist. Gerade in Zeiten der Covid-19-Pandemie.

Dieser Trump

Wer Golf sagt, muss auch PGA sagen. Wer PGA sagt, muss auch USA sagen und wer das tut, sagt auch Donald Trump. Der US-Präsident ist bekanntlich höchst golfaffin und unterhält mehrere Plätze. Und er hätte doch so gerne auch ein Major auf einem seiner Golfcourses. Jüngst wurde bekannt, dass er in seiner Funktion als Präsident offenbar den amerikanischen Botschafter in Großbritannien bei der dortigen Regierung vorsprechen ließ, um Druck auf die R&A auszuüben. Nominell gehört das Turnberry Resort im schottischen Ayrshire, in Trumps Besitz, zu den Open-Championship-Kursen. Also eigentlich. Denn: 2016 hatte Martin Slumbers, als Trump noch nur Kandidat war, bei der Vergabe der Open für die kommenden Jahre ganz britisch gemeint: „Ich sehe den Fokus bei Meisterschaften doch eher auf Golf und dem Spielgeschehen. Wir veranstalten die Open nämlich, um am Sonntag den ,Champion Golfer of the Year‘ zu krönen, dafür sind wird da!“ Aufgepoppt war die Story zuletzt übrigens, da ein Spitzendiplomat diese Vorgänge ansprach und das Ganze – nicht zu Unrecht – als Amtsmissbrauch bezeichnete und prompt seinen Job verlor …

Trump will so gerne, dass die R&A auf seinem Kurs spielt, aber das klappt nicht.

 

Ernährung mit Bryson

Bryson DeChambeau kennen mittlerweile nicht mehr nur Golfer. Das ist vermutlich gut für den Golfsport, wenn es einen weiteren Superstar gibt. Seine Hulk-Werdung ist an der Öffentlichkeit nicht vorbeigegangen. Insofern bat ihn das Magazin GQ zu Interview. Wer das Druckprodukt nicht kennt: Es ist ein Männerlifestylemagazin. Eben dort lässt DeChambeau aufhorchen: „Ich meine, mein Ziel ist es, 130 oder 140 Jahre alt zu werden. Ich glaube wirklich, dass das mit der heutigen Technologie möglich ist.“ Wer sollte es schaffen, wenn nicht er? Allerdings werden sich Ernährungwissenschaftler und Ärzte ein bisschen fragen, ob das alles so gesund ist, was der Gute so zu sich nimmt. Das Frühstück: „Ich werde vier bis fünf Eier mit fünf oder sechs Stück Speck oder Wurst essen. Ich esse dazu auch zwei Stücke Toast oder einen Bagel mit Frischkäse, vielleicht etwas Traubenmarmelade. Es hängt vom Tag ab, davon, wie ich mich fühle. Dann nehme ich zwei Organ-Proteinshakes zu mir.“ Mittagessen? Fehlanzeige, wobei das bei dieser rund 2.000-Kalorienbombe auch wenig überrascht. Am Abend, nach Training, Physiotherapie und Co gibt es dann wieder was: „Das Abendessen besteht normalerweise aus einem Kohlenhydrat-Protein-Verhältnis von 2:1. Überraschenderweise esse ich nicht zu viel Gemüse.“

Bryson DeChambeau verrät, wie er sich ernährt. Er meint, dass das gesund ist.

 

Reifenschaden

Wer schon einmal auf den britischen Inseln mit dem Auto fuhr oder besser einen Mietwagen ausborgte, wird gefragt, ob man eine Reifenplatzerversicherung will. Als Österreicher oder Deutscher wird man da verdutzt schauen, wenn man allerdings ins Hinterland fährt, bemerkt man, dass die Straßen im hohen Norden tatsächlich ein bisschen anders sind als in den Autofahrernationen im Herzen des Kontinents. Das ist wichtig, um folgende Story zu verstehen. Und die geht so: Youngster Charlie Littlewood wurde von der Yorkshire Boys Championship ausgeschlossen, weil er zu spät kam – um 15 Minuten. Der Verband kannte keine Gnade und wollte auch „höhere Gewalt“ nicht gelten lassen. Warum wohl? Blöd ist es natürlich allemal und schade für den Youngster obendrein. BBC-Golfexperte Iain Carter: „Das ist nicht der richtige Weg, eine solche Passion für Golf zu fördern.“ Stimmt auch wieder. Die Littlewoods werden in Zukunft wohl früher losfahren.

Bombe am Platz

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichtsstunde inklusive Militär. Das musste nämlich am Royal Cromer Golf Club in Norfolk in England ausrücken. Der Green­keeper hatte eine Weltkriegsbombe am Platz gefunden – auch das kennt man leider auch aus Österreich und Deutschland, denn Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg gibt es diese Dinger immer noch. Der königliche Kampfmittelräumdienst kam, nahm die Bombe und ließ sie auf der Drivingrange in die Luft gehen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie einfach so hochgegangen wäre. Insofern: Gut is‘ gangen, nix is‘ g‘schehn. Gott sei Dank!


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