Made in Dominance

Made in Dominance

Bernd Wiesberger holt sich dank eines selbstbewussten Auftritts seinen achten Titel auf der European Tour und gehört wieder zu den Top 50 der Welt. Auch dem Ryder Cup ist er einen großen Schritt näher gekommen. 

Himmerland ist eine Halbinsel im Norden von Jütland und bisher nur wenigen Öster­reichern ein Begriff. Seine historische Bedeutung – das Identitätsgefühl der Himmerländer ist eng mit dem Mythos verknüpft, der Landstrich sei bis in römische Zeit Heimat der kriegerischen Kimbern gewesen – hat für uns keine. 

Wie die Faust aufs Auge

Ein 35-jähriger Burgenländer hat hingegen in den letzten zwei Jahren eine besondere Beziehung zu der Landschaft aufgebaut. Genauer gesagt mit dem HimmerLand Resort in der Nähe der dänischen Kleinstadt Farsø. Denn Bernd Wiesberger fühlt sich auf dem Championship-Course, der nach großen Investitionen in Platz und Clubeinrichtungen in neuem Glanz erstrahlt, sichtlich wohl. Das Layout kommt ihm dabei perfekt entgegen, und auch die Grüns scheinen für ihn keine großen Hürden darzustellen, was er bei seiner Titelverteidigung (2019 holte er in Dänemark den Titel, 2020 musste das Event aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden) erneut eindrucksvoll unter Beweis stellte. Am Ende steht ein Sieg mit fünf Schlägen Vorsprung zu Buche.  Dabei packte er just zu den Zeiten sein bestes Spiel aus, in denen er es dringend brauchte, und hatte manchmal auch das nötige Quäntchen Glück. Insgesamt war die Woche aber geprägt von seiner ruhigen Herangehensweise und großem Selbstbewusstsein in seinem Auftreten. 

„Das Beste in Mir“

Und das, obwohl Wiesberger mit seinem Spiel in den letzten Wochen nicht vollends zufrieden sein konnte – immer wieder zeigte er zwar seine Klasse, konnte die Runden aber oft nicht durchziehen und hatte nachher zumeist das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre. Nicht zuletzt nach dem verpassten Cut bei der PGA Championship in ­Kiawah Island kam das Turnier in Dänemark genau zur richtigen Zeit. Denn die positiven Erinnerungen an den Sieg bei der Made in Denmark 2019 lösten schnell die Anspannung, und Wiesberger konnte von Anfang an befreit aufspielen („Der Platz bringt das Beste in mir zum Vorschein“). 

Start-Ziel-Sieg

Gleich nach Runde eins lag er mit einer 66er-Runde (-5) in geteilter Führung und bekam schnell Lust auf mehr. Tags dar­auf zog er der Konkurrenz mit einer weiteren tiefroten Runde (65) bereits leicht davon, um sich über den Moving Day (68) die perfekte Ausgangsbasis für seinen Triumph zu schaffen. Mit einem Schlag Vorsprung ging es schließlich in den Finaltag, an dem bereits auf Loch eins das erste Birdie – mit einem Putt aus gut sechs Metern – ein gutes Omen bedeutete. Zwar musste er kurz darauf auf Loch drei ein Bogey notieren, da aber auch die Konkurrenz patzte, blieb er weiter in Front und konnte vorne wegspielen. Seine Chancen auf den drei Par 5s nutzte er hingegen gut aus, auch wenn ein Eagle-Putt Zentimeter vor dem Loch zum Liegen kam. Die drei Birdies reichten aus, um das Feld hinter sich zu lassen – vor allem Guido Migliozzi war am Finaltag „on the run“ und spielte mit einer 63 die beste Runde des Tages und sicherte sich Platz zwei. Das Glück des Tüchtigen kam Wiesberger hingegen auf Loch 6 zugute, als sein Abschlag auf dem Par 3 in der Böschung hängen blieb und das Wasserbad noch gerade so ausblieb. 

Matthias Schwab sicherte sich in Dänemark erneut ein Top-Ten-Ergebnis.

 

Ohne Probleme

Auf den Backnine spielte er schließlich den Sieg gekonnt nach Hause und hatte für die Zuschauer noch ein paar Highlights parat: Von Loch 10 weg spielte er fünf Birdies innerhalb von sechs Spielbahnen und verpasste der Konkurrenz den entscheidenden Schlag. Der Rest des Tages (64 Schläge) glich einer Siegeszeremonie. Ohne weitere Probleme spulte er die Runde zu Ende und konnte auf dem 18. Grün ohne großes Zittern den letzten Putt zum mittlerweile achten Sieg auf der European Tour einlochen. Damit festigt der Oberwarter auch seinen Status als einer der Top-Spieler auf der European Tour. Immerhin konnten in den letzten zehn Jahren nur Kapazunder wie Rory McIlroy und Dustin Johnson mehr Turniere in diesem Zeitraum gewinnen. Seit 2019 hat er mit nun vier Siegen überhaupt den geteilten Rekord. „Es ist unglaublich. Ich hatte bereits sieben Chancen (einen Titel zu verteidigen, Anm.) – bei den ersten sechs hatte ich leider keinen Erfolg. Aber ich sage es schon die ganze Woche: Ich fühle mich hier sehr wohl. Hier zu spielen ist gut für mein Selbstvertrauen. Es ist ein spezieller Ort für mich.“

Push-Nachricht

Der Zeitpunkt für den Sieg hätte zudem nicht besser ausfallen können: Zum einen gibt er ihm den benötigten emotionalen Push für die kommenden
Wochen (dieser Sieg zählt in der Rangliste bereits doppelt), die für die ­Ryder-Cup-Qualifikation entschei­dend sein werden – wenn man nicht auf einen Captain’s Pick von Padraig Harrington hoffen will. Zum anderen er­oberte er sich damit wieder einen Platz unter den Top 50 der Welt und konnte sich somit vom Druck befreien, der sich in den letzten Wochen und Monaten aufgestaut hatte. Gar die Qualifikation für die U.S. Open stand in der Schwebe. Noch dazu feierte die Frau Mama just am Sonntag ihren Geburtstag. Ein besseres Geschenk als einen Sieg in Dänemark hätte er ihr an diesem Freudentag nicht machen können. 

Ryder Cup, wir kommen!

Auch im Hinblick auf das Fernziel US PGA Tour lassen dieser Sieg und die nötige Verbesserung in der Weltrangliste Positives erhoffen. Auch wenn man zurückblickt auf sein Comeback-Jahr 2019, als der Sieg in Dänemark der Auftakt zu einer fantastischen Saison war – mit in Folge zwei Siegen bei Rolex-Series-Events. Wobei so eine Siegesserie heuer einen Eintrag in die Geschichtsbücher (als erster österreichischer Spieler, der sich für einen Ryder Cup qualifiziert) bedeuten würde. Angesprochen auf ein mögliches Debüt, meinte Wiesberger nach seinem Sieg: „Es muss noch viel Golf gespielt werden. In erster Linie wollte ich eine gute Woche haben und wieder anfangen, besseres Golf zu spielen. Und es hat bei mir wirklich geklickt. Klar würde ich meinen Namen gerne für einen Platz beim Ryder Cup in Stellung bringen. Das Wichtigste ist allerdings, ich muss noch ein paar mehr Turniere wie diese Woche spielen, und dann wird es sich von selbst regeln.“

Max Schmitt landete als bester Deutscher auf dem 31. Platz.

 

Ein top-Ergebnis kommt selten allein

Aus rot-weiß-roter Sicht ist das Turnier in Dänemark überhaupt ein voller Erfolg – am Moving Day spielten sogar erstmals zwei Österreicher im letzten Flight. Denn auch Landsmann Matthias Schwab zeigte einmal mehr eine starke Leistung und sicherte sich mit Runden von 67, 66, 70 und 68 Schlägen seine bereits fünfte Top-10-Platzierung des Jahres. Wie schon oft verhinderten Kleinigkeiten sogar eine noch bessere Platzierung. Auf den ersehnten ersten Sieg fehlt also nicht viel. „Zunächst möchte ich Bernd zu seinem überzeugenden Sieg gratulieren. Erneut ein Ergebnis in den Top Ten ist für mich natürlich gut, leider habe ich aber die Bälle an den letzten beiden Tagen nicht optimal getroffen. Es fehlt nicht viel für weitere Top-Plätze“, so der Rohrmooser. Bester Deutscher im Feld wurde Max Schmitt als 31., die restlichen Deutschen verpassten allesamt den Cut. 


Bildnachweis: © Getty Images, © Getty Images (2).

Michael Lendwich
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