LIV goes International

LIV goes International

Mehr Events, noch mehr Preisgeld! LIV Golf begibt sich 2023 weiter auf Expansionskurs und will die (Golf-)Welt erobern. Widerstand regt sich.

Der Profi-Golfsport kommt nicht zur Ruhe. Fast täglich werfen sich die Touren und Tour-Spieler Drohungen, gerichtliche Klagen und laut eigener Aussage bahnbrechende Ankündigungen um die Ohren. Die Auswirkungen auf den Golfsport sind unverkennbar – die Einladungstour spaltet die Golfwelt. Auf der einen Seite stehen aufstrebende Spieler wie der Weltranglisten-Vierzehnte Will Zalatoris: „Wenn man mir morgen alles Geld der Welt gäbe, würde ich immer noch genau das Gleiche tun.“ Auf der anderen Seite altgediente Spieler wie Henrik Stenson, der sogar die größte Ehre für einen europäischen Golfer links liegen lässt. Die Stimmung ist also nicht nur zwischen den Touren auf Eiszeit, auch durch die Reihen der Spieler ist der Bruch deutlich. Es steht gar ein Boykott von Turnieren, zu denen sich die LIV-Golfer ihren Startplatz vor Gericht erstreiten, im Raum. „Uns ist egal, was die Gerichte entscheiden. Als letzte Option bleibt uns nur die radikale Option zu sagen: Wenn sie bei unseren PGA-Events spielen dürfen, werden wir einfach nicht antreten!“, so U.S. Presidents Cup Captain Davis Love III. Gleichbedeutend mit dem ersten Streik in der Geschichte des Profigolfs. 

MasterPlan für 2023

Jüngster Vorstoß der umstrittenen LIV Golf Tour war die öffentliche Bekanntmachung der Pläne für kommende Saison. Bekannt war bereits, dass die Tour für das Jahr 2023 eine Liga mit 14 Veranstaltungen einge­plant hat – sechs mehr als 2022. Gesamtdotation 405 Millionen Dollar und somit nochmals 150 Millionen Euro mehr als heuer. Mit Pauken und Trompeten soll so der offizielle Start der LIV Golf League gefeiert werden. Es wird weiterhin 48-köpfige Felder und zwölf etablierte Team-Franchises geben. Einzel- und Team-Wertung bleiben auch bestehen. Neu ist hingegen: Um die unter Spitzengolfern – vornehmlich Altstars – mittlerweile begehrten Startplätze wird es ein Rennen um Auf- und Abstieg geben, sowie ein Finalturnier zu Saisonende für alle Teams im Matchplay-Format. Aufgrund der Tatsache, dass bei LIV-Turnieren keine Weltranglistenpunkte ausgespielt werden, die Tour ihren Spielern aber dennoch die Möglichkeit bieten will, sich für Majors zu qualifizieren, wird es zudem ab kommender Saison elf weitere Events im Rahmen der LIV Golf International Series geben – einer neuen Turnierserie, die ihren Ursprung in einem 300-Millionen-Dollar-Investment der LIV Golf Tour in die Asian Tour hat. Daher ist zu erwarten, dass die abtrünnigen Weltstars an zahlreichen Turnieren der International Series teilnehmen werden – u.a. in Thailand, England, Korea, Vietnam, dem Nahen Osten, Indonesien, Singapur, Hongkong. Allerdings war doch ein Argument der Spieler, die sich für die LIV Golf Tour entschieden haben, nun mehr Zeit für die Familie zu haben und weniger Turniere spielen zu müssen.

„Neue Dimensionen“

Insgesamt wird LIV Golf im Jahr 2023 somit weltweit 25 Turniere veranstalten. Genaue Angaben zu den Turnieren, zu Terminen und Veranstaltungsorten haben die Organisatoren aber noch nicht bekannt gegeben. „Die expandierende globale Plattform von LIV Golf wird dem Golf-Ökosys­tem, wie wir es kennen, eine neue Dimension hinzufügen“, ist LIV- Golf CEO Greg Norman überzeugt. „Mit weltweitem Ausmaß, um das wahre Potenzial unseres geliebten Sports auszuschöpfen.“ Schließlich habe sich LIV Golf dazu verpflichtet, „nachhaltige Investitionen zu tätigen, die das Spiel jetzt und in Zukunft fördern. Und wir sind stolz darauf, diese Visionen in die Tat umzusetzen.“ Zu dieser Vision gehört auch der vonseiten der LIV Tour stets hervorgehobene Teamgolf-Charakter. Allerdings ist der Kanonenstart dem Teamformat nicht unbedingt zuträglich. Vor allem am Schlusstag wäre eine Aufteilung auf zwei Tees vielversprechender – gerade, weil die anderen Teammitglieder ihre Kollegen auf den letzten Löchern anfeuern könnten und so ganz nebenbei für tolle Bilder sorgen.

Money-Train 

Da sich am Ende des Tages aber beinahe alles um das liebe Geld dreht, springt auch die PGA Tour auf den Money-Train auf und gibt für kommende Saison eine Preisgeldaufstockung auf insgesamt 415 Millionen Dollar bekannt – allerdings bei in Summe 44 Turnieren. Hinzu kommt aber noch ein Bonuspool in Höhe von 145 Mio. Dollar. Vielleicht werden die Verantwortlichen zukünftig aber auch ihren Widerstand aufgeben und einen Kompromiss mit der Konkurrenz finden müssen – vor allem wenn immer mehr Spieler einen Wechsel vollziehen. Noch kann sich die PGA Tour aber über die Unterstützung ihrer Zugpferde freuen. 


Bildnachweis: © Getty Images.

Michael Lendwich
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