Last Man Standing

Last Man Standing

Da saß er nun also im Mediacenter im Quail Hollow Golf Club, neben ihm die riesige Wanamaker Trophy – Justin Thomas, Major-Sieger. Soeben hatte der 24-jährige Amerikaner seiner Bilderbuchkarriere das i-Tüpfelchen, den Sieg bei der 99. Ausgabe der PGA Championship, hinzugefügt. Nach einer überragenden PGA-Tour-Saison, in der Thomas zuvor schon dreimal ganz oben auf dem Treppchen gestanden hatte, war der Titel in Charlotte nun fast schon die logische Konsequenz gewesen.

Alles richtig gemacht

Überhaupt liest sich die Karriere des jungen Golfers aus Kentucky wie auf dem Reißbrett entworfen. Vater Mike Thomas ist PGA Professional und lehrt seit 1990 im Harmony Landing Country Club in Goshen, Kentucky. Sohnemann Justin wird schon in jungen Jahren vom Golfvirus gepackt, der durch einen gewissen Tiger Woods im Jahr 2000 noch einen Extraschub erfährt. Denn als Woods die PGA Championship in Louisville, Kentucky, gewinnt, ist der siebenjährige Justin live mit dabei. „Diese Jubelstürme, die ganze Atmosphäre und dann noch die Vorstellung von Tiger, danach wusste ich, was ich einmal werden will“, so Thomas.

Er trainierte härter denn je, qualifizierte sich nach erfolgreicher Highschool- und Collegezeit für die Web.com und wenig später für die PGA Tour und eilte von Erfolg zu Erfolg. Seine denkwürdige 63er-Rekordrunde bei den diesjährigen U.S. Open an Tag drei katapultierte ihn an die Spitze des Leaderboards. Doch im letzten Flight mit Landsmann Brian Harman ging dem jungen Senkrechtstarter die Puste aus, er sammelte Lehrgeld. „Ich war nicht bei der Sache, und, ganz ehrlich, an diesem Tag gab es gegen Brooks nichts zu holen. Er hat überragend gespielt, und ich habe mich am Ende etwas hängenlassen“, so seine Analyse.   

Härtetest

Ganz anders verliefen die Geschehnisse für JT im Quail Hollow Club. Nach der letzten Wells Fargo Championship 2016 hatten sich die Verantwortlichen des Privatclubs und der PGA quasi schon bei Nacht ans Werk gemacht, um den Platz für die kommende 99. Ausgabe der PGA Championship deutlich zu verschärfen. Ziel war es, aus „Glory’s Last Shot“, wie das Major gerne genannt wird, einen Härtetest und nicht wie üblich das leichteste Major des Jahres zu machen. Heraus kam dabei ein Platz, der sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hatte und gerade die Fehlschläge vom Tee bitter bestrafte. Kein Gedanke also an Autobahngolf wie bei den U.S. Open in Erin Hills – Präzision und vor allem äußerste Konzentration waren gefragt. Darüber hinaus lieferte die „Green Mile“, wie die letzten drei Bahnen genannt werden, ein perfektes Finale für ein spannendes Finish.

Zielgenau

Und so war es auch wenig verwunderlich, dass sich vor dem Sonntag die „Präzisionskünstler“ an der Spitze des Leaderboards tummelten. Allen voran Kevin Kisner, der über drei Tage eigentlich unspektakuläres, dafür aber fehlerloses Golf abgeliefert hatte. Dazu gesellte sich Landsmann Chris Stroud, der sich in letzter Minute mit dem Sieg bei der Barracuda Championship die Woche zuvor ein Ticket für Charlotte gesichert hatte und ganz klar auf einer Art Euphorie-Erfolgswette ritt. Deutlich interessanter als Kisner/Stroud allerdings war die vorletzte Paarung für den Finaltag. Denn mit Justin Thomas und Japans Superstar Hideki Matsuyama machten sich die beiden besten und konstantesten Spieler der Saison auf die Verfolgungsjagd.

Auf und ab

Ein spannender Sonntag war garantiert, und dieser sollte den Spielern, wie schon die Tage zuvor, wirklich alles abverlangen. Das lag auf der einen Seite am beinharten Layout von Quail Hollow, auf der anderen Seite aber auch am Wetter. Bis zu 35 Grad, bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit, machten die 99. PGA Championship erst recht zum härtesten Major des Jahres. Nachdem die Spitzengruppe am Finaltag bei drückender Hitze die ersten neun Bahnen absolviert hatte, war das Feld noch enger zusammengerückt. Zwischenzeitlich teilten sich sogar fünf Spieler (Matsuyama, Thomas, Molinari, Kisner, Stroud) die Führung. Doch auf den zweiten Neun wurde das Spitzenquintett dann ordentlich durch einandergewirbelt. Mit Herumwirbeln lässt sich dann auch die Vorstellung von Hideki Matsuyama (-5/T5) am besten beschreiben. Nur ein einziges Par auf den Bahnen 10–18 konnte der Japaner notieren, dazu drei Birdies und fünf Bogeys – zu viel des Guten, um den ersten Major-Sieg eines männlichen japanischen Profis zu feiern. Drei bzw. vier Bogeys und ein Double machten dann auch sämtliche Titelhoffnungen in der letzten Paarung Kisner/Stroud zunichte. Sowohl Kisner (+3) als auch Stroud (+4) wurde dabei die Grüne Meile zum Verhängnis. Am Ende belegte ein enttäuschter Kevin Kisner bei 4 unter Par den geteilten siebten Rang, Chris Stroud fiel mit -1 sogar auf T9 zurück.

Auf dem Vormarsch

Durch die vielen Fehler der Führenden bot sich den Verfolgern die Chance zur Aufholjagd. Ryder-Cup-Held Patrick Reed (-6) und Publikumsliebling Rickie Fowler (-5) machten dank toller 67er-Runden einen großen Sprung nach vorne und übernahmen mit dem Südafrikaner Louis Oosthuizen (70/-6) die ersten drei Positionen im Clubhaus. Dazu gesellte sich im weiteren Verlauf der Runde auch noch der Italiener Francesco Molinari (-6), der mit seiner 67 unterstrich, dass im Quail Hollow Club nicht Länge, sondern Präzision gefragt war. Das Tableau war plötzlich auf den Kopf gestellt, nur ein einziger Spieler aus den letzten beiden Gruppen geriet nicht ins Wanken – Justin Thomas.

Szene des Turniers

Und dabei hatte die Finalrunde von JT alles andere als verheißungsvoll begonnen. Nach Bunker, Bunker auf Bahn 1 kratzte er gerade noch so ein Bogey (O-Ton: „Das hätte locker auch ein Double oder noch schlimmer werden können“). Doch nach einem Birdie auf der 2 hielt sich Thomas im weiteren Verlauf der Runde so gut wie schadlos. Auf der 10 blieb sein Ball beim Birdieputt an der Lochkante hängen und hinterließ ihn mit fassungsloser Miene. Die Szene ging um die Welt, da es sich der Ball wenige Sekunden später anders überlegte und ins Loch fiel.

Blick nach vorne

Für Justin Thomas bewirkte dies so etwas wie eine Initialzündung. Nach einem vielumjubelten Chip-in an der 13 sah er sich plötzlich mit zwei Schlägen Vorsprung in Front. Sein glänzendes Birdie auf der Green Mile 17 erhöhte diesen dann sogar auf drei und brachte die Vorentscheidung. „Ich bin einfach ruhig geblieben, denn mir war klar, dass die Scores heute nicht so tief sein werden. Der Chip-in auf der 13 war natürlich Wahnsinn“, so Justin Thomas, der auf der 18 mit Standing Ovations empfangen wurde. Als er wenig später zum Sieg mit zwei Schlägen Vorsprung auf das Trio Reed, Oosthuizen und Molinari verwandelte, hatte Justin Thomas seiner Bilderbuchkarriere eine weitere Seite hinzugefügt. JT ist nun ein Major-Sieger – und das auch völlig verdient.

Terminwechsel

Wenn die PGA Championship im  nächsten Jahr im Bellerive Country Club in Missouri ihre 100. Ausgabe feiert, wird das zum vorerst letzten Mal im August geschehen. Denn aus dem letzten Major des Jahres wird ab 2019 mit einem Termin im Mai das Zweite. Dies zieht natürlich eine ganze Reihe von Änderungen im Turnierkalender nach sich und schlägt bereits Wellen. Die Players Championship z.B. rückt auf jeden Fall schon einmal von Mai auf März nach vorne.

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