Komisch gegolft

Komisch gegolft

So mancher Comedian schwingt den Schläger. Ob das auch so lustig ist, wird hier analysiert.

Wer Golf spielt, der kennt „Happy Gilmore“. Der Film aus dem Jahr 1996 mit Comedian Adam Sandler ist wohl über den Golfsport hinaus ein echter Klassiker. Doch es gibt freilich nicht nur den Film mit dem seit 9. September 56 Jahre alten US-Amerikaner, auch auf dieser Seite des Teichs golfen die Spaßmacher gerne. Beispielsweise Chris Tall, der 1991 als Chris Nast geboren wurde und 2013, also Anfang seiner 20er, den Durchbruch hatte, als er den RTL Comedy Grand Prix gewann. 2016 wurde er zudem als Bester Newcomer beim Comedypreis ausgezeichnet. Bislang hat er bei allem mitgewirkt, was im deutschen Comedy-TV Rang und Namen hat, von „Pastewka“ bis als Jury-Mitglied bei „Das Supertalent“. Bereits vor einiger Zeit outete er sich als Fan von Golf. Bei einem Charity-Turnier in Dresden im August 2022 kam es aber alles ganz anders. Der Reihe nach, das Ganze war im TV zu sehen. Tall spielte mit einem Flightpartner, der sich als Hauptsponsor des Events vorstellte. Schon bei der Begrüßung macht er sich bei unbeliebt. „Man duzt sich im Golf, glaube ich“, meint der vermeintliche Sponsor, stellt aber klar, nach dem Spiel wieder ins Sie wechseln zu wollen. Als er den Beruf Talls erfährt, stellt er die offenbar bei Komikern äußerst „beliebte“ Frage: „Kannst du einen Witz erzählen?“ Tall wiederum wollte sich aber lieber auf das Spiel selbst konzentrieren. Das war schwierig, kritisierte ihn doch sein Flightpartner. „Da fehlt‘s dann doch an Länge.“ Der Komiker reagiert genervt: „Hätte ich den Fuß nicht eingedreht, wäre er wahrscheinlich geradeaus gegangen.“ Tall wurde immer genervter, fragte einen weiteren prominenten Teilnehmer: „Muss man besonders nett zu dem sein? Den kannst du halt nicht ernst nehmen.“ Der 31-Jährige wurde immer genervter. Wie die Sache ausging? Nunja, die Sendung heißt „Verstehen Sie Spaß?“ und Tall war das Opfer. Beim Golfen verstand er offenbar, im Gegensatz zu seinem Brotberuf, keinen Spaß …

Golf als Türöffner?

Für eine ganz bekannte Stimme aus Österreich war Golf gewissermaßen das Eingangsticket. Eigentlich müsste man sagen: für viele bekannte Stimmen. Denn Alex Kristan ist mit dem Imitieren von Sportgrößen bekannt geworden. Er ist begeisterter Hobbysportler und golft auch. Der ehemalige Sportjournalist hat laut Eigenangaben – das glauben wir ihm auch – „immer gern Schmäh geführt“, wie er einmal im ORF erzählte. 2002 hat er „aus der Not eine Tugend“ gemacht. Sein Arbeitgeber meldete Insolvenz an, und hier kommt Golf ins Spiel. 

Ein Mann, viele Stimmen: Comedian und Sportskanone Alex Kristan.

 

Der bekannte Serge Falck vermittelte Kristan den ersten Auftritt. „Er meinte: Du, ich habe im Golfclub in Kitzbühel Eichenheim einen Auftritt und würde dich gerne einbauen.“ So nahm das Ganze eine Eigendynamik an, er wurde weiter empfohlen und ein Kollege meinte dann (wortwörtlich): „Du feige Sau, jetzt schreib ein Soloprogramm.“ Der Stimmen­imitator – er kommentiert als Hans Krankl oder Andi Herzog vor allem die Geschehnisse rund um das Herren-Nationalteam – hat dabei einen Trick: Wer immer schlagfertig wirkt wie ein Harald Schmidt oder Rudi Carell, der hat einfach viele Gags abgespeichert. So läuft es dann wohl auch beim Golf ab: Wer viel Erfahrung hat, kennt sich mit den meisten Situationen aus.

Ottifant!

Weitaus mehr Erfahrung als Kris­tan hat Otto Waalkes, den man wohl nicht einmal der jüngeren Generation vorstellen wird müssen. Dabei hatten alle Fans Glück. 1970 nahm er an der Hochschule für bildende Künste Hamburg – nachdem er keinen Studienplatz in Freier Malerei erhalten hatte – ein Kunstpädagogikstudium auf, übte den Lehrerberuf jedoch nie aus. Seinen ersten Auftritt auf einer Bühne absolvierte er im Hamburger Folkloreklub Danny’s Pan, wo man für fünf Mark zehn Minuten lang sein Können zeigen konnte. In Hamburg wohnte er in der Wohngemeinschaft „Villa Kunterbunt“ mit 14 Mitbewohnern, unter ihnen Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen. So war der Anfang, mit 73 Jahren ist er  inzwischen deutsches Komikerstamminventar. Waalkes’ Humor beruht auf Kalauern und Wortspielen sowie albern-witziger Sprache, Geräuschen und Körpersprache. Er ist Mitglied bei den Eagles, golft also für den guten Zweck an der Seite von einigen anderen bekannten Gesichtern, wie etwa auch Matthias Opdenhövel, der auch immer wieder in der Nähe des Komödiantischen moderiert. Sonst, so ehrlich darf man sein, machen sich ja nicht wenige Comedians über Golf lustig. Darf auch sein, wenn man den Spiegel vorgehalten bekommt, oder?

Der wohlbekannte Otto Waalkes spielt natürlich auch Golf.

 


Bildnachweis: © Sportcom/Getty Images.

Georg Sander
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