King of Southern Hills

King of Southern Hills

Während Mito Pereira bei seinem Versuch, Major-Champion zu werden, an den Nerven scheitert, nutzt Justin Thomas die Gunst der Stunde. 

Die Story der diesjährigen PGA Championship im Southern Hills Country hat zwei Gesichter. Das von Justin Thomas, dem Comebacker und am Ende strahlenden Sieger in Tulsa, Oklahoma. Und das von Mito Pereira, der seine Chance auf den ganz großen Wurf auf der letzten Bahn verspielte.

Shank it, baby!

Beginnen wir mit Justin Thomas, der vor seinem Auftritt in Southern Hills eine für ihn recht ungewöhnliche Durststrecke durchlaufen musste. Seit 14 Monaten hatte JT kein Turnier mehr auf der Tour gewonnen und war auf dem Platz eher durch seine „rants“ als durch gutes Spiel aufgefallen. Wer Thomas kennt, weiß, wie sehr ihn schlechte Schläge und vergebene Putts nerven, und dass er einfach ein Händchen dafür hat, immer dann zu fluchen, wenn ein Mikrofon in der Nähe ist. Umso wichtiger ist es für ihn, mit Caddie-Legende Jim „Bones“ MacKay einen erfahrenen Caddie an der Tasche zu haben, der ihn in diesen Momenten zur Seite steht und dann auch zurück in die Spur bringt. So geschehen in der Finalrunde der PGA Championship, als Thomas an Loch 6 (Par 3) einen astreinen „Socket“ (gerne auch „Shank“ genannt) vollführte. 

No Names dominieren

Während es unzählige Profigolfer gibt, die sich von so einem Missgeschick vollkommen aus der Bahn werfen lassen, blieb Thomas cool und spielte anschließend „das mit Sicherheit beste Bogey meiner Karriere“. Der Schlagverlust hielt den ­Amerikaner im Rennen um die Wanamaker Trophy, um die sich auf dem kniffeligen Layout in Southern Hills am Finaltag überraschenderweise fast nur Außenseiter zu streiten schienen. Mit Will Zalatoris, Cameron Young und dem Chilenen Mito Pereira besetzten Spieler die vorderen Ränge, die nicht nur auf ihren ersten Major-Titel, sondern auch auf den ersten Sieg auf der PGA Tour überhaupt schielten. 

Will Zalatoris gab sich erst im Stechen geschlagen.

 

Der Test

Schon am nächsten Loch, einem langen Par 4, kam es nach dem Socket für Justin Thomas zum entscheidenden Test, wie es denn eigentlich um sein Nervenkostüm bestellt sei. „Sein zweiter Schlag aufs Grün mit Wasser auf ausgerechnet der rechten Seite war exakt mit demselben Schläger ausgeführt, mit dem er den Ball 20 Minuten davor ge­shankt hatte. Dieses Mal hatte er den Ball perfekt getroffen und gut drei Meter an die Fahne geschlagen, und wir waren uns einig, dass das wohl der beste volle Schlag von Justin in der ganzen Woche war“, so Bones MacKay später. 

Aufholjagd

Obwohl JT nicht zum Birdie verwandeln konnte, war es für ihn so eine Art Initialzündung. In der Folge konnte der PGA-Championship-Sieger von 2017 vier Schlaggewinne notieren und setzte mit 5 unter Par eine Marke im Clubhaus, an der sich ein Spieler nach dem anderen die Zähne ausbeißen sollte. Einzig Landsmann Will Zalatoris konnte Thomas Paroli bieten und sich nach mehreren starken „Saves“ mit fünf unter Par ebenfalls noch in das Playoff spielen. Gut eine Stunde später reichten Birdie, Birdie und Par für JT am Ende aus, um im 3-Loch-Aggregat gegen Zalatoris (Birdie-Par-Par) zu bestehen und nach einem zwischenzeitlichen Rückstand von satten sieben Schlägen auf die Führung ein wirklich denkwürdiges Comeback zu feiern. 

Tragischer Held

Bei einem Comeback dieser Größenordnung muss es neben dem strahlenden Sieger natürlich auch einen tragischen Helden geben, und diese Rolle fällt im Falle der PGA Championship 2022 ganz klar dem bisher noch ziemlich unbekannten Profi Mito Pereira zu. „Am Montag der Turnierwoche wollte ich einfach nur den Cut schaffen, am Sonntag wollte ich gewinnen“, so Pereira nach der Finalrunde, die leider auch wegen des Zusammenbruchs des Chilenen an der 18. Bahn in die Geschichtsbücher eingehen wird. 

Mito Pereira wurde in Tulsa zur tragischen Figur.

 

Tapfer gekämpft

Als Führender war Pereira bei seinem ersten Auftritt bei der PGA Championship in die Finalrunde gegangen, er hatte aber von Anfang an mit den Nerven zu kämpfen. Die Leichtigkeit der ersten drei Tage schien verlorengegangen zu sein, und dennoch hielt Mito tapfer dagegen. Es gab eine große Anzahl schier unglaublicher „Up and Down“ zu Par zu bestaunen, mit denen sich Pereira ein ums andere Mal aus der Affäre ziehen konnte. Noch an Bahn 17 (Par 4), welche am Sonntag mit dem Drive zu erreichen war, hielt der Chilene bei 6 unter Par noch alle Trümpfe in seiner Hand. Nach einem soliden Abschlag lag weiterhin die Möglichkeit auf ein Birdie und eine 2-Schläge-Führung in der Luft, doch letztendlich notierte Mito nur ein Par. Während sein Landsmann und guter Freund Joaquin Niemann die Spannung im Clubhaus kaum noch aushielt, ging es für Mito Pereira mit einem Schlag Vorsprung auf die finale Bahn. 

18 endet katastrophal

Als Dogleg rechts mit 450 Meter Länge und einem Bach quer durch die Bahn als Hindernis angelegt, entpuppte sich ebendiese Bahn im Laufe des Turniers als schwierigste der Woche. Pereira fackelte nicht lange, zog den Driver und sah seinen Ball nach einem abgehackten Durchschwung, der sichtlich seine Anspannung zeigte, im Bach verschwinden. Nach diesem Malheur stand ein Playoff um den Sieg schon so gut wie fest. Thomas und Zalatoris (beide –5) sahen wenig später mit an, wie Mito Pereira nach seinem dritten Schlag hinter das Grün leider komplett die Nerven verlor. Anstatt sich den Chip und den Break Richtung Fahne etwas genauer anzusehen, handelte Mito viel zu hastig und sah sich wenig später einem langen Putt vom Vorgrün ausgesetzt, um überhaupt noch in ein Stechen zu gelangen. Doch er ließ den Versuch viel zu kurz und wurde nach dem Doublebogey auf den geteilten dritten Rang durchgereicht. „Ich wollte meinen Ball vom Abschlag einfach nur ins Spiel bringen, und ich glaube, ich habe zu weit rechts gezielt“, so Pereira. 

Die Nerven

Auf sein Nervenkostüm angesprochen, entgegnete er: „Am Donnerstag dachte ich, ich bin nervös. Am Freitag dachte ich dann, ich bin ja noch nervöser, und am Samstag dann ebenfalls. Aber Sonntag war es dann fürchterlich. Das Aufstehen und der Vormittag waren echt übel“, so Pereira, der sich nach seinem Lapsus an der 18 trotzdem ganz tapfer den Kameras stellte. „Ich hatte an der 18 die große Chance, mit einem Par mein erstes Major zu gewinnen, und glauben Sie mir, ich hätte wirklich gerne noch einmal die Chance, das zu wiederholen.“


Bildnachweis: Getty Images.

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