Hoffen und Bangen

Hoffen und Bangen

Die erste Zwischenbilanz der Golfclubs nach dem Corona-Lockdown sieht gemischt aus.

Die Freude war groß, als der Golfsport als eine der ersten Sportarten nach dem Corona-Lockdown den Betrieb wieder aufnehmen konnte. Die Schäden, die durch den Lockdown entstanden sind, können derzeit noch nicht endgültig abgeschätzt werden. Eines ist jetzt bereits aber klar: Das Coronavirus sorgt – positiv formuliert – maximal für verhaltenen Optimismus in der Branche.

Schlechtes Wetter

Ein Rundruf der Golf Week bei diversen Golfclubs bestätigt die aktuelle Stimmung, die sich zwischen Bangen und Hoffen einordnen lässt. Prinzipiell konnte es die Golf-Community kaum erwarten, wieder den Schläger zu schwingen. „Durch die lange Zeit der Schließungen wollte danach natürlich jeder spielen. Leider hat uns da aber das nicht sehr gute Juniwetter einen Strich durch die Rechnung gemacht“, berichtet zum Beispiel Markus Kleissl vom Golfclub Lech. Verhalten ist auch die erste Reaktion von Stephan Vogl vom Diamond Country Club in Atzenbrugg: „Der Re-Start war bis dato eher positiv verhalten, die Mitglieder waren bzw. sind glücklich über Öffnung der Plätze und Nebeneinrichtungen, bei den Gästen war der Re-Start eher abwartend und etwas unsicher. Seit zirka zehn Tagen ist aber eine deutliche Optimierung zu verspüren.“ Josef Schnöll vom Golfclub Nationalpark Hohe Tauern meint zur Wiederaufnahme des Golfsports im Gespräch mit der Golf Week: „Der Re-Start ist uns gut geglückt! Auf unserem Golfplatz wurden die Corona-Maßnahmen genauestens eingehalten und unsere Mitglieder haben die vorgegebenen Regelungen perfekt eingehalten.“

Ausfälle

Die Wiederaufnahme des Betriebs täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die Golfclubs mit zum Teil erheblichen Einbußen für diese Saison kalkulieren müssen. „Wir können bisher ungefähr Umsatzeinbußen von ca. 30 % verzeichnen, da gerade in unserer Region die meisten Gäste aus dem deutschen (bayrischen) Raum kommen und diesen bis vor kurzem nicht möglich war, nach Österreich einzureisen“, heißt es vom Golfclub Gut Altentann gegenüber der Golf Week. „Da wir ein Mitglieder-, aber auch im Speziellen ein Touristenplatz sind, werden sich die tatsächlichen Zahlen erst mit der Sommersaison zeigen. Sollte die Reiselust wider Erwarten sehr stark sein, könnten sich die Ergebnisse natürlich verändern. Wir rechnen mit einem Ausfall an Greenfee-Spielern von zehn bis 20 Prozent“, meint ­Kleissl vom Golfclub Lech. „Der zurzeit geringere Spielbetrieb ist sicherlich auch auf das beschriebene Wetter zurückzuführen“, ergänzt Kleissl. Mit starken Ausfällen rechnet auch Vogl vom Diamond Country Club. „Der endgültige Schaden ist aktuell noch nicht völlig abzuschätzen, die Auswirkungen wie etwa Kündigungen von Mitgliedschaften, Sponsoringbereitschaft etc. sowie die Schäden wie zum Beispiel rückläufige Mitgliedsbeiträge oder Greenfees werden sich sicherlich noch zwei bis drei Jahre ziehen. Für 2020 rechnen wir mit einem Umsatzverlust von rund 20 % im operativen Golfbereich sowie mit rund 30 % in der Gastronomie sowie Golfschule.“ Zur aktuellen Auslastung meint Vogl: „Die Tagesauslastung seitens der Mitglieder ist aktuell als normal zu bezeichnen, bei den Gästen ist noch eine gewisse Skepsis bzgl. Verhaltensregeln, Social Distancing, insbesondere in der Gastronomie zu spüren.“ Vorsichtig zeigt sich auch Schnöll vom Golfclub Nationalpark Hohe Tauern: „Den erlittenen Schaden kann man derzeit seriös nicht abschätzen, aber er wird bei der Anzahl der verkauften Greenfees deutlich ausfallen. Wir leben in unserer Region sehr stark von Gästespielern. Die Auslastung ist aufgrund des starken Rückgangs an verkauften Greenfees natürlich dementsprechend niedrig. Unsere Mitglieder spielen gerne.“

„Größere Sponsorturniere wurden weitgehend auf die Saison 2021 verschoben und auch die entgangenen Greenfees sind nur bedingt wieder aufzuholen“, berichtet auch der Golfclub Am Mondsee.

Verhaltener Ausblick

Das stimmungsgeladene Spannungsfeld der Golfclub-Manager ist daher auch zu spüren, wenn es um den Ausblick für die restliche Saison geht. „Wir werden wahrscheinlich die Umsätze der letzten Saison nicht erreichen können. Es konnten aber aufgrund der gesetzlichen Möglichkeiten Einsparungen gemacht werden. Abgerechnet wird aber wie immer erst am Schluss“, zeigt sich Markus Kleissl vom Golfclub Lech kämpferisch. Einen gemischten Ausblick wagt auch Vogl: „In puncto Tagesbetrieb ist der wirtschaftliche Ausblick positiv, im Bereich der Events bzw. Turniere eher sehr vorsichtig bis negativ. Viele Unternehmen und Firmen haben deutlich Abstand genommen von Sponsorings sowie Turniereinladungen für ihre Kunden.“ Aktuell gelte es, die gewohnte „Normalität“ sukzessive wieder zurückzugewinnen und mit deutlich gesteigerter Kommunikation die Stimmung zu den Mitgliedern/Anlagenbesuchern hoch zu halten und zu positivieren. „Die Auslastung wie in den vergangenen Jahren wird sich aber voraussichtlich nicht mehr ergeben. Schon alleine dadurch, dass wir in unserer Region auch sehr stark von den Salzburger Festspielen abhängig sind und diese ja heuer auch verkürzt bzw. eingeschränkt stattfinden“, heißt es vom Golfclub Gut Altentann.


Bildnachweis: ©Golfclub Lech.

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