Golf macht Schule

Golf macht Schule

Das GLZ Niederösterreich im GC Föhrenwald gibt den Schülern das nötige Rüstzeug für Golf und Leben.

Die zielorientierte Nachwuchsarbeit im GC Föhrenwald genießt seit Jahren weit über die Grenzen Niederösterreichs hinaus einen hervorragenden Ruf und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Deswegen mussten Bernd Csar und Max Baltl nicht lange suchen, als sie ihr erfolgreiches Betreuungs- und Ausbildungsprogramm aus Schule & Golf des Golfleistungszentrums (GLZ) Graz um einen zusätzlichen Standort erweitern wollten. Die ideale Partnerschule mit entsprechendem Sportzweig stand mit dem BRG Zehnergasse in Wiener Neustadt in unmittelbarer Umgebung des GC Föhrenwald ebenfalls parat. Und Direktor Werner Schwarz, ehemaliger Nationaltrainer im Skilanglauf, war von dem Projekt sofort begeistert. Mit Schulbeginn 2020/21 konnte das Golfleistungszentrum NÖ starten. Anfang 2021 übernahm der ehemalige Playing Pro Markus Habeler – mittlerweile Junior Manager in Föhrenwald – mit viel Elan die Organisation des gemeinnützigen Vereins und steht den Schülern mit seiner Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite. So war es kein Zufall, dass beim Besuch der Golf Week sein Handy läutet und ein Schüler vor einem Meisterschaftsturnier Habeler noch um hilfreiche Tipps bittet. Auch das gehört zu seinem breiten Aufgabenspektrum.

Markus Habeler ist im ständigen Austausch mit den Schülern und den Coaches.

 

Golf-Förderprogramm

Seine Ursprünge hat das Projekt in der Golf-HAK Stegersbach. „Bernd Csar wollte dieses super Modell unbedingt weiterführen und hat mit Max Baltl, dem Trainer des nö. Landeskaders, das GLZ gegründet“, so Habeler. Vorrangiges Ziel ist die Förderung von Kindern im Golfsport und der Schule: „Man muss aber nicht im Sportzweig der BRG Zehnergasse sein, um bei uns mitzumachen. Wir sind ein eigenständiger Verein und können Kinder auch von anderen Schulen aus der Region­ aufnehmen.“ Für Schüler der Zehnergasse und in Wr. Neustadt gibt es aber den Vorteil des Shuttle-­Service: „Wir holen die Kinder von der Schule ab, anschließend gibt es eine Lernbetreuung und das gemeinsame Essen, dann folgt das Training.“ Die zweistündigen Golf-Trainingseinheiten finden zweimal die Woche in Föhrenwald statt – zudem gibt es noch die Möglichkeit, die Anlage nebenan in Linsberg zu nutzen. „Wir koordinieren die Trainingseinheiten mit dem Stundenplan der Schüler. Zusätzlich bieten wir auch noch eine Stunde Fitness an.“ Der große Unterschied zum normalen Club-Jugendtraining ist die Gruppengröße. In einer Gruppe des GLZ sind maximal sechs Schüler: „Dadurch garantieren wir eine intensivere und qualitativ höhere Ausbildung. Bei unseren Jugendtrainings sind hingegen teilweise bis zu 20 Kinder.“ Und am Ende des Schuljahres bekommen sie ab der Oberstufe der BRG Zehnergasse eine Benotung im Spezialgebiet Golf. „Ich bin nicht bei jedem Training dabei, aber ich bespreche mich mit den Coaches, und wir benoten nicht nach reiner Leistung – die ist im Golf immer schwer zu bemessen –, sondern schauen uns an, ob sie bemüht und mit welchem Engagement sie dabei sind.“

Heuer nehmen zehn Schüler an dem Programm teil, für das kommende Schuljahr 2023 plant ­Habeler bereits zwölf Schüler. Der Älteste ist dann 17 und steht vor der Matura, und der Jüngste ist neun und geht in die Volksschule: „Das ist so ein Talent, den wollten wir unbedingt aufnehmen. Nächstes Jahr kommt ein weiterer Achtjähriger hinzu. Beide sind mit voller Begeisterung Golfer, und warum sollten wir sie nicht auch fördern.“ Schüler müssen die Teilnehmer aber jedenfalls sein. Die Trainings finden zu Schulzeiten immer statt, auch im Winter. „Wir haben unsere Indoor-Halle, die seit 2020 nicht mehr wirklich genutzt wurde. Vor allem weil der Platz in Linsberg das ganze Jahr offen hat und das Wetter im Winter meistens auch mitspielt. Jetzt gehört die Halle im Winter den Kindern. Wir haben dort ganz viele Möglichkeiten.“ Im BRG Zehnergasse leitet der 29-jährige studierte Sportwissenschaftler zudem eine unverbindliche Übung mit Schwerpunkt Golf-Koordinationstraining. „Als Ausgleich zum Golf und als Verletzungsprophylaxe.“ Die Kosten im Gesamtpaket belaufen sich auf 265 Euro im Monat. 

Kaderschmiede 

Das Golftraining übernehmen die beiden Head Pros Frederik ­Magnusson und Ryan Gould. ­Magnusson ist Schwede und seit den 90ern in Österreich und mittlerweile seit über 20 Jahren in Föhrenwald. Gould ist der Sohn von Nick Gould, dem Fitnesstrainer des nö. Landeskaders und des GLZ, und seit 2017 fertig ausgebildeter Pro, er engagiert sich extrem für die Jugend. „Fredrik war auch mein Trainer“, blickt Habeler auf seine Anfänge in Föhrenwald zurück. „Ich bin auf diesem Platz groß geworden und habe leider noch nicht die Struktur des Leistungszentrums genießen können.“ In vier Jahren Profikarriere hat es der gebürtige Neudörfler aus dem Burgenland, aber gefühlter Niederösterreicher, bis auf die Alps Tour (Sieg bei den ­Lignano Open 2017) geschafft und dank Einladungen auch auf der Challenge Tour und der DP World Tour (T44 bei den Austrian Open 2020) mit den Besten gespielt. 

 

„Meine erfolgreichsten Saisonen hatte ich im ersten und vierten Jahr. 2017 war ich sehr knapp dran, leider war ich mit Pfeifferschem Drüsenfieber zwei Monate außer Gefecht gesetzt. Daran habe ich ein bisschen gezehrt und die nächsten zwei Jahre gekämpft. Im letzten Jahr wusste ich schon, wenn ich es nicht weiter nach oben schaffe, werde ich aufhören. Ich habe zwar sehr gut gespielt, wahrscheinlich, weil ich es lockerer genommen habe, aber vom Aufstieg war ich dann doch ein Stück weit entfernt.“ Jedenfalls war es für ihn persönlich eine große Erfahrung und eine unfassbar lehrreiche Zeit: „Heute kann ich den Kindern viel auf ihren Weg mitgeben. Wir sind ständig im Austausch, sprechen viel über Turniervorbereitung, Reisestrapazen etc., aber auch die Schule – speziell, wenn sie bei mir im Shuttle sitzen. Vor meiner Profikarriere war ich auch acht Jahre lang im Nationalkader. Ich habe also viel miterlebt und gebe meine Erfahrungen gerne weiter.“

Duale Ausbildung 

Dazu gehört auch, eine fundierte Ausbildung in Angriff zu nehmen, denn nur die wenigsten schaffen es überhaupt bis zum Profi. Habeler hat noch, bevor er Pro geworden ist, Sportmanagement und Trainingswissenschaften studiert. „Einfach weil ich gewusst habe, der Profizirkus ist ein hartes Pflas­ter. Und wenn man es vier, fünf Jahre als Pro versucht, fällt es einem noch schwerer, wieder in ein Studium einzusteigen. Meinen Master kann ich jetzt auch berufsbegleitend machen.“ Daher ist es den Verantwortlichen sehr wichtig, dass die schulischen Leistungen gut erbracht werden. „Wenn da etwas nicht passt, gibt es halt mal kein Golftraining, sondern wir helfen ihnen beim Lernen.“ 

Habelers offizielle Karriere als Profi endet übrigens erst Mitte des Jahres, dann gilt er wieder als Amateur. „Ich werde aber keine großen Turniere mehr spielen – dazu habe ich viel zu viel Golf gespielt –, nur noch Mannschaftsmeisterschaften. Derzeit konzentriere ich mich lieber auf meine anderen Aufgaben.“ Und davon gibt es in Föhrenwald und im GLZ genug. 


Bildnachweis: © GLZ Niederösterreich, Getty Images, © ÖGV.

Michael Lendwich
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