Gedanken an Corona – und den Ryder Cup

Gedanken an Corona – und den Ryder Cup

Beim Turnier um den Pokal des Deutschen Bundestags in Berlin-Wannsee.

Lothar Wieler war im vergangenen Winter unfreiwillig der vermutlich unwillkommenste Dauergast in vielen deutschen Wohnstuben von Flensburg bis Berchtesgaden. Wenn sein Gesicht – gefühlt täglich, oft an der Seite von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach – auf den TV-Bildschirmen auftauchte, ging ein lautes Stöhnen durchs Land. 

Schließlich war es die Aufgabe von Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, die Nation mit den stets neuesten Inzidenz- und sonstigen Katastrophenzahlen aus der Corona-Welt zu „beglücken“. Da diese monatelang nur eine Richtung kannten, nämlich steil nach oben, war Lothar Wieler um seinen Job an der vordersten Virenfront nicht zu beneiden. Immerhin galt der Pandemieexperte und Berater der Bundesregierung vielen Mitbürgern – egal, ob politisch links oder rechts gestrickt – nur sehr bedingt als Sympathieträger. 

Professor Lothar Wieler, der Chef des Robert-Koch-Instituts, als Debütant beim Bundestagsturnier in Berlin-Wannsee.

 

Neues Hobby vor der Haustür

So etwas hinterlässt Spuren im Nervenkostüm. „Es war für mich eine sehr herausfordernde Zeit“, gibt Wieler unumwunden zu. Welch Glück für ihn, dass er just in dieser schwierigen Phase „quasi direkt vor meiner Haustür“ ein neues Hobby fand. Professor Wieler wohnt in Berlin-Wannsee, nur wenige hundert Meter vom ältesten und schönsten Golfplatz der Hauptstadt entfernt. „Das Tolle am Golf ist ja, dass man sich mental aus der anderen Welt verabschiedet und nur noch versucht, diesen kleinen weißen Ball zu treffen“, lacht der aus dem rheinischen Königswinter stammende Wahlberliner. „Diese Ablenkung vom Alltag war für mich sehr wichtig. Nicht, dass ich dabei in sportlicher Hinsicht sonderlich erfolgreich gewesen wäre …“

Immerhin hat sich der RKI-Chef kürzlich bei seiner ersten „ernsten“ Golfrunde vom Einstiegs-Handicap 54 auf hoffnungsvolle 46,6 herunter gespielt, um tags darauf unter der Zeugenschaft der Präsidenten von DGV und VcG, Claus M. Kobold und Wolfgang Weikert, ein erstes, mit viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Sport besetztes  Charity-Turnier um den Pokal des Deutschen Bundestages mitzuspielen. 

„Brauchen eine fittere Gesellschaft

Als weiterer Debütant mit von der Partie war der im vorigen Herbst erstmals in den Deutschen Bundestag gewählte Thüringer Frank Ullrich (SPD). Der einstige Spitzensportler – Olympiasieger, neunfacher Weltmeis­ter und vierfacher Gesamtweltcupsieger im Biathlon – ist seit einem halben Jahr neuer Sportausschuss-Vorsitzender und will in dieser Funktion einiges bewegen, wie er im Gespräch mit Golf Week verriet. Im Schul- und Vereinssport brauche Deutschland nach der Pandemie „eine neue Bewegungsinitiative für eine fittere Gesellschaft“, ist Ullrich überzeugt. 

Frank Ullrich fordert großes 

Aber auch sportliche Top-Events dürften nach seinem Geschmack und angesichts der vielen vorhandenen exzellenten Sportstätten künftig vermehrt in Deutschland stattfinden: „Ich werbe dafür, dass wir es schaffen, Olympia mal wieder nach Deutschland zu holen“, betont der Sportpolitiker. Aber auch für die Entwicklung des Golfsports seien „Großveranstaltungen, die über Ländergrenzen hinaus Strahlkraft entwickeln“, wichtig. Frank Ullrich: „Warum sollten wir nicht mal den Ryder Cup nach Deutschland holen?“ 

Lothar Wieler dürfte im Sommer auf seinem Heimatplatz noch etliche Gelegenheiten haben, sein Handicap zu verbessern. Und sich darüber freuen, dass es dabei beständig „nach unten“ geht. In Sachen Corona will er uns da keine Hoffnung machen: „Im Herbst werden die Zahlen wieder ansteigen.“ Schade, Herr Professor, Sie waren uns gerade so sympathisch geworden …


Bildnachweis: © Wolfgang Weber (2).

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