Foodtrends 2021: Was sich bei der Gesundheit ändert – und was nicht

Foodtrends 2021: Was sich bei der Gesundheit ändert – und was nicht

Hanni Rützler forscht seit über 25 Jahren in Sachen Esskultur. In ihrem jährlichen Food Report verdichtet sie ihre Erkenntnisse. In einer kleinen Serie stellen wir Ihnen die wichtigsten Trends 2021 vor.

 

„Foodtrends sind Antworten auf aktuelle Bedürfnisse und Probleme und spiegeln wandelnde Werte.“

 

TEIL 2: Gesundheit

Das Virus wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Manche Trends beschleunigt es, andere bremst es, einige verdrängt es. Hanni Rützler jedoch ist überzeugt, dass es unsere Esskultur prinzipiell in eine Richtung verändert, in die sich diese ohnehin verändern wollte. Besonders deutlich wird das beim Mega-Thema Gesundheit.

„Clean Food“, allergenfreie Nahrung, gewinnt auch bei Konsumenten an Bedeutung, die keinerlei Allergien plagen. „Soft Health“, ein weiterer Megatrend, bildet einen gesamtheitlichen Ansatz ab, welcher Ausgewogenheit der Nahrung in den Mittelpunkt stellt. Bei forciert gesundem Essen wiederum sind die gesunden Inhaltsstoffe wichtiger als der schiere Genuss. Last, but not least ist die kulinarische Aufwertung von rein pflanzlichen Nahrungsmitteln weiterhin voll im Gange, wir werden „Plant-Based Food“ künftig verstärkt auch in der klassischen Gastronomie finden, weiß der Food Report 2021.

Clean Food

Lebensmittelallergien und ­-intoleranzen sind moderne Zivilisationskrankheiten, aber auch Ausdruck der intensiven Suche nach der „richtigen“ Ernährung in Zeiten des Umbruchs unserer Esskultur. Allergenfreie Nahrung, also Clean Food, spielt für viele Konsumenten eine immer größere Rolle – nicht nur bei Allergikerinnen. Denn die Auslöser für Allergien und Intoleranzen in bestimmten Lebensmitteln wie Kuhmilch, Weizen etc. sowie diverse Konservierungsmittel, Aroma­- und Zusatzstoffe werden auch von nicht (hyper-­)sensiblen Essern zunehmend kritisch bewertet. Der Trend entwickelt sich daher nicht nur aufgrund des steigenden Anteils der Bevölkerung mit Allergien, sondern auch als Reaktion auf immer stärker verarbeitete und aus vielen Komponenten bestehende Lebensmittel.

Eine der häufigsten Allergien betrifft Gluten. Auch immer mehr Nicht-Allergiker verzichten auf potenziell allergene Nahrungsmittel.

 

Soft Health

Der deutliche Anstieg beim Konsum von Frischobst (nach Teigwaren und Konserven die drittplatzierte Produktgruppe, die nun mehr eingekauft wird), die größere Beliebtheit von Gemüsekisten­lieferungen von Biobauern und -gärtnerinnen und nicht zuletzt das deutlich veränderte Kochverhalten (lt. einer AMA-Studie kochen knapp 50 Prozent der Österreicher seit der Coronakrise häufiger, zwei Drittel der Befragten überwiegend mit frischen Zutaten) – das alles sind starke Lebenszeichen des auch in der Krise anhaltenden Trends hin zu Soft Health. Dieser basiert auf einem ganzheitlicheren Verständnis von gesunder Ernährung, das nicht mehr primär nährstoff­- und kalorienbezogen ist. Anstatt Probleme (Zucker, Fett, Salz etc.) in den Vordergrund zu stellen und auf einzelne, als „ungesund“ wahrgenommene Lebensmittel und Zusatzstoffe zu fokussieren, geht es um Ausgewogenheit, Vielfalt und um Speisen mit einem hohen Anteil an Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreideprodukten.

Forced Health

Bei akuten Bedrohungen der Gesundheit, wie wir sie durch die aktuelle Virus­pandemie erleben, fokussieren sich viele Menschen noch stärker auf eine gesundheitsfördernde Ernährung. Der Trend zu Forced Health, der sich – gepusht durch die ersten Functional Foods – seit Mitte der 1990er­-Jahre entfaltet, gewinnt wieder an Boden: So werden etwa im Lebensmittelhandel und in Apotheken seit Beginn der Coronakrise mehr Nahrungsergänzungsmittel nachgefragt. Und für „Gesund­esser“, die ihre Nahrung nicht primär nach kulinarischen, sondern mehr unter präventiven Gesichtspunkten betrachten, gewinnen die Lebensmittel an Bedeutung, denen natürliche Gesundheitswirkungen – etwa für die Darmgesundheit oder zur Stärkung des Immunsystems – zugeschrieben werden.

Plant-Based Food

Die kulinarische Aufwertung von pflanzlichen Nahrungsmitteln ist weiterhin voll im Gange. Einerseits machen Gemüse­ und Getreidegerichte nicht nur in vegetarischen und veganen, sondern auch in vielen klassischen Restaurants kulinarisch eine immer bessere Figur – und das nun auch in Form von Take­away­Gerichten. Andererseits ist die Lebensmittelindustrie – angetrieben durch innovative Start­ups – auf den Zug aufgesprungen, Produkte aus Fleisch, Milch und Eiern durch immer ausgeklügeltere Produkte aus nicht­ tierischen Ausgangsprodukten zu ersetzen. Angetrieben wird der Trend durch ein vor allem bei den jüngeren Generationen wachsendes Gesundheits­ und Umweltbewusstsein, aber auch durch den Wandel ethischer Normen und Werte, die mittlerweile nicht mehr mit der industriellen Tierzucht und Fleischproduktion zu vereinbaren sind. Im Extremfall laufen sie jeder Form der Ernährung mit tierischen Produkten zuwider.

Ein Milliarden-Dollar-Business: Burger bzw. Pattys auf rein pflanzlicher Basis.

 

Im dritten Teil unserer Serie widmen wir uns dem Cluster „Qualität“.

*Quelle: Hanni Rützlers Food Report 2021 (Zukunftsinstitut)


Bildnachweis: © Pixabay (3), © Nicole Heiling.

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