Fabelrunde führt zu Autogrammen

Fabelrunde führt zu Autogrammen

Kalle Samooja spielte die Konkurrenz am Finaltag der Porsche European Open in Grund und Boden und gewann seinen ersten Tourtitel. 

Bei strahlendem Sonnenschein und vor zum Glück auch wieder jeder Menge Golffans gastierte die DP World Tour mit der Porsche European Open 2022 Anfang Juni vor den Toren Hamburgs. Genauer gesagt traf man sich auf dem Nordkurs der Green Eagle Golf Courses bei Winsen/Luhe, um einen der schwersten Pokale der Tour unter sich auszufechten. 

Harte Nuss

Die „Nordschleife“ gilt schon seit einiger Zeit als einer der kniffeligsten und vor allem längs­ten Kurse Deutschlands und er machte auch für die gestandenen Profis keine Ausnahme.„Par ist dein Freund“, lautete das Motto für die Woche und hätte man dies geschafft, wäre man mit Even für das Turnier am Ende ganz locker auf dem geteilten 16. Platz gelandet. Da sich unter diesen anspruchsvollen Bedingungen an den ersten drei Turniertagen kein Spieler absetzen konnte, war auch für die Finalrunde Spannung angesagt. Doch im Gegensatz zu den Tagen zuvor setzten die Organisatoren am Sonntag auf „friedliche“ Fahnenpositionen, um den Zuschauern zum Schluss noch einmal ein richtiges Spektakel bieten zu können. Und der Plan ging auf. 

Local heroes

Und das erfreulicherweise auch für den einen oder anderen deutschen Spieler. Nicolai von Dellingshausen (75-71-74-69), Yannik Paul (74-71-75-71) und Marcel Siem (71-72-75-71) landeten nach einem soliden Auftritt nebst guter Schlussrunde auf dem geteilten 18. Platz. Den größten Jubel auf der Anlage konnte dabei Marcel Siem einstreichen, als er die 18. Bahn mit einem sauberen Putt zum Eagle beendete. „Das war der lauteste Jubel, den ich jemals in Deutschland bekommen habe“, freute sich der vierfache Toursieger und kam wie schon in den Tagen zuvor wirklich allen Autogrammwünschen und Selfies-Anfragen nach.

Marcel Siem machte den Fans die meiste Freude.

 

Schneider gibt Gas

Bester Deutscher wurde dank der zweitbesten Runde des Tages mit nur 67 Schlägen Marcel Schneider. Der geteilte fünfte Platz (73-73-73-67) wird ihn ebenso gefreut haben wie das Ticket zu den U.S. Open. Denn durch seine starke Platzierung in Hamburg kam Schneider wie auch Landsmann Yannik Paul unter die Top 10 einer DP World Tour U.S. Open Sonderwertung, die ein Ticket für Brookline bereit stellt. 

Marcel Schneider fährt dank Top-5-Resultat zu den U.S. Open.

 

Solide Vorstellung

Ein wirklich erfreulicher Auftritt also der meisten deutschen Profis, die den Zuschauern auf der Anlage jede Menge Freude bereiteten und den Golfsport in Hamburg würdig vertraten. Auch wenn zum Teil nach vorne sicherlich noch der eine oder andere Zähler möglich gewesen wäre, den Sieg der Porsche European Open 2022 sollten am Ende dann doch andere Nationen unter sich ausmachen.

Perez in Topform

Ganz vorneweg Victor Perez, der seine gute Form bei seinem Sieg in der Vorwoche bei den Dutch Open anscheinend auch mit nach Hamburg gebracht hatte. Dabei gelang dem Franzosen am Samstag auf Bahn 2 (Par 3) mit einem Hole-in-One der Schlag des Turniers, welcher ihm auch gleichzeitig die Führung vor der Finalrunde einbrachte. Gut in den Sonntag gestartet, unterliefen Perez (69-71-71-74) in Folge allerdings ein paar Fehler, die sich auf seiner Scorekarte in mehreren Bogeys niederschlugen und seine Ambitionen auf Back-to-Back-Siege auf der DP World Tour zum Ende der Runde begruben. Nachdem er als einziger Spieler im Feld die ersten drei Runden unter Par geblieben war, musste sich Victor Perez ausgerechnet am Sonntag mit 74 Schlägen  und dem geteilten dritten Rang hinter dem stark aufspielenden Niederländer Will Besseling (68-75-70-71) begnügen. 

Einen rausgehauen

Mann des Tages aber wurde mit Kalle Samooja ein Spieler, der dank einem Mix aus Aggressivität, Können und natürlich auch ein wenig Glück nicht nur die bes­te Runde des Sonntags, sondern des ganzen Turniers aufs Parkett zauberte. Nach nur 64 Versuchen hatte der Finne die 18 Bahnen am Finaltag mit einem neuen Platzrekord absolviert und sich schier unaufhaltsam durch das Feld gepflügt. Acht Birdies standen am Ende 10 Par gegenüber, ein Score, der für viele Golffans noch zu Beginn des Tages undenkbar schien. Nach dieser „Fabelrunde“ ging es für Samooja von +2 auf 6 unter Par, ein Resultat, das nicht nur im Clubhaus hohe Wellen schlug. Während noch mehr als 20 Spieler auf dem Platz weilten, begann für Kalle die Zeit des Wartens. Über zwei Stunden lang durchlief der Finne wahrscheinlich sämtliche Gefühlslagen, ehe er am Ende als Überraschungssieger feststand. 

Emotionen pur

Wer jetzt denkt, dass alle Finnen eher coole Zeitgenossen vom Typ Kimi Räikkönen sind, der sollte sich das Siegerinterview mit Samooja noch einmal zu Gemüte führen. Denn da fehlten Kalle auf seinen ersten Toursieg angesprochen erst einmal die Worte. „Es war eine lange Reise, ich war ein paar Mal nah dran und für heute hatten mein Caddy und ich eine Zahl im Kopf. Wir dachten, wenn wir die schaffen, haben wir eine Chance. Das Warten im Clubhaus kam mir wie eine Ewigkeit vor, aber zum Glück hat es am Ende gereicht“, so Samooja, als er sich etwas gefasst hatte. Mit Tränen in den Augen dankte der Finne am Ende seiner Frau für die Unterstützung und fährt als Sieger der diesjährigen Porsche European Open nun ebenfalls zu den U.S. Open.

Stars liefern ab

Samoojas neuer Platzrekord und Sieg am Sonntag war das i-Tüpfelchen einer wirklich tollen Golfwoche in Hamburg. Der heimliche Star neben Zugpferd Tommy Fleetwood (T10) und Markenbotschafter Paul Casey aber war auf jeden Fall das extra aufgebaute Riesenrad hinter dem 18. Grün, das auf vielen Smartphones und Kameras für einmalige Bilder gesorgt haben dürfte.


Bildnachweis: PEO2022, © PEO2022 (2).

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