Existenzkrise

Existenzkrise

Angezählt war er schon länger, nun hat er das Handtuch werfen müssen. Ivan Khodabakhsh, der vor seinem Engagement bei der Ladies European Tour (LET) die World Series of Boxing vermarktet hatte, ist von seinem Amt als Chief Executive Officer der LET zurückgetreten. Über die genauen Begleitumstände seines Ausscheidens liegen keine Informationen vor, die dürre Mitteilung der LET auf deren Homepage lässt allerdings darauf schließen, dass die Trennung nicht einvernehmlich erfolgte. Die Amtsgeschäfte werden bis auf weiteres interimsmäßig vom Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Mark Lichtenhein, geführt. Der ehemalige European-Tour-Manager, der im Zuge des Stühlerückens nach dem Amtsantritt des neuen CEO Keith Pelley seine Führungsposition verlor, soll auch den Markt nach geeigneten Kandidaten sondieren.

Gescheiterte Reform

Khodabakhsh hatte als Nachfolger von Alexandra Armas im Januar 2013 sein Amt angetreten. Er versuchte sich in einer Modernisierung und Professionalisierung der Damen-Profigolfserie, geriet aber nach anfänglichen Achtungserfolgen immer stärker aufgrund der negativen Entwicklung der LET in die Kritik. Sein Credo „Qualität statt Quantität“ führte vor allem zu einer schleichenden Aushöhlung des Turnierkalenders, 2017 weist dieser nur mehr 15 Turniere aus, 2011 waren es noch 26. Der Druck auf Khodabakhsh erhöhte sich merklich, nachdem die englische Tageszeitung Times mitten in der fast zehnwöchigen Turnierpause der LET zwischen April und Juli die bedrohliche wirtschaftliche Lage der Tour und die Existenznöte vieler Profis aufgrund des schrumpfenden Turnierkalenders publik gemacht hatte. Kurz zuvor hatte die LET ihre Mitglieder per E-Mail über die Absage des Ladies European Masters, eines ihrer Flagship-Events, informiert und die Spielerinnen gebeten, dies geheim zu halten. Der Times-Bericht deckte auf, dass die LET in den Jahren 2014 und 2015 rund 1,1 Millionen Euro Verlust geschrieben, dabei das Eigenkapital fast vollständig aufgebraucht habe und damit vor dem finanziellen Kollaps stehe. Begleitet wurden die Zahlen von den anonymen Ausführungen einer Proette, die berichtete, dass viele Spielerinnen aufgrund der geringen Turnieranzahl den Lebensunterhalt nicht mit Profigolf bestreiten könnten.

Führung in der Kritik

Daher herrsche großer Unmut über die LET-Führung, deren ständige Versprechungen einer rosigeren Zukunft nicht eingetreten seien. „Die Situation ist schlechter als je zuvor, und wir fürchten den Zusammenbruch unserer Tour. Diesen Mist muss man dem Management anlasten. Wir bezahlen mit einer siebenprozentigen Abgabe vom Preisgeld ihre Gehälter, und sie liefern nicht“, so die Spielerin.

Veraltete Strukturen

Ende Juli erhielten die LET-Mitglieder ebenfalls per E-Mail die Nachricht, dass die Xiamen International Ladies Open und Qatar Ladies Open 2017 abgesagt werden. Es waren die Ausfälle sechs und sieben im Turnierkalender, woraufhin Catriona Matthew bei der Women’s British Open Khodabakhsh öffentlich anzählte. „Das Produkt stimmt, es gibt viele gute Spielerinnen. Aber wir haben den falschen Mann an der Spitze“, sagte die Schottin, zwei Wochen später war Khodabakhsh nicht mehr im Amt. Der oder die Neue steht allerdings vor schweren Aufgaben. Denn die LET misst sich vom Selbstverständnis her gerne mit der LPGA in den USA, hinkt aber hinsichtlich Professionalität, Organsisationsstruktur und Qualifikation des Personals meilenweit hinterher. Ob die LET aus eigener Kraft wird überleben können, ist fraglich. Beim Solheim Cup wurde bekannt, dass sowohl LPGA als auch European Tour an einer Übernahme der LET Interesse zeigen. Erste diesbezügliche Gespräche sollen geführt worden sein.

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