Eingesperrt & Cut

Eingesperrt & Cut

Die letzten Tage warteten mit einigen skurrilen Geschichten auf. Auch das ist der Golfsport.

Es ist vermutlich ein Horrorszenario für Menschen mit Platzangst, besonders coole Zeitgenossen werden es schlicht als nervig empfinden: Der Aufzug bleibt stecken. Nick Voke zählt eher zu den nicht-klaustrophoben Zeitgenossen, aber alles der Reihe nach. Ort des Geschehens war die Veritex Bank Championship in Arlington, Texas. Am Freitag wurde die zweite Runde wegen Regens unterbrochen, der 26 Jahre alte Nick Voke hatte noch eine Runde offen, um den Cut zu schaffen, diese sollte er am Samstagmorgen erledigen. „Wir sind früh aufgestanden, haben uns ein bisschen gedehnt und wir waren wirklich stolz auf uns, dass wir für die eineinhalb Löcher ein volles Aufwärmprogramm gemacht haben. Dann sind wir um 6.13 Uhr in den Aufzug gestiegen“, wird er in Medien zitiert. Dann passierte es: Der Aufzug blieb stecken. Zunächst hatten es Voke und sein Caddie noch ein paar Minuten lang lus­tig und machten das, was jeder angstbefreite Mensch macht: Fotos für den Instagramkanal. Es dürfte ihnen dann gedämmert haben, dass sie ja noch spielen müssen. Dumm nur, dass an der Rezeption niemand abhob, aber sehr wohl die Tourverantwortlichen. Die unerbittliche Antwort war, dass Voke disqualifiziert werden würde, wenn er es nicht rechtzeitig aufs Grün schaffen würde. Beide hämmerten an die Tür, der Golfer soll laut seinem Caddie auch versucht haben, Hollywoodfilm-mäßig die Tür aufzudrücken. Eine Dreiviertelstunde waren sie eingesperrt, bis sie befreit wurden. Und dann zeigte sich, was für eine coole Socke Voke ist: Denn er schaffte den Cut! Am Nachmittag golfte er eine starke 65er-Runde, mit einer 73 zum Abschluss landete er schlussendlich auf dem geteilten 46. Platz – und das bei all dieser Aufregung. Was lernt der Golfer draus? „Das kurze Aufwärmen ist der Schlüssel. Wir werden ab jetzt die Treppe und das zusätzliche Cardio-Training nehmen.“

Cam Smith versprach seiner Holden, dass die Haare abgeschnitten werden.

 

Abgedreht

Apropos Hollywood. Es wird wieder einmal einen Golffilm geben. Die richtig feinen Filme über diesen schönen Sport sind ja schon länger abgedreht. „Die Legende von Bagger Vance“, ein Drama mit Will Smith, Matt Damon und Charlize Theron aus dem Jahr 2000, darf mittlerweile sogar in den USA Alkohol trinken. „Happy Gilmore“ mit Adam Sandler ist noch älter (1996), „Tin Cup“ mit Kevin Costner ist aus demselben Jahr, „Caddyshack – Wahnsinn ohne Handicap“ datiert aus 1980, Shia LaBeoufs Auftritt in „Das größte Spiel seines Lebens“ aus dem Jahr 2005 ist jetzt auch nicht unbedingt neu. Was wird also kommen? „Back Nine“ mit Rene Zellweger, mittlerweile 51 Jahre alt. Die Story hinter der Comedy ist wie folgt: Casey Jones ist erfolgreiche Junggolferin, opfert ihre Karriere aber für Mann, Kind und Kegel. So weit, so dämlich. Nach 25 Jahren ist die Ehe kaputt und der Sohn am College und Jones packt den Golfschläger wieder aus und startet ein Comeback. Golferisches Talent ist bei ihr, die eine Generation als „Bridget Jones“ kennt, noch nie im Vordergrund gestanden. Aber Zellweger bekam 2019 einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Es liegt also nahe, dass sich die Golfcommuniy auf einen guten Film freuen darf!

Abgehoben

Zellweger ist ein Star, derer gibt es auch einige auf der Golftour. Um deren Strahlkraft und Außenwirkung zu honorieren, dachte sich die PGA jüngst einen Geldpool namens „Player Impact Program“ aus. Der Clou: Wer besonders populär, super, überdrüber, mega und leiwand ist für den Golfsport, bekommt mehr Geld. Weil solche Stars bekanntlich dafür sorgen, dass mehr Fans kommen und somit auch mehr Sponsoren, Geld also zu noch mehr Geld führt. Der Haken an der Sache ist aber, dass Golfstars mit besonderer Strahlkraft selten bereits am ersten Spieltag aussichtslos den Cut aus weiter Ferne beobachten müssen. Sprich: Die besonders Populären sind oft auch die, die hohe Preisgelder einsacken, eigene Werbedeals und somit ohnehin kaum Geldsorgen haben. Das sahen offenbar auch viele Fans des Golfsports so und watschten die PGA für diesen – sagen wir neutral – mittelguten Einfall in den sozialen Medien ab. „Söldner“, „Geldscheffler“, „macht Reiche noch reicher“ – das Portal „Bunkered“ zählte unter den ersten Onlinereaktionen viele negative Kommentare. Die Idee dahinter ist natürlich nicht so blöd: Einige Topspieler verzichten beispielsweise auf Präsenz auf Instagram und Co, nutzen ihre Strahlkraft also nicht. Ein bisschen Nachdenken sollten die Herren der PGA vielleicht aber noch, wie man das alles gut kommuniziert. 

Ein Hole-in-One bringt Bier, so will es das Gesetz, weiß Graeme McDowell.

 

Abgebrochen

Eine Reaktion wie die eben genannte wird gemeinhin als „Shitstorm“ oder „Social Media-Fail“ bezeichnet. Einen ganz traditionellen leistete sich Zürich-Classic-Sieger Cameron Smith. Er versprach seiner Freundin Jordan Ontivero nämlich etwas, was er nicht einhielt. Dem Vernehmen nach eine Situation, wie sie viele Menschen kennen – es soll einen ganzen Friedhof nicht eingeräumter Geschirrspüler geben und irgendwo stapeln sich sicher die Müllsäcke, die mancher eigentlich mit runter nehmen wollte. Zurück zu Smith. Der hatte seiner Holden gegenüber angekündigt, seinen Vokuhila zu rasieren, wenn er das Turnier gewinnen würde. Für die Jüngeren unter uns: Vokuhila heißt „vorne kurz, hinten lang“ und beschreibt ein Frisurverbrechen der 80er, das auf Smiths Schädel ein Comeback feiert. Nach dem Sieg war dann alles anders. „Ich muss mich wohl bei ihr entschuldigen, aber irgendwie ist die Frisur nun tatsächlich ein unentbehrlicher Teil von mir geworden“, so der Golfstar. Millionen Frauen auf der Welt fühlen mit Ontivero mit. Diese Aktion wurde also abgebrochen.

Abgefüllt

Zum Abschluss bleiben wir bei Klischees. Der Hauptakteur ist Graeme McDowell, dreifacher Toursieger, aber bislang ohne Hole-in-One. In 20 Jahren Golfpro-Dasein hatte er noch kein Ass geschafft – bis jetzt. Doch auch sein erstes hat er nicht gesehen: McDowell schaute auf Loch 17 der Zürich Classic weg, anstatt dem Ball nachzublicken. Sein Partner musste ihn erst drauf hinweisen. Und was macht man nach einem Hole-in-One? Man gibt Drinks aus. Der Nord­ire machte das auf wohl unverwechselbare Art: Er spendierte den Presseleuten Dosenbier.


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