Die Symbiose muss passen

Die Symbiose muss passen

Helmuth Buxbaum, Headgreenkeeper im GC Schloss Finkenstein, Hcp. -1,1, über seine vielfältigen Aufgaben und die Zusammenhänge, Herausforderungen und Leidenschaft, die dahinterstehen.

Golf Week: Was sind denn die größten Herausforderungen für Sie und Ihr Team im „Coronajahr“ 2020?
Helmuth Buxbaum: Das war sicherlich die Kurzarbeit. Der Golfplatz macht ja keine Pause, gerade während der Frühlingssaison. Alles wächst und sprießt im Rekordtempo. Mein Team musste mit den eingeschränkten Arbeitszeiten zurechtkommen. Auch wenn kein Spielbetrieb herrscht: Was man im Frühling nicht vorbereiten kann, hängt den gesamten Sommer über lang nach, da ist gerade die richtige Planung extrem wichtig. Nun arbeiten erfreulicherweise alle wieder zu ihren gewohnten Arbeitszeiten.

Golf Week: Macht es einen Unterschied für die Arbeit eines Head-Greenkeepers, wenn man selbst mit Hcp. -1,1 spielt?
Buxbaum: Natürlich. Bei Greenkeepern, die gut Golf spielen, liegt das Augenmerk besonders auf der Grüngeschwindigkeit. Maßgeblich ist dafür ist die Schnitthöhe und das richtige Topdressing. So nennt man das Aufbringen von Sand, damit die Oberfläche gleichmäßig effektiv bleibt. Auch die richtige Pflege der Bunker und diverser Randbereiche stehen bei guten Golfern sicherlich eher im Fokus. Wichtig ist, dass man auf verschiedensten Plätzen spielt. Man sieht auf fremden Anlagen immer etwas, das man nicht kennt. Am Abend, wenn ich rasch neun Loch mit Freunden spiele, sehe ich oft Kleinigkeiten aus dem Spielfluss heraus, die man während der Arbeit des Tages vielleicht so nicht sieht.

Golf Week: Wie groß ist Ihr Team?
Buxbaum: Wir sind fünf Vollzeit- und zwei Teilzeitmitarbeiter. Unser Arbeitstag beginnt um fünf Uhr morgens und die Aufgaben für jeden ändern sich von Tag zu Tag. Das ist das Schöne an diesem Beruf.

Golf Week: Die Arbeit der Greenkeeper umfasst ja weit mehr als nur Rasenmähen. Was ist der interessanteste Aufgabenbereich für Sie?
Buxbaum: Wir betreuen das Schloss, die Zufahrtsstraßen, die Teichanlagen und alles andere abseits des Platzes auch mit. Für mich bleibt das Interessanteste der Bereich rund um die Grüns. Wir schneiden zwischen 3,2 und 3,6 mm, mähen und rollen abwechselnd. Die Erhaltung der Schnitthöhen und die Abwehr von Krankheiten ist eine große Herausforderung. Wenn nachmittags ein intensiver Regenguss niedergeht und abends dann die Sonne wieder herauskommt, haben zum Beispiel die eingebrachten Wirkstoffe keine Chance mehr. Genaue Strategie ist hier extrem wichtig. Für die österreichische Mannschafts-Staatsmeisterschaft, die heuer im August im GC Finkenstein ausgetragen wird, hat die Planung, wann welcher Dünger eingesetzt wird, zum Beispiel bereits begonnen, damit der Topspeed dann perfekt passt.

Der wunderschöne GC Finkenstein, Loch 13.

 

Golf Week: Wie viele Maschinen umfasst Ihr Fuhr- und Gerätepark?
Buxbaum: Im Großen und Ganzen gibt es für jeden Spielbereich eine Maschine. Eine große für die Fairways mit sieben Schneideinheiten, eine kleinere für First Cut und Semirough, zwei Sichelmäher, ein Grünmäher und ein Grünroller, quasi das Bügeleisen für die Grüns, und dann natürlich noch unzählige Kleinigkeiten wie Feldspritzen, Motorsensen, Bunkerblaster, um Wasser aus den Bunkern pumpen zu können, Heckenscheren und jede Menge weiteres Werkzeug. Wir müssen ja auch für ein großes Spektrum von Hausmeister- bis zu Installationsarbeiten gerüstet sein. Vom Wechsel der Duschgarnituren bis zum Einziehen von Laternenkabeln machen wir alles. Diese Vielfältigkeit macht aber besonders viel Freude. Wir müssen zwar alle um vier Uhr aufstehen, aber ab fünf Uhr ist die Arbeit dann großartig. Außer an hektischen Tagen mit Turniervorbereitungen haben wir wenig Stress und die meisten meiner Mitarbeiter können um 14 Uhr wieder nach Hause gehen.

Golf Week: Wie gehen Sie mit den Planungsarbeiten, vom Büro über Budgetierungen bis zu aktuellen Wetterbedingungen, um?
Buxbaum: Das Wetter checke ich jedenfalls nicht auf einer Handy-App (lacht). Ich arbeite vorwiegend mit Radarbildern, dem Flugwetter und habe einen Zugangscode für die ZMAG Wetteranimation, die jeweils bezüglich der kommenden 36 Stunden sehr genau funktioniert. Dazu habe ich eine Messstation auf dem Dach. Ich wohne in Köstenberg, das ist dann doch 21 Kilometer vom GC Finkenstein weg. Dadurch kann ich jederzeit genau sehen, ob es auf dem Platz geregnet hat oder nicht und per Onlineverbindung die Bewässerung ein- und ausschalten. Die Bürozeiten am Nachmittag nutze ich zumeist für die Planung der nächsten Tage und diverse Auswertungen. Das reicht von den Wassermengen, die benötigt werden, bis zu den sehr detaillierten Stundenabrechnungen für mein Team. Wir schlüsseln alle Arbeiten genau auf. Wie viel Zeit wurde für Semiroughs-Mähen, Bälleaufklauben oder Clubhaus-Instandhaltung verwendet? Diese Aufzeichnungen helfen der Planung und werden regelmäßig in die Zentrale der Murhof Gruppe gesandt. Die allermeisten Bestellungen mache ich im Winter. Da bin ich drei bis vier Mal pro Woche im Club, mache Auswertungen und tätige alle Bestellungen, vom Dünger bis zu Fahnenstangen und Bunkerrechen.

Golf Week: Haben sich die Ansprüche an Ökologie in den letzten Jahren geändert?
Buxbaum: Ja, natürlich. Die AGA (Austrian Greenkeeper Association) hat sehr explizite Vorgaben, was Pflanzenschutzmittel, das Führen von Spritzmitteltagebüchern und des Logbuchs betrifft. Dort wird von Windgeschwindigkeiten bis zur Temperatur alles eingetragen. Der Einsatz von Herbiziden hält sich absolut in Grenzen. Schon weil wir nicht verantworten können, dass Golfspieler, die ja vom Aufteen bis zum Ballaufheben dauernd mit dem Platz in Kontakt sind, damit in Berührung kommen. Auch bei diversen Umbaumaßnahmen achten wir extrem auf die Ökologie. Wir haben viele Tiere auf dem Platzgelände und auch die natürliche Vielfalt der Flora kaum eingeschränkt.

Helmuth Buxbaum, Headgreenkeeper des GC Finkenstein.

 

Golf Week: Wird Ihre Arbeit von den Golfern geschätzt?
Buxbaum: Man darf nie zufrieden sein und man kann immer etwas verbessern. Aber ich kann mich über viel wunderbares Feedback freuen. Wir waren zweimal Austragungsort der Challenge Tour und haben überwältigende Rückmeldungen für die Platzpflege bekommen. Ich wurde deshalb auch nach Wentworth in die Zentrale der European Tour eingeladen, eine Ehre für mich. Unsere 800 Mitglieder sind größtenteils sehr zufrieden mit unserer Arbeit. Wir haben drei Mähtage pro Woche und versuchen, den Spielern möglichst nicht im Weg zu sein. Das Wichtigste ist der gegenseitige Respekt, die Symbiose muss passen. Wir sind alle nicht alleine auf dem Golfplatz. Es ist auch eine Frage der Wertschätzung, daran zu denken, dass andere Golfer nachkommen, und deshalb Pitchmarken auszubessern und Bunker zu rechen. Darüber hinaus dauert es nun mal acht Stunden, die Spielbahnen durchzumähen. Das im Kopf zu behalten und eventuell zehn Sekunden zu warten, bis der Greenkeeper weg ist, ist eine wichtige Geste. Wir versuchen ebenfalls, möglichst viel Rücksicht zu nehmen. Diese gegenseitige Rücksichtnahme ist das Um und Auf, um die Freude und Gesundheit der Spieler und des Platzes zu erhalten. Dafür mache ich meinen 24-Stunden-Job. Der Platz ist mein Baby und das Wichtigste an meiner Arbeit ist gutes Management.


Bildnachweis: ©Murhof Gruppe.

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