Die kleine Kugel fliegt wieder

Die kleine Kugel fliegt wieder

Die PGA Tour gab mit der Charles Schwab Challenge in Texas und der RBC Heritage in South Carolina ein erfolgreiches Comeback.

Gut geschlafen habe er nicht in den Wochen vor dem Comeback der PGA-Tour-Saison zur Charles Schwab Challenge in Fort Worth, so PGA-Tour-Chef Jay Monahan. Zu groß war stets die Sorge, dass bei den durchgeführten Corona-Tests im Vorfeld des Turniers in Texas einige positiv ausfallen würden, und was dann? Doch nach insgesamt 487 solcher Tests mit zum Glück keiner einzigen auf das Virus positiv getesteten Person gab es grünes Licht im prestigeträchtigen Colonial Country Club.

Knappe Kiste

Aber auch ohne Fans vor Ort – und das wird laut PGA-Statuten die nächsten vier Turniere noch so bleiben – wurde golferisch und auch spannungstechnisch eine Menge geboten. In der Endphase des Turniers hatte gut eine Stunde vor Schluss ein halbes Dutzend Spieler noch die Chance auf den Sieg. Den Amerikanern Jason Kokrak, Bryson DeChambeau und Xander Schauffele fehlte genau wie Justin Rose am Ende nur ein Schlag, um bei 15 unter Par in ein Playoff einziehen zu können. Dabei durchlief gerade Schauffele eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Erst wasserte er an der 15. Bahn aus dem Fairwaybunker und rettete mit einem starken 10-Meter-Putt noch das Bogey. Ein Loch später kämpfte er sich mit einem weiteren langen Putt nebst Birdie an die Spitze zurück. Doch spätestens bei seinem kurzen Versuch zum Par auf der 17 aus nicht mal einem Meter hätte es unter normalen Umständen ein Dickes „Oooooh“ aus den Zuschauerrängen gegeben.

Up and down

Mit ordentlich Speed wollte Xan­der den Parversuch versenken. Der Ball entschied sich an der Lochkante jedoch anders und blieb nach einer Ehrenrunde daneben liegen. Auch Bryson DeChambeau schrammte am Ende nur um Haaresbreite an einem Stechen vorbei, als auch sein Birdieversuch auf der 18 aus gut vier Metern hauchdünn das Loch verfehlte. Klar, dass der „Professor“ anschließend nicht gerade begeistert war. Das spielen vor einer Geisterkulisse schien bis auf ein paar kleine Ausnahmen aber keinen Einfluss auf die Leistung der Pros zu nehmen. „Es ist schon komisch, so ganz ohne Fans und die ganzen ,Aahs‘ und ,Oohs‘ zu spielen, aber irgendwie macht mich das dann auch weniger nervös“, beschrieb Xander Schauffele die eher ungewöhnliche Situation, die ja noch ein paar Wochen anhalten wird.

Berger vs Morikawa

Den Sieg bei der Charles Schwab Challenge machten mit Daniel Berger und Collin Morikawa dann wenig überraschend zwei Spieler unter sich aus, die schon vor Corona durch konstant gutes Spiel auf sich aufmerksam gemacht hatten. Während Morikawa seit seinem Start als Pro 2019 bereits auf der Tour gewinnen konnte und noch nicht einen Cut verpasst hat (21 Turniere), kann Berger eine nicht weniger beeindruckende Serie von Runden mit Par oder besser (satte 28 Stück) vorweisen. Zu schade, dass das Stechen bereits nach dem ersten Extraloch mit einer Antiklimax endete: Während Daniel Berger sein Par mit einem guten Up-and-Down retten konnte, vergab Morikawa aus einem Meter zur Verlängerung. „Das wird ihn noch eine Weile beschäftigen, aber er wird darüber hinwegkommen und auch wieder gewinnen“, sprach Turniersieger Berger seinem unterlegenen Landsmann Mut zu.

Webb Simpson gewann die RBC Heritage am Vatertag.

 

Spieth zeigt auf

Berger weiß übrigens, wovon er spricht. Das letzte Mal, dass er sich in einem Stechen wiederfand, sah er aus der Reihe, wie ein gewisser Jordan Spieth sensationell aus dem Bunker zum Titelgewinn lochte. Apropos Spieth: Dieser scheint ganz langsam zurück zu alter Form zu finden. Sein geteilter zehnter Platz mit 11 unter Par ist auf jeden Fall ein Achtungserfolg und es wäre auch noch mehr drin gewesen. Ein ebenfalls verpasster kurzer Putt auf Bahn 6 und zwei weitere Bogeys hielten Spieth noch von einer Top-3-Platzierung fern.

Monahan zufrieden

Im Großen und Ganzen, das kann man auf jeden Fall sagen, ist der PGA Tour in Texas ein gutes Comeback in die Saison gelungen. „Es war ein phänomenaler Start bei unserer Rückkehr und nun gilt es, diesen positiven Trend aufrechtzuerhalten“, zeigte sich auch Jay Monahan zufrieden. Bevor es die Woche darauf in Hilton Head bei der RBC Heritage weitergeht, steht die Tour allerdings vor weiteren Tests und logistischen Herausforderungen.

Sieg in Gelb

Doch auch diese wurden in der darauf folgenden Woche gemeis­tert: Die RBC Heritage in Hilton Head, erst abgesagt, dann verschoben, konnte stattfinden. Gewinnen konnte sie mit Webb Simp­son schon ein bisschen wie bei der Tour de France der Mann im gel­ben Trikot. Der Grund, warum Webb nun an den Turniersonntagen immer ein gelbes Hemd trägt, ist schnell erklärt. Es war die Lieblingsfarbe seines Vaters, der 2017 verstarb, seinen Sohn aber stets in Gedanken auf den Turnieren begleitet.

PGA-Tour-Chef Jay Monahan kann mit dem Comeback zufrieden sein.

 

Vatertag

„Ich habe heute morgen erst an ihn gedacht, als ich auf den Golfplatz gefahren bin. Er ist immer bei mir und er hat Golf geliebt“, so Simpson. Es war auch irgendwie passend, dass die RBC Heritage nach dem ganzen Tohuwabohu um Corona am Vatertag enden sollte. Mit Siegen zum amerikanischen Vatertag hat Simpson ja durch den Titel bei den U.S. Open 2012 (endet eigentlich immer am Vatertag) bereits Erfahrung. „Es hätte ihm sehr gefallen, mich heute spielen zu sehen“, so Simp­son, der gerade zum Ende seiner Runde durch fünf Birdies auf den letzten sieben Bahnen die Entscheidung zu seinen Gunsten herbeiführte. Dieser Endspurt reichte aus, um am Ende ganz knapp einen Schlag vor dem Mexikaner Abraham Ancer und zwei Schläge vor einem erneut starken Daniel Berger und Tyrrell Hatton (ENG) die Ziellinie zu überqueren.

Neue Ziele

Damit übernahm Simpson nicht nur im FedEx Cup Ranking Platz 1, sondern schob sich auf in der Weltrangliste bis auf den fünften Platz nach vorne. „Ich wollte zu den besten 15 Spielern der Welt gehören und nicht nur ab und zu gewinnen, sondern öfters. Also habe ich in den letzten Jahren hart an mir gearbeitet, sowohl im mentalen als auch im physischen Bereich“, so Simpson. Das karierte Jacket des Siegers zeigt ihm jetzt, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat. Simpson zeigte auf – genau wie übrigens Bernhard Langer, der ganz locker den Cut schaffte und T58 wurde.


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