Die Influencer-Kunst

Die Influencer-Kunst

Anthony Taranto zeigt Kunst auf den Schlägern, Isabelle Shee hörte auf, von der LPGA zu träumen. Heute sind sie Influencer.

Früher nannte man sie ja Testimonials, mittlerweile heißt das Influencer. Und wenn sie mit Golf zu tun haben, dann eben Golfluencer. Ansonsten gilt das, was Wikipedia über Testimonials sagt: So bezeichnet man in der Werbung im Englischen die konkrete Fürsprache für ein Produkt, eine Dienstleistung, eine Idee oder Institution durch eine Person, die der Zielgruppe meist bekannt ist und mit ihrem Auftritt die Glaubwürdigkeit der Werbebotschaft erhöht.

Anthony Taranto

Das macht beispielsweise Anthony Taranto mit seinen über 70.000 Followern auf Instagram für die Marke Callaway. Taranto hat den Markt für hochgradig personalisierte, super-stilisierte Wedges geschaffen, und die Firma könnte nicht zufriedener sein. Doch dazu wäre es fast nicht gekommen. Auf seinem unwahrscheinlichen Weg zum führenden Wedge-Customizer des Golfsports hätte der 47-jährige Taranto fast wortwörtlich bei den Fischen geschlafen. Sein Vater arbeitete sich vom Matrosen zum Thunfischkapitän hoch und ein junger Anthony hatte fest vor, ein Leben auf See zu führen. Auf seiner zweiten Reise als Decksmann sank das Boot schließlich vor der Küste von Panama. Taranto erinnert sich daran, dass sie dachten, „das könnte es sein“, als ihr Schiff langsam in den Ozean eintauchte. Nun kam alles anders. 1999 stolperte Tarantos Frau Lori über eine Anzeige von Callaway in der Lokalzeitung, man suchte einen Ballmechaniker. Golf war lange Zeit eines von Tarantos Lieblingshobbys und er arbeitet gerne mit seinen Händen, also ergriff er die Gelegenheit. Nach ein paar Jahren wechselte er zum Schlägerbauer, ohne sich jemals für den Job beworben zu haben. Taranto zeigte eine Begabung für die Arbeit und stieg weiter auf. Zudem war er immer der Meinung, dass Golfschläger cooler sein sollten, und er nahm es auf sich, dem Ganzen einen Hauch von Persönlichkeit hinzuzufügen. Er begann damit, Schläger mit Spielernamen und Initialen zu stempeln. Das führte zum Lackieren und Sandstrahlen der flachen, breiten Rückseiten, die bei den meisten modernen Keildesigns üblich sind. Und da sind wir heute. 

Isabelle Shee

Die junge Dame hat weit über 200.000 Follower auf Instagram und ist mit ihrer Schwester eine von zwei „Sock Sisters“. Wie kam‘s zu ihren Golfclips? Shee sagte einmal in einem Interview, ihre Social-Media-Reise habe vor einigen Jahren begonnen, ungefähr zu der Zeit, als ihre Golfkollegin Paige Spiranac „die Tür für Golf-Influencer öffnete. Es war ungefähr 2016, als ich beschloss, die Verfolgung des Traums der LPGA einzustellen und mich den sozialen Medien zuwandte“, sagte Shee. „Ich war damals zufällig eine Golferin, also würde ich sagen, ich hatte wirklich Glück.“ Shee hatte College-Golf an der UC Riverside gespielt, bevor sie zu UNLV wechselte. Und warum die Socken? „Seit ich angefangen habe, Golf zu spielen, war ich immer als ‚Sock Girl‘ bekannt“, erklärte Shee und stellte fest, dass der Spitzname um 2006 seinen Ursprung nahm, weil es heiß war und Mama wollte, dass sie Sonnenschutz trägt. So einfach wird man Influencer.

Als Influencer sollte man eher sich als seine Persönlichkeit verbiegen.

Bildnachweis: © Screenshot Instagram.

Georg Sander
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