Die Handicaps der Politiker

Die Handicaps der Politiker

Altbundeskanzler Gerhard Schröder als Schirmherr beim Charity-Golf

War das nun ein spontaner Gag oder eine abgesprochene verbale Steilvorlage? Wenn Gerhard Schröder so richtig der Schalk im Nacken sitzt, ist das schwer einzuschätzen. Vor der Siegerehrung auf der Clubhaus-Terrasse des Golf- und Land-Clubs Berlin-Wannsee frotzelt der bestens gelaunte Altbundeskanzler über sein noch relativ bescheidenes Golf-Handicap: „Deutlich unter 30 – bei konstant 29,5“ sei es quasi festgetackert, grinst er; und die Moderatorin des Abends, Marion Uhrig-Lammersen, hat prompt den passenden politischen Querverweis parat: „Über das Ergebnis in Prozentpunkten würde sich die Partei sehr freuen!“ Am 26. September ist Bundestagswahl, und die Umfragewerte der SPD dümpeln derzeit wie festgetackert bei bescheidenen 15 Prozent dahin. 

Die Marion darf das. Sie duzt den Gerhard, nennt ihn „Chef“, war in für die Sozialdemokraten ungleich besseren Zeiten einst Parteisprecherin. Was sein Lieblingsschläger sei, fragt sie den Ex-Regierungschef. „Das Eisen 7“, gibt er launig zum Besten, denn „damit trifft man meistens. Wenn man stattdessen ein Holz nimmt, um weiter zu schlagen, fällt man meistens auf die Schnauze.“

Sanfter Druck

Dass er vor drei Jahren mit dem Golfen anfing, ist vor allem seiner südkoreanischen Ehefrau Soyeon zu verdanken. „In meiner Heimat“, verrät Frau Schröder-Kim, „gehört das Golfspiel einfach zum Business.“ Also hat sie ein wenig sanften Druck ausgeübt; denn schließlich ist ihr Gerhard heute ein Businessman, als Berater des russischen Erdgasunternehmens Gazprom und seit kurzem auch eines großen Baukonzerns mit Hauptsitz in Leipzig. 

Sofern es sein Terminkalender erlaubt, spielt Gerhard Schröder jetzt jeden Tag eine 9-Loch-Runde auf der exquisiten Anlage Rethmar Golf bei Hannover. Aber nicht trainingsfleißig sei er, sondern nur „spielfleißig“, gibt er lachend zu Protokoll. Seinen Heimatplatz kennt er wesentlich besser als die dazugehörige Driving Range. Da geht es ihm ähnlich wie seinem Parteifreund und Wannseer Flightpartner, dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der die sportliche Herausforderung und die landschaftliche Schönheit mehrerer Berliner und Brandenburger Golfanlagen zu schätzen weiß und so oft wie möglich genießt.

Der stolze Erlös von 50.000 Euro, der bei den schon traditionell in Berlin-Wannsee ausgetragenen DWB Charity Masters erspielt und ersteigert wurde, kommt auf Wunsch des prominenten Schirmherrn der „Aktion Kindertraum“ in Hannover zugute. Die Hilfsorganisation unterstützt ein Langzeitprojekt für Kinder und Jugendliche, die in prekären Verhältnissen aufwachsen. 

Sportlich gesehen, landete ­Gerhard Schröder bei dem Charity-Turnier in Berlin-Wannsee zusammen mit seinem 2er-Scramble-Partner, dem Bauunternehmer und Turnier-Gastgeber Dennis Wisbar, auf dem geteilten 28. Platz und damit unter „ferner liefen“, auf den Schlag genau gleichauf mit Klaus Wowereit. 

Bescheidener Altkanzler

Doch die im allmählich heiß laufenden Bundestagswahlkampf mittlerweile übliche Goldwaagen-Überprüfung sämtlicher Politikeraussagen ergab, dass der Altbundeskanzler – aktuelle Spitzenkandidat*innen für den Kanzler*innen-Job mögen sich daran ein Beispiel nehmen – seine Fähigkeiten eher zu bescheiden darstellt: Das Handicap des „spielfleißigen“ Nachwuchsgolfers liegt nicht mehr bei 29,5, sondern tatsächlich schon bei 27,7. Tendenz: fallend. Was man Schröders arg gebeutelter Partei mit Blick auf die aktuellen Umfragewerte und die Wahlen im September nicht wünschen möchte. Dummerweise verhilft im Wahlkampf auch ein gut beherrschtes 7er-Eisen nicht wirklich zu einem besseren Score …


Bildnachweis: © Wolfgang Weber .

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