Die Golfluencer

Die Golfluencer

Golf ist weitaus mehr als nur ein Sport. Auf Social Media sorgen vor allem Tricks für Clicks.

Gesellschaftliche Aspek­te hatte der Golfsport schon immer. Rein zum Sport gehören Kanonenstart und Grillerei nicht, aber insgesamt zum Erlebnis. Weil es 2022 ist, gehören die diversen sozialen Medien natürlich auch dazu. Die Golf Week hat sich in die Tiefen des World Wide Web, der Apps und Netzwerke begeben, stellt einige spannende Golf-Influencer und Trick-Shotter vor, die Golfluencer. Die Liste ist keinesfalls abgeschlossen und bietet doch einige Sachen zum Lachen und Staunen. 

Tania Tare

Die Golf-Trickshot-Künstlerin und Profigolferin Tania Tare ist Mitbegründerin der Social-­Media-App Rebuzz und wird von Adidas und Audemars Piguet gesponsert. Ihre größte Fangemeinde (316.000) ist auf Instagram. Sie wurde in Neuseeland geboren und lebt in Arizona. Wie wurde sie zur Golfluencerin? Ursprünglich jonglierte sie, aber als Tare zwölf Jahre alt war, sah  sie einen Nike-Werbespot, in dem Tiger Woods einen Golfball hüpfen und in der Luft schlagen ließ. Sie wurde quasi süchtig danach. Sie sah sich das Video immer wieder an, um zu erfahren, wie der Trick gemacht wurde, in der Hoffnung, ihn nachmachen zu können. „Ich hatte noch nie einen Ball auf den Boden gelegt, um ihn zu schlagen“, erzählte sie in einem Interview mit LPGA.com. „Alles, was ich tun wollte, war jonglieren, also ist es im Nachhinein offensichtlich wirklich seltsam, wie das alles­ geklappt hat. Ein paar Jahre später war ich vierzehn, und das war das erste Mal, dass ich einen Golfball auf der Range geschlagen habe.“ Einige Leute hatten sie in einem Video mit einem Mann markiert, der den Ball in seinem Nacken blockiert hatte, sich dann umdrehte und ihn in die Luft schlug. Tare versuchte es selbst. „Nachdem ich ungefähr 20 Bälle nachgedacht habe, habe ich es geschafft“, sagte sie. Ein Freund filmte Tare, und es folgten auf den Erfolg weitere Trickshot-Videos. Und wie es so ist: Das ging viral. Warum? „Sie haben noch nie ein Mädchen solche Schläge machen sehen.“ Mit den Klicks kamen dann auch Sponsoren. Ach ja: Und sie spielt auch professionell Golf.

Garett Clark

Garrett Clark ist ein amerikanischer YouTuber und Golfer mit überdurchschnittlichen Interaktionsraten auf allen Plattformen, einschließlich enormer über 40 Prozent auf YouTube. Über eine halbe Million Menschen haben ihn dort abonniert, eine weitere halbe Million folgt ihm auf In­stagram. Den Vogel schießt er auf TikTok ab, wo ihm mehr als zwei Millionen folgen. Was macht der junge Mann? Er hat mit dem Filmen auf jeden Fall früh angefangen. Bereits mit neun Jahren hatte er einen Channel auf YouTube, auf dem er „nur irgendwelchen Blödsinn im Haus“ machte, wie er in einem Interview einmal sagte. Clark war ein versierter Junior-Golfer, ein begabter Scrambler, der einmal ein Turnier gewann, indem er eine abschließende 68 schoss, obwohl er nur zwei Fairways traf. Er verbrachte den ganzen Dezember 2016 damit, eigene Trickaufnahmen zu üben, und begann, sie auf Instagram hochzuladen. Im folgenden Sommer spielte er nicht wie immer Dutzende von Juniorenturnieren, sondern konzentrierte sich stattdessen darauf, lustige Videos zu erstellen. Sein Instagram-Publikum begann sich aufzubauen. Clark immatrikulierte am Kansas Community College, um für das Golfteam zu spielen, fühlte sich aber „erstickt“. Die Content Creation trat in den Hintergrund, weil er so viel Zeit für triviale Dinge wie Wissenschaft und Teampraxis aufwenden musste. Im Sommer 2019, nach seinem ersten Jahr, tauchte er wieder in YouTube ein und konzentrierte sich auf Videos in längerer Form. Etwa in einer charmanten halbstündigen Geschichte: Clark ging in einen Secondhandladen, kaufte eine Golftasche und ein Set Eisen für die Gesamtsumme von 3,81 Dollar, spielte dann neun Löcher in vier über Par. Die Produktionsqualität der Videos ist einfach, aber sauber, mit gelegentlichen überraschenden Akzenten, aber der Schlüssel ist er selbst: ein gutaussehender Junge mit einem süßen Schwung und einer leicht albernen Präsenz, der sich vor allem nie zu sehr anstrengt. Die Videos bereiten bis heute viel Freude.

Garett Clark will schlichtweg Content-Creator sein und zeigt das her.

 

Tisha Alyn

Die 1993 geborene Golferin Tisha Alyn ist eine beliebte Instagrammerin und TikTokerin aus Südkalifornien, gesponsert von Puma Golf. Sie hat mit Marken wie Cobra, AT&T, Fab Fit Fun, BMW, Subway, Degree, Mastercard und Best Western zusammengearbeitet. Das führt zu Erfolg, über 340.000 Menschen folgen ihr auf Instagram, dazu kommen noch über eine Million auf TikTok. Sie erreichte ihren steilen Aufstieg zum Ruhm, indem sie eine strategisch gepflegte Social-Media-Präsenz schuf. Nachdem sie 2015 professionelle Golferin geworden war, machte sich Alyn über ihre Social-Media-Plattformen schnell außerhalb der Pro-Tour bekannt. Doch nicht nur das. Alyn hat sich vor zwei Jahren als lesbisch geoutet. Damals schrieb sie, dass das Lesen von Geschichten darüber, wie Menschen sich geoutet haben, ihr den Mut gegeben hat, sich selbst zu outen. Sie setzt sich stark für LGBTQ-Rechte ein und ist bei vielen LGBTQ-bezogenen Veranstaltun­gen zu sehen.

Tisha Alyn ist viel, viel mehr als nur Golfspielerin und Influencerin.

 

Bryan Bros und mehr

George und Wesley Bryan sind professionelle „Golfbrüder“ aus South Carolina, die oft Tricks und allgemeine Golf betreffende Eskapaden posten. Sie sprechen ein typisch männliches Publikum aus den USA, Großbritannien und Kanada an. Das gefällt etwa über 170.000 Followern auf Instagram oder weit mehr als hunderttausend auf YouTube. Wesley spielt auch professionell Golf, gewann schon auf der Web.com Tour. Das Markenzeichen der beiden ist im Unterschied zu den „Einzelspielern“ das Aufspielen für den jeweils anderen. Aus teils unglaublichen Lagen, wie aus Bunkern oder hohem Rough, spielt einer der beiden mit zusätzlichem Jonglieren den Ball für seinen Bruder auf. Der wird dann aus der Luft mit dem Driver die Fairways runterjagt. Doch es gibt noch viel mehr Golfluencer, die alle online zu finden sind. Etwa Anthony Taranto, Isabelle Shee, Kenzie O’Connell, Savannah Vilaubi oder auch andere Golfer, die Profis sind und sich im Web ausleben, etwa John Daly, um nur einen zu nennen.


Bildnachweis: © Sportcomm/Getty Images, © Screenshot Instagram.

Georg Sander
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