Der Spielerberater

Der Spielerberater

25 Jahre war Jim Mackay an Phil Mickelsons Seite. Nun sucht der Top-Caddie einen neuen Chef.

Es heißt, die wahre Qualität einer Partnerschaft zeige sich insbesondere dann, wenn sie zu Ende gehe. Alleine so betrachtet, muss es sich um eine ganz besondere Beziehung gehandelt haben, die Phil Mickelson, den Profigolfer, und Jim „Bones“ Mackay, den Caddie an seiner Seite,  verband.  Nach ziemlich genau 25 Jahren hat das Erfolgsduo zwei Tage nach der U.S. Open die Beendigung der Zusammenarbeit bekanntgegeben, und wenn man Phil Mickelson kurz hinterher so schwärmen hörte über seinen „Bagman“, dann konnte man sich schon die Frage stellen, warum die beiden überhaupt getrennte Wege gehen. Bones an seiner Seite gehabt zu haben, und zwar nicht auf dem Golfplatz, sondern auch als Freund, sei einer der größten Glücksfälle seines Lebens gewesen.

„Er war viel mehr als ein Caddie, vom ersten Tag an einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich werde ihm immer verbunden bleiben“, sagte Mickelson. Derjenige Kollege, der als Nächster mit ihm zusammenarbeite, könne sich freuen, denn Mackay sei einer der kenntnisreichsten und hingebungsvollsten Caddies weltweit, „in jeglicher Hinsicht eine Klasse für sich“, so Mickelson. Es gebe nur sehr wenige Caddies weltweit, die so durchdacht und perfekt vorbereitet zu Werke gehen, so der Weltklassegolfer, dennoch sei für beide ein Neuanfang geboten gewesen. „25 Jahre sind eine lange Zeit im Profigolf, wir hatten beide das Gefühl, ein Wechsel täte uns gut“, sagte Mickelson, der bis auf weiteres seinen Bruder Tim am Bag hat. Mackays Dienste sind noch zu haben, Adam Scott gilt als heißester Kandidat unter den Top-Spielern. Die außergewöhnlich lange Zusammenarbeit und deren stilvolle Trennung sagen eine Menge über Mickelson und Mackay aus. Beides ist im Profigolf die Ausnahme, wo es in der Hitze des Turniergefechts eher schon mal geschieht, dass zwischen Spieler und Caddie die Fetzen fliegen und der Pro ausrastet, wenn die ausgeklügelte Schlägerwahl sich als falsch herausstellt. Manchmal kommt es sogar vor laufenden TV-Kameras zum Eklat.

Besonders berüchtigt ist der Fall von Robert Allenby, ein für seine mangelnde Wertschätzung der Taschenträger bekannter Heißsporn, der vor zwei Jahren bei den Canadian Open seinen Caddie Mick Middlemo nach einem Wasserschlag, der zu einem Triple-Bogey führte, und anschließendem heftigem Wortgefecht mitten auf der Runde feuerte und sein Golfbag dann einem Zuschauer anvertraute. Über die Frage, wer den Konflikt auslöste und wer dem anderen zuerst Prügel androhte, kursieren bis heute unterschiedliche Versionen. Die glaubhaftere lieferte der Caddie, der sagte, Allenby habe den richtigen Schläger in der Hand gehabt, aber das Eisen 8 viel zu fett getroffen und dann die Nerven verloren.

Spannungsverhältnis

Der Vorfall mag krass sein, zeigt aber, welcher Zündstoff in der Beziehung eines Pros zu seinem „Looper“ steckt, der „inside the ropes“ die einzige Bezugsperson ist, im Guten, ebenso aber auch im Schlechten. Was möglichen Zündstoff anbelangt, so hatte Jim Mackay in den vergangenen 25 Jahren im übertragenen Sinn stets stangenweise Dynamit im Bag, bereit zur Explosion, wenn Mickelson, einer der talentiertesten, aber auch waghalsigsten Spieler, Schläge auspackte, die in keinem Lehrbuch verzeichnet waren.

Ausnahmetalent

Bereits bei ihrem ersten beruflichen Zusammentreffen wurde Mackay schnell klar, dass er es hier nicht mit einem gewöhnlichen Spieler zu tun hatte. Der damals 26-jährige Amerikaner, übrigens selbst ein sehr ordentlicher Spieler mit Golf-College-Erfahrung, hatte zuvor für Larry Mize, Scott Simpson und Curtis Strange gearbeitet, als er 1992 auf Mickelson traf, der zu der Zeit noch Amateur war, aber bereits die Tucson Open gewonnen hatte. Die erste gemeinsame Runde fand in Memphis statt, beim Qualifying für die U.S. Open. „Wir hatten keine Proberunde zusammen, sondern nur ein fünfminütiges Telefonat im Vorfeld. Er sagte, wir sehen uns am ersten Tee. Es waren 80 Spieler am Start für 16 zu vergebende Plätze. Er spielte eine 69, am zweiten Tag eine 62, neuer Platzrekord, und schon waren wir zur U.S. Open unterwegs“, erinnert sich Mackay. Bereits auf den ersten Runden sei er nicht aus dem Staunen herausgekommen, angesichts des unglaublichen Talents des 18-jährigen Teenagers und dessen völlig unterschiedlicher Spielweise. „Plötzlich hatte ich einen Spieler, der den Ball nicht nur viel weiter schlug als alle, für die ich vorher gearbeitet hatte, sondern der auch in den schwierigsten Situationen den direkten Weg suchte und sich sicher war, dass der Schlag gelingt. Wenn ich unter den Bäumen durchguckte, um eine Route zu suchen, schaute er drüber. Ich musste mich anpassen, aber ich genoss es“, berichtet „Bones“ Mackay. Seinen Spitznamen verdankt er übrigens nicht Mickelson, sondern Fred Couples. Dieser wollte eines Tages dem schlaksigen jungen Caddie im Clubhaus etwas zurufen, wusste aber dessen Namen nicht und rief stattdessen: „Hey, Bones, komm mal rüber“, ein Spitzname, der ihm blieb.

In der ersten Reihe

Seitdem war Mackay in mehr als 600 Turnieren an Mickelsons Seite, hat 45 Turniersiege mit ihm erlebt, darunter fünf Majors und alle Presidents und Ryder Cups seit 1994. Mackay sagt, das Großartigste an seinem Job sei es gewesen, den Sitz in der ersten Reihe gehabt zu haben: mit bester Sicht auf einen der besten Spieler aller Zeiten. Er hat ihn durch Tiefen begleitet, wie jene legendäre Finalrunde bei der U.S. Open 2006 in Winged Foot, als Phil Mickelson, in Führung liegend, am letzten Loch ein Doppelbogey kassierte und das Turnier verspielte, oder, was Mackay bis heute schmerzt, die U.S. Open 1999 in Pinehurst, wo Mickelson einen Zähler hinter Payne Stewart Zweiter wurde. „Ich habe am 71. Loch einen Putt falsch gelesen. Es war ein Birdieputt aus drei Metern. Phil bat mich um Rat, ich sah eine gerade Linie, aber der Putt brach nach rechts. Wenn ich eine Entscheidung in meiner Karriere ungeschehen machen könnte, dann wäre es diese“, so der Meister-Caddie.

Alles Chefsache

Aber Mickelson habe ihm niemals Fehler vorgehalten. Eines der Erfolgsgeheimnisse seines Ex-Chefs sei es, genau zuzuhören, aber dann mit Bestimmtheit seine eigene Entscheidung zu treffen. So wie 2010 in der Finalrunde des Masters, als Mickelson, mit zwei Schlägen Vorsprung ausgestattet, seinen Drive am 13. Loch rechts in die Bäume geschlagen hatte und Mackay ihm riet, auf Nummer sicher zu gehen und vorzulegen. Aber Mickelson sagte: „I’m going for it“ und schlug seinen Ball aus schlechter Lage mit dem Eisen 6 durch zwei Bäume hindurch über den Rae’s Creek aufs Grün. Anderthalb Stunden später hatte er sein drittes Green Jacket um die Schultern hängen.

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