Der Golflehrer als Marke

Der Golflehrer als Marke

Auch das Berufsbild des Golflehrers hat sich in den letzten Jahren verändert. Für den klassischen Club-Professional wird es nicht einfacher – man muss schon herausstechen.

Die Arbeit eines Unternehmens besteht schon lange nicht mehr nur aus der Produktion und dem Verkauf von Produkten. Aufgrund des nationalen und internationalen Wettbewerbs, des Preiskampfes, der Digitalisierung, des fortgeschrittenen Informationsstandes der Konsumenten und der Globalisierung reicht es nicht mehr aus, das Produkt oder die Dienstleistung nur anzubieten. Der Konsument steht einer riesigen Angebots­palette gegenüber und wird in der Verkaufsentscheidung durch mehrere Faktoren beeinflusst. Genau an diesem Punkt kommt das Marketing ins Spiel, welches in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken ist. Klassische ­Werbung, Online-Marketing, Eventmarketing, Performance-Marketing, Multichannel-Marketing und viele weitere Wege zur Kundengewinnung werden genutzt, um das unternehmerische Ziel zu erreichen.

Jede Organisation präsentiert sich auf eine ganz bestimmte Weise und kreiert sich damit ein Image in den Köpfen der Menschen. Im Idealfall gelingt das der Organisation sehr gut, und der Kunde verbindet mit dem Unternehmen Emotionen und hat Vertrauen in die Qualität des Angebots. Freundlichkeit wird dabei längst als unabdingbare Voraussetzung gesehen. Genau dies braucht es, um den Kunden abzuholen.

Das Aufbauen einer Marke stellt einen Unternehmer sicherlich vor große Herausforderungen. Als Marke kann man die Summe aller Vorstellungen abdecken, die ein Markenname bzw. ein Markenzeichen bei Kunden hervorruft. Die Dienstleistung oder das Produkt unterscheidet sich von der/dem des Konkurrenten. Im rechtlichen Sinne dient das Wort „Marke“ auch als rechtlich geschütztes Zeichen, das einer Organisation zugeordnet ist.

Jetzt stellt sich die Frage: „Hat ein Golflehrer, der in seinem kleinen Wirkungskreis agiert, die Chance, sich als Marke zu etablieren?“

Markenpotenzial

Vereinzelt gehen Golflehrer mit gutem Beispiel voraus und arbeiten konsequent an ihrem Auftritt. Sie beginnen, neben dem klassischen Golfunterricht zunehmend als Unternehmer zu agieren. Da gehören Marketing, ein einladender Online-Auftritt sowie das bewusste Anwerben von Schülern einfach dazu. „In diesen Zeiten reicht es auch in dieser Branche nicht mehr, ein normaler „Club-Pro“ zu sein, sondern man muss schon herausstechen“, betont etwa Ryan Gould, Golflehrer im Golfclub Föhrenwald in Wr. Neustadt. Gould steht aktuell am Start seiner Golflehrerkarriere und arbeitet seit seiner abgeschlossenen Ausbildung vor zwei Jahren mit Begeisterung an den Problemen seiner Schüler. Er hat ganz klar verstanden, dass ein Golflehrer großes Potenzial hat, eine erfolgreiche Marke zu etablieren. Natürlich geschieht dies nicht über Nacht, sondern ist die Belohnung für jahrelange intensive und harte Arbeit. Der Aufbau eines Kundenstamms muss strategisch durchdacht sein. Jeder Golflehrer geht in eine andere Richtung und spezialisiert sich auf einen Bereich. Man kann in der Golfbranche klar erkennen, dass Schüler, die im Spitzenamateurbereich spielen, wahre Kundenmagnete für einen Golflehrer sein können. In Österreich lässt sich erkennen, dass die besten Amateure bzw. Profis auf nur eine kleine ­Gruppe von Trainern zurückgreifen. Die große restliche Menge ist oft überhaupt nicht interessiert, „gute Golfer“ zu unterrichten. ​

Dominic Angkawidjaja

Beachtlich ist die Schülerkartei von Dominic Angkawidjaja, der mehrere Top-Amateure und Jungprofis regelmäßig coacht. Er ist ein Vorzeigemodell, bei dem das Thema „Golflehrer als Marke“ perfekt zutrifft. Neben dem Golftraining bietet er seine eigenen Merchandise-Produkte an, wie zum Beispiel Kappen, Tees und Schlägerhauben, die mit seinem Logo gekennzeichnet sind. Die Kunden dieser Produkte sind vermehrt die eigenen Schüler. Sie nutzen die Produkte und gehören somit auch zum Team des Golflehrers. Dominic Angkawidjaja hat für seine Schülertruppe auch den passenden Hashtag gefunden, der häufig auf den Social-Media-Kanälen der Schüler auftaucht. Mit #teamsarsi sprechen sie sich klar für ihren Trainer aus und fühlen sich einem Team zugehörig.

NAME: Dominic Angkawidjaja ALTER: 31 TEACHING PRO SEIT: 2011 CLUB: Golfclub Murhof HOMEPAGE: www.da-golf.com

 

Ryan Gould

Den Weg zur eigenen Marke bestreitet auch Ryan Gould, der sich einiges für die nächsten Jahre vornahm. In naher Zukunft wird auch er die ersten Golfausrüstungsartikel mit seinem Logo präsentieren. Es steht für ihn dabei kein kommerzieller Grund im Mittelpunkt, sondern er wünscht sich, dass seine Schüler sich als Teil eines Teams fühlen. Natürlich kann dies auch marketingtechnische Vorteile haben – die Produkte sollen immerhin qualitativ hochwertig und ansprechend gestaltet sein. Auf die Frage, wie das optimale Image eines Golflehrers aussehen soll, hatte Gould eine klare Antwort: „Wichtig sind ein professionelles Auftreten, hohes Leistungsniveau, gepflegtes Aussehen, neuerster Stand der Fortbildung, verifizierte Informationen und die Leistungserfolge der Spieler.“ Sein Ziel ist, das Potenzial eines jeden Schülers zu maximieren, und das mit individueller Betreuung. Es gibt nicht die perfekte Strategie, sondern die Anatomie eines Spielers unterscheidet sich, die Ziele sind verschieden, und auch die Erwartungen und Wünsche sind meistens nicht gleich. In vielen Köpfen wird der Beruf des Golflehrers als starrer Technikunterricht verstanden, jedoch sollte man ihn als Coach und Begleiter über mehrere Jahre hinweg sehen. Möglicherweise ist sehr vielen Lesern der Name „David Leadbetter“ bekannt, der bereits schon sehr früh seine eigene Marke publik machte und seine Methode auf viele Golflehrer übertrug.

NAME: Ryan Gould ALTER: 23 TEACHING PRO SEIT: 2016 CLUB: GC Föhrenwald Wr. Neustadt HOMEPAGE: www.ryangouldgolf.com

Bildnachweis: © Ryan Gould Golf, © Dominic Angkawidjaja (2).

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