Der Geheimtipp des Schwarzen Ritters

Der Geheimtipp des Schwarzen Ritters

Gary Players Golf de Taulane im Hinterland der Côte d’Azur.

Die Auswahl an erstklassigen Golfplätzen im zauberhaften Hinterland der Côte d’Azur zwischen Nizza und Saint Tropez ist ähnlich vielfältig wie die der erstklassigen Rot- und Roséweine, für die die Provence berühmt ist. Einer der besten liegt fernab der üblichen touristischen Trampelpfade geradezu versteckt in den Bergen. Aber das Resort Chateau Golf de Taulane lohnt die recht weite, kurvenreiche Anfahrt allemal.

Ferrari oder Helicopter? Vor dieser Qual der Wahl stehen einige in Cannes, Nizza oder Monte Carlo lebende Stammgäste meist, wenn sie sich am Wochenende mit Freunden zu einer Golfrunde am Chateau de Taulane verabreden. Leiden auf ziemlich hohem Niveau. Wenn man unmittelbar an der Küste lebt und arbeitet, etwa im Fürs­tentum Monaco, ist der Weg in das exklusive Golfresort an der Grenze zwischen den Seealpen und dem Département Var auch im schnellsten Sportwagen ziemlich zeitraubend und anstrengend. Der von den umliegenden Bergen gut geschützte kleine Ort in 1000 Metern Höhe liegt gut 60 Kilometer von Cannes entfernt und die Landstraßen sind, zumal hinter Grasse, zum Teil recht eng und serpentinenreich. So kommt es nicht selten vor, dass – um die Reisestrapazen zu vermeiden – am Wochenende gleich mehrere Hubschrauber auf dem großen Heliport nahe dem Schloss landen. 

Gilt als eines der größten und schönsten Golf-Clubhäuser Europas: das Chateau de Taulane im Hinterland der Côte d’Azur.

 

Schloss vom König

Das Chateau de Taulane wechselte häufig den Besitzer, seit es Guilhem de Lisle, des Königs Stallmeister, anno 1588 als Lohn für treue Dienste für die Krone übertragen wurde. In den 1960er-Jahren ließ eine Adelsfamilie einen Golfplatz rund um das Chateau anlegen, das in seiner heutigen Form aus dem 18. Jahrhundert stammt und zu dem weite Ländereien von insgesamt 340 Hektar gehören. Aber das teure Projekt stürzte ab wie so mancher unvorsichtige Kletterer in den nur 20 Kilometer entfernten höllisch tiefen Schluchten des Verdon, die als „europäischer Grand Canyon“ gelten. Erst der im Ölgeschäft zu mehr als nur bescheidenem Wohlstand gelangte italienische Geschäftsmann Mario Contini als neuer Schlossherr hatte den langen Atem – sprich: das nötige „Kleingeld“ – , um das Projekt zu vollenden und zu veredeln.

007 war auch schon da

Dabei half ihm kein Geringerer als „The Black Knight“ Gary Player, der dem Golfplatz ein komplett neues Design verpasste. Zum Grand Opening des neu gestalteten Kurses 1992 kamen unter anderem Prinz Albert von Monaco und Ur-James Bond Sean Connery. Der Hollywoodstar George Clooney schrieb sich 2011 ins Gästebuch des Chateau de Taulane ein, das sich mit seinen 3500 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche ganz nonchalant rühmen darf, eines der größten und schönsten Golf-Clubhäuser Europas zu sein. Das mit vier Sternen eher unterbewertete Schlosshotel mit seinen 45 edel eingerichteten Zimmern und Suiten bietet seinen Gästen unter anderem einen Indoor-Swimmingpool, eine Indoor-Golfanlage und einen Fitnessclub, der keine Wünsche offen lässt. 

In totaler Ruhe, fernab des Huzzle-­Buzzle der hektischen Côte d’Azur, umrundet  der erste Gary-Player-Platz Frankreichs (6260 Meter, Par 72) das Schloss auf gut 80 Hektar in weitem Bogen und bietet ein Golferlebnis der exquisitesten Art. Je tiefer man in die weiten Pinien- und Kiefernwälder eindringt, desto herausfordernder werden die zuweilen engen Bahnen – ein ständiges Auf und Ab in abwechslungsreicher Berglandschaft mit insgesamt sieben teils großen und gemeinen ballschluckenden Wasserhindernissen.

Gary Player verpasste dem Golfplatz Anfang der 90er-Jahre ein neues Design; Logo-Ball vom Chateau de Taulane.

Schönstes Doppelgrün Frankreichs

Eines davon verteidigt das vielleicht schönste Doppelgrün Frankreichs: Aus dichtem Wald heraus streben die abschüssigen Fairways der 9 und der 18 spektakulär einem wahrhaft majestätischen, pfeilschnellen und sanft ondulierten XXL-Grün vor der mondänen Kulisse des altehrwürdigen Schlosses zu. Man mag das Urteil des  renommierten „Guide Rolex“ nicht in Frage stellen, der die 18 von Chateau de Taulane zum „schönsten Finalloch Europas“ gekürt hat. 

Die Bahnen 9 (links) und 18 münden unmittelbar vor dem Schloss in das vielleicht schönste Doppelgrün Frankreichs.

 

Exquisite Höhenlage

Die Höhenlage verleiht Chateau de Taulane im Vergleich zu den meisten, deutlich tiefer gelegenen Golfplätzen in der Provence ein klimatisches Alleinstellungsmerkmal: Gerade im Hochsommer, wenn viele Golfer auf den küstennäheren Plätzen unter zu großer Hitze stöhnen, lockt der Gary-Player-Platz mit angenehmen Temperaturen. Von Juli bis September ist er an sieben Tagen in der Woche bespielbar; von April bis Juni sowie im Oktober hingegen ist hier Nebensaison und dienstags und mittwochs Ruhetag.

 Auch daran mag es liegen, dass der wunderschöne Golfplatz am Chateau de Taulane – sehr weit „off the beaten tracks“ im bergigen Hinterland der Côte d’Azur versteckt – nach wie vor als Geheimtip gilt, dessen Ruf eher langsam durch Mund-zu-Mund-Propaganda gemehrt wird. Vermutlich können die Besitzer das verschmerzen, denen mit Golf du Claux Amic vor den Toren der Parfum-Stadt Grasse ein weiterer Edel-Golfplatz gehört. 

Und ebenso, dass sich die Golfsaison am Schloss in den Bergen klimabedingt auf das Sommerhalbjahr von Mitte April bis Oktober beschränken muss: Im Winter hüllt hier, am Rande der Seealpen, meist eine dicke Schneedecke die waldreiche Berglandschaft ein. Und auch den in den Sommermonaten so oft und gern genutzten Heliport neben dem Chateau de Taulane. Die Flights starten – nach langem Winterschlaf – erst wieder, wenn der nächste Frühling ins Land zieht.


Bildnachweis: © Wolfgang Weber, Wolfang Weber, © Yehudith Yovel.

Wolfgang Weber
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