Dem Wetter zum Trotz

Dem Wetter zum Trotz

Obwohl es wie aus Eimern goss, gab es bei The Match: Champions for Charity jede Menge gute Unterhaltung.

Nun ist es also „in the books“ wie der Amerikaner gerne sagt, The Match II, aka Champions for Charity aka Tiger vs Phil redux, und Gewinner ist neben den zahlreichen Covid-19-relief-Einrichtungen, die insgesamt über 20 Millionen Dollar erhalten werden, zum Glück auch der Golfsport.

Es regnet

Nicht jeder bleibt mal eben bis 2.30 Uhr früh auf, um sich ein Duell zwischen den absoluten Golf- und NFL-Superstars um die Ohren zu hauen, aber es hat sich wirklich gelohnt. Da man heute auch problemlos CNN International und zum Teil TBS oder TNT auf dem heimischen Fernseher empfangen kann, gab es für den eingeschweißten Fan also eigentlich keinen Grund, sich das Match II nicht anzusehen. Die ersten Bilder vom Medalist Golf Club, in dem übrigens gefühlt 15 der Top-10-Spieler der Weltrangliste Mitglied sind, waren alles andere als vielversprechend, denn es schüttete wie aus Eimern. Aus The Match wurde am Anfang „the Matsch“, blauen Himmel und Sonnenschein gab‘s nicht zu sehen. Doch die vier gestandenen Profis Tiger Woods, Tom Brady, Peyton Manning und Phil Mickelson ließen sich den Frust über fünf Stunden Regengolf nur wenig anmerken und spannten sich brav vor den Charity-Karren.

Für Tom Brady gab es viel Licht und noch mehr Schatten.

 

So lief es ab

Für alle, die das Match nicht live mitverfolgen konnten oder wollten, gibt es nur eine Zusammenfassung, und es sei gleich vorweg gesagt: Dieses Duell war deutlich besser als die erste Auflage. Das lag bestimmt auch an Manning und Brady, die auf den ersten Bahnen vogelwild um sich schlugen. Allein das Gesicht von Tom Brady war Gold wert, als er nach drei absolvierten Bahnen weder ein Fairway noch einen Ball getroffen hatte. Sein Partner Phil Mickelson machte es übrigens kaum besser und so gaben die „Underdogs“ an Bahn 3 (1 und 2 wurden geteilt) das erste Loch gegen Tiger Woods‘ Birdie ab. Auf Loch 4 (Par 3) wurde es nicht besser für die „Bros“: Tom Brady verfehlte das Grün, obwohl Kommentator Charles Barkley eine Menge Geld für einen Grün-Treffer auslobte, und Phil Mickelson zog gleich mal mit einem schlechten Teeshot nach. Was die beiden danach machten, war egal, denn Peyton Manning aka der Par-3-Gott versenkte mal eben einen 7-Meter-Birdie- Putt zum Lochgewinn. Manning/Woods gingen 2 auf und Phil Mickelson schwante Böses. Auf Loch 5 durfte jeder Spieler nur einen Schläger benutzen. Während Tiger und Phil das Loch nach viel auf und ab schließlich mit einem Bogey teilten, erwies sich ein mittlerweile komplett entnervter Tom Brady als auch nicht gerade regelfest. Wo er seinen Ball nach dem Abschlag ins Wasser Ball droppen müsse, fragte er sämtliche Kommentatoren. Langsam wurde es wild und richtig witzig.

Koepka hat Spaß

Denn Brooks Koepka verkündete über Twitter 100.000 Dollar für den Topf, sollte Brady auf den Frontnine auch nur ein Par gelingen. Auf Bahn 6 war das nicht der Fall, stattdessen holte ein solide aufspielender Manning mit einem Nettobirdie das nächste Loch für sein Team. Auf Loch 7 (Par 5) kam es zum ersten TV-Moment, als Tom Brady seinen vierten Schlag völlig überraschend mit einem Wedge und Hammerbackspin im Loch versenkte. Phil Mickelson wollte einschlagen oder fist-bumpen – durfte aber logischerweise nicht. Tiger Woods‘ Eagleversuch lippte aus, Loch geteilt. 100.000 von Brooks Koep­ka kamen in den Topf und die Wette für weitere 100.000 wurde erneuert. Dazu kam es aber nicht, da Tom Brady nach wie vor nicht zu seinem Spiel fand. Fragen, ob Brady sich mit seinem Handicap 8 etwas verschätzt habe, wurden laut. Nachdem Loch 8 und 9 geteilt wurden, gingen Woods/Manning mit 3 auf aus dem Vierball Bestball als klare Gewinner hervor, nun hieß es auf den Backnine Vierer mit Auswahldrive.

Aufholjagd

Bahn 10 wurde geteilt, ehe Phil Mickelson auf der 11 eine angekündigte Drive-Bombe zündete. Partner Brady hatte mit dem Abschlag tatsächlich ein Fairway getroffen, also griff Mickelson mit dem Drive das Grün des Par 4 an und kloppte den Abschlag gute 300 Yards über die Bäume, sieben Meter an die Fahne. Jetzt war Brady an der Reihe und verwandelt wie ein Profi zum Eagle. „So machen wir das“, jubelte Mickel, jetzt sollte es losgehen. Loch 12 und 13 wurden geteilt, es fing wieder richtig an zu schütten. Das schien Brady/Mickelson wenig auszumachen, sie holten sich nach einem verpassten Par-Putt von Manning Loch 14 und waren nur noch 1 down. Mickelson pushte seinen Partner immer wieder nach vorne und ließ sich auf der 15 auch von dessen schlechtem Putt weit über das Loch nicht aufhalten. Phil war im Turniermodus und teilte das Loch nervenstark aus drei Metern.

Fieldreporter Justin Thomas mit Mr. Par-3 Peyton Manning.

 

Team Woods siegt

Die 16 war das letzte Par 3 der Runde und hatte gleich mehrere Highlights parat. Seattle-Seahawks-Quarterback Russel Wilson wollte 100.000 Essen pro Teeshot innerhalb von vier Metern am Stock spenden und kam aus dem Staunen nicht heraus: Sowohl Brady als auch Mickelson erfüllten die Vorgabe, ehe Mr. Par-3 Peyton es noch besser machte und nur knapp ein 25-Millionen Dollar Hole-in-One verfehlte. Tiger Woods‘ Abschlag landete acht Meter neben der Fahne, das Loch wurde geteilt. Ebenso wie die 17, und so gingen Manning/Woods mit 1 auf auf die finale Bahn. Auf dem schwierigen Par 4 waren einzig die Abschläge der Profis zu gebrauchen und so mussten sich sowohl Brady als auch Manning mit den Schlägen ins Grün beweisen. Während Brady einmal mehr mit einem unterdurchschnittlichen Schlag „glänzte“, traf Manning das Grün. Tiger Woods kennt seinen Heimplatz natürlich wie seine Westentasche und besiegelte wenig später mit einem schönen Putt ans Loch den Sieg.

Tiger happy

„Es freut mich sehr, dass wir zusammengekommen sind, um 20 Millionen Dollar für diejenigen zu sammeln, die am meisten unter der jetzigen Situation zu leiden haben“, zeigte sich Tiger Woods nach dem Match sehr zufrieden. Golferisch, so hat man gesehen, ist Woods übrigens voll da, rein unterhaltungstechnisch konnten ihm Phil Mickelson, der schwächelnde Brady und ein wirklich trockener Manning den Rang diesmal ablaufen. Auf der anderen Seite hat man gesehen, dass Tiger Woods eben im Turniermodus war. Denn eine weitere Niederlage gegen Phil Mickelson wollte er sich nicht erlauben. The Match II war trotz des Wetters eine tolle Unterhaltung und das für den guten Zweck. Bravo.


Bildnachweis: © Getty Images.

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