Das Palmer- Märchen

Das Palmer- Märchen

Jon Rahm und Ryan Palmer gewinnen die Zurich Classic of New Orleans.

Im Golf gibt es sie immer wieder, die netten kleinen, märchenhaften Comeback-Geschichten. Da gibt es Profis, die seit Jahren keinen Stich gemacht haben und plötzlich wieder ganz oben auf dem Treppchen stehen.

Ja nicht sagen

Ryan Palmer ist so einer – und hatte bis zur Zurich Classic seit mehr als neun Jahren auf der PGA Tour keinen Stich mehr gemacht. Dabei verlief Palmers Karriere bis 2010 doch recht vielversprechend. Drei Siege auf der PGA Tour konnten sich durchaus sehen lassen, zum Leben reichte sein Einkommen der 1. Liga in den USA auf jeden Fall. Es hätten auch noch ein paar mehr Siege sein können, doch das Wort „Playoff“ (Ryans Bilanz: 0-3) wird der Texaner genau so gerne hören wie das Unwort im Profigolfsport schlechthin „Yips“.

War es das?

Diese ereilten ihn laut seinem guten Freund und Caddie James Edmonson 2017. War er fünf Jahre zuvor noch unter den 20 besten Puttern auf der Tour gelistet, so landete Palmer 2017 auf Platz 190. „Ich wusste gar nicht, dass diese Statistik überhaupt so weit nach unten geht“, so der Amerikaner. „Ich dachte: Das war’s“, so Edmonson. „ Es war wirklich schlimm mitanzusehen. Ich musste ihm einfach sagen, er solle etwas am Putten ändern.“

Zeit zu handeln

Mit dem Rücken zur Wand begab sich Ryan Palmer auf neue Pfade und begann zu testen. Es wurden zahlreiche Putter gekauft, neue Griffe ausprobiert und letztendlich landete der Texaner bei der „Klaue“. „Ich habe mich darauf eingestellt und es einfach durchgezogen“, so Palmer. Für einen Sieg sollte die neue Art zu putten noch nicht reichen. Aber immerhin durfte Ryan 2018 an seinem insgesamt dritten Playoff teilnehmen. Bei den Farmers Insurance Open obsiegte letztendlich zwar Jason Day, doch Palmer hatte einen Großteil seines Selbstbewusstseins wiedererlangt. Da es auch seiner Frau Jennifer nach ihrer Brustkrebsbehandlung 2017 wieder besser ging, zeigte die allgemeine Formkurve der Palmers nach oben. Was Ryan jetzt nur noch benötigte, war endlich mal wieder ein Sieg – und der kam mit den breiten Schultern eines junges Spaniers.

Team Building

Die Zurich Classic of New Orleans ist kein klassisches PGA Tour Event. Es spielt nicht jeder für sich Strokeplay, sondern im TPC Louisiana ist Teambuilding gefragt. Jeweils zweimal Vierball Bestball und zweimal klassischer Vierer müssen die Profiduos in abwechselnder Reihenfolge bewältigen – für die meisten eine willkommene Abwechslung. Und auch die Paarungen beim Zurich Classic of New Orleans haben es in sich. Da gibt es z.B. Vater-Sohn-Gespanne wie die „Loves“ , legendäre Teams wie Furyk/Duvall, die „Patricks“ mit Reed/Cantlay oder den Irlandzug mit Harrington/Lowry. Zu den Favoriten auf den Teamthron zählten in diesem Jahr auf jeden Fall Adam Scott/Jason Day sowie Sergio Garcia/Tommy Fleetwood. Während die Letztgenannten in der Tat um den Titel mitspielten, war für die Aussies überraschenderweise sogar schon vor dem Wochenende Schluss.

Gute Nerven

Neben den beiden Ryder-Cuppern wollten am Finaltag auch noch Brian Gay und Neoslowake Rory Sabbatini und eben ein gewisses Team namens Ryan Palmer und Jon Rahm ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Dabei erwies sich das ungleiche Gespann des 24-jährigen Spaniers und des 42-jährigen Texaners für die beiden als echter Glücksgriff. Die Stimmung  war prächtig und wurde Richtung Ende des Turniers sogar noch besser. Gerade Ryan Palmer versenkte ein paar knifflige Putts zu wichtigen Pars und war somit maßgeblich an der guten Sonntagsvorstellung beteiligt. Die einstige Schwäche wurde wieder zu Palmers Stärke, er wollte seinen Partner halt einfach nicht hängen lassen.

Tränenreich

Bei einem klassischen Vierer, im Profivolksmund auch „viereinhalb Stunden Quälerei“ genannt, ist jede Runde unter 70 Schlägen eine richtig gute. Kein Wunder also, dass Palmer/Rahm mit einer 69 ihre Führung nach drei Tagen verteidigen und den Sack zum Sieg zumachen konnten. Schaute man anschließend in das Gesicht des Tourveteranen, merkte man, wie viel ihm dieser Titel bedeutete. „In letzter Zeit war es immer eine Runde bei mir, die ein noch besseres Resultat verhindert hat. Aber ich habe an mich geglaubt und einfach nicht aufgegeben. Ich wusste, ich kann es noch“, so der Texaner, bei dem wenig später sogar die Tränen kullerten.

Happy end

Ehefrau Jennifer und fast alle Kids der Familie waren zum Finale angereist und hatten ganz feste die Daumen gedrückt. Nachdem das Familienoberhaupt dann so eine Galavorstellung hingelegt hatte und endlich wieder ganz oben landete, war der Anhang natürlich dementsprechend aus dem Häuschen. Großes Lob von Ryan Palmer gab es nach seinem so lang erwarteten vierten Titel auf der PGA Tour dann natürlich auch noch für seinen etwas mehr als halb so alten Spielpartner aus Spanien. „Jon ist ein ganz besonderer Kerl, dass dürft ihr mir glauben. Er wird in den nächsten Jahren noch viele, viele Turniere und auch Majors gewinnen, da bin ich mir sicher. Für mich war es eine Ehre, Teil dieser Geschichte zu sein“, so Palmer. Caddie James Edmonson fasste den Sieg seines guten Freundes mit den Worten „Wir fahren nach Maui. Es ist lange her“ zusammen. Dort hatte Ryan Palmer 2010 bei der Sony Open (teilnahmeberechtigt sind alle Sieger der Vorsaison) seinen letzten großen Sieg gefeiert. Damit schließt sich der Kreis für die Familie  der Palmers – und das im Guten.


Bildnachweis: getty images.

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