Das Meisterstück am 13. Loch

Das Meisterstück am 13. Loch

Jordan Spieth war mit seinem Spiel am Boden – aber dann schlug er im Stile eines großen Champions zurück und holte sich den Open-Sieg

Jordan Spieth hat als jüngster amerikanischer Profi und zweitjüngster Spieler nach Seve Ballesteros, der 1979 als 22-Jähriger die Claret Jug in Händen hielt, die Open gewonnen. Der zum Zeitpunkt des Sieges 23-jährige Texaner holte sich in Royal Birkdale nach einer hochdramatischen Finalrunde, in der er seinen Drei-Schläge-Vorsprung bereits nach vier Löchern verspielt hatte, mit einem spektakulären Comeback auf den letzten Bahnen seinen dritten Major-Titel nach dem Masters- und US-Open-Sieg 2015. Spieth beendete das Turnier mit einer 69er-Finalrunde und 268 Schlägen drei Zähler vor seinem Landsmann Matt Kuchar. Damit ist er neben Jack Nicklaus der einzige Spieler, der drei von vier Majors vor seinem 24. Lebensjahr gewinnen konnte. Tiger Woods war 24 Jahre alt, als er erstmals drei unterschiedliche Majors gewonnen hatte. Bei der US PGA Championship hat Spieth nun Gelegenheit, das ihm noch fehlende Major zum Career Grand Slam zu gewinnen. Bislang haben dies nur Gene Sarazen, Ben Hogan, Jack Nicklaus, Gary Player und Tiger Woods geschafft.

Wackel-Start

Spieth war nach drei Tagen souveränen und überlegten Golfspiels mit drei Schlägen  Vorsprung in die Finalrunde gegangen, begann diese aber unsicher und nervös. Nach vier Bogeys bei einem Birdie war er nach neun Löchern schlaggleich mit Matt Kuchar und ließ Erinnerungen an das Masters 2016 wach werden, wo er den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand gegeben und so dem Engländer Danny Willett das Green Jacket überlassen hatte. „Ich habe vor zwei Jahren nach dem Sieg von Zach Johnson Wein aus der Claret Jug getrunken und man hat mir gesagt, es sei kein gutes Omen, dies zu tun, bevor man nicht selbst gewonnen hat“, berichtete Spieth. „Nach neun Löchern dachte ich, dass da was dran sein könnte“, so der Amerikaner.

Dünen-Drama

Das wahre Drama aber begann am 13. Loch, als Spieth seinen Drive fast 30 Meter aus der Spielrichtung nach rechts verzog, wo der Ball einen Zuschauer traf und auf einer hohen Düne zum Liegen kam. Er musste seinen Ball für unspielbar erklären. Die darauf folgende Suche nach der besten Stelle, in Verlängerung der Ball-Ziellinie nach hinten zurückzuweichen, um mit Strafschlag zu droppen, dauerte über 20 Minuten. Nach reichlich chaotischem Hin und Her entschied sich Spieth schließlich für eine Stelle auf der Drivingrange, nahe den Tour-Trucks der Schlägerfirmen, und schlug den Ball aus 230 Yards mit einem Hybrid zum Grün. Wie wichtig es sein kann, in dieser entscheidenden Situation einen kompetenten Mann am Bag zu haben, bewies Caddie Michael Greller: Er überstimmte seinen Spieler nicht nur bei Distanz und Schlägerwahl und lag damit richtig, sondern baute seinen sichtlich verunsicherten Schützling auch noch mit den richtigen Worten psychologisch auf und holte ihn damit zurück ins Turnier.

Furioses Finale

Nachdem Spieth aus schwieriger Schräglage nahe eines Grünbunkers mit Chip-Putt ein angesichts des katastrophalen Fehlschlages vom Tee sensationelles Bogey notiert hatte, schien ein Ruck durch ihn zu gehen. An der  folgenden Par-3-Bahn lochte er den Ball fast mit dem Abschlag ein und zog mit dem Birdie wieder mit Kuchar gleich. „Plötzlich fühlte ich es und glaubte auch wieder daran, das Turnier gewinnen zu können. Das war die Löcher zuvor überhaupt nicht der Fall gewesen“, berichtete Spieth. Am darauf folgenden Grün der Par-5-Bahn, das er mit zwei Schlägen erreicht hatte, lochte er den Putt aus mehr als 15 Metern über mehrere Wellen. Mit weiteren Birdies an den Löchern 16 und 17 setzte er sich entscheidend von Spielpartner Kuchar ab und konnte am 18. Grün die Ovationen der Zuschauer genießen. „Alle Majors, die ich bislang gewinnen konnte, waren total unterschiedliche Erfahrungen. Aber der Open-Sieg ist besonders befriedigend Für ihn mussten wir härter arbeiten, mental und körperlich. Ich werde das nie vergessen, dieser Sieg ist einmalig“, sagte Spieth.

Inspirierende Worte

Aus europäischer Sicht begann die 146. Auflage der Open gleich einmal mit einem Dämpfer. Denn als Mitfavorit Rory McIlroy nach nur sechs absolvierten Bahnen bereits fünf Bogeys auf seiner Scorekarte notiert hatte, bahnte sich eine mittlere Katastrophe an.  „Du bist Rory McIlroy, was zum Teufel machst du da eigentlich?“, fasste Rorys Caddie J.P. Fitzgerald den grauenhaften Start seines Arbeitsgebers lautstark zusammen und erzielte die gewünschte Wirkung. Rors riss sich am Riemen, legte auf den zweiten Neun vier Birdies nach und spielte sich im weiteren Verlauf der Open immer weiter nach vorne. Am Ende belegte Rory, der sich ausdrücklich für den „Weckruf“ seines Caddies bedankte, nach seinem katastrophalen Start immerhin noch den vierten Platz. Umso erstaunlicher, dass sich der Nordire wenige Wochen später von seinem langjährigen Taschenträger, mit dem er seine vier Major-Titel gewann, trennte.

Von hinten aufgerollt

Einen weiteren Schock erlebten die Zuschauer, als der hoch gewettete Lokalmatador Tommy Fleetwood seine Scorekarte vom Donnerstag unterschrieb. 6 über Par lautete das bittere Ergebnis – eine Quali fürs Wochenende vor heimischen Fans und Freunden war in weite Ferne gerückt. Doch genau wie Rory bewies auch Tommy am zweiten Tag richtige Kämpferqualitäten und sorgte mit einer 69er-Runde und damit geschafftem Cut für Aufatmen unter seinen Fans. Dank eines guten Wochenendes konnte sich Fleetwood, der sein Können im naheliegenden Formby Hall erlangte, immerhin noch bis auf den geteilten 27. Rang nach vorne spielen.

Der glanzvollste Auftritt der ersten Tage allerdings gelang Branden Grace. Bei einer der wohl besten Golfrunden aller Zeiten sah sich der Südafrikaner in Runde drei auf der finalen Bahn aus gut 20 Metern einem Eintrag in die Geschichtsbücher gegenüber. Zwei Putts zum Par und zu einer bei einem Major noch nie dagewesenen 62 lautete die Aufgabe, die Grace meisterhaft löste. Der Applaus, der danach aufbrandete, kam dem bei einem Turniersieg gleich – Grace selbst schien es mit Fassung zu tragen. „Ich habe heute fehlerlos vom Abschlag bis zum Grün gespielt und die Putts sind auch gefallen“, so der Südafrikaner, der laut eigener Aussage gar nicht wusste, was ihm da gelungen war. Nach insgesamt 31 63er-Runden erzielte der Südafrikaner nun endlich die erwartete erste 62 und hat damit einen Meilenstein im Golfsport gesetzt. Neben viel Lob und Anerkennung zeigte TV-Kommentator Johnny Miller, dem bei der Finalrunde der 73er US Open als erstem Spieler überhaupt bei einem Major eine 63 gelang, gemischte Gefühle. „Das war eine wirklich ausgezeichnete Runde, aber Royal Birkdale hatte heute auch ein wirklich sehr, sehr einfaches Setup“, so Miller in seiner bekannt knorrigen Art.  Wer nach dieser Sternstunde des Golfsports dachte, dass Branden Grace am Sonntag so weitermachen würde, wurde aber enttäuscht. Anscheinend hatte „Gracey“ sein Pulver voll und ganz verschossen und belegte nach einer abschließenden 70er-Runde nur den geteilten sechsten Rang.

Schlechte Vorbereitung

Der einzige Deutsche im Feld, Martin Kaymer, war angeschlagen in das Turnier gegangen. Der 32-Jährige aus Mettmann laboriert seit mehreren Monaten an einer entzündeten Schulter, hatte bei der im Vorfeld ausgetragenen Scottish Open den Cut verpasst und aufgrund der Schmerzen auch nur neun Löcher als Vorbereitung spielen können. Dementsprechend war seine Erwartungshaltung: „Ich habe in meiner Bizepssehne eine extreme Reizung. Wenn du immer nur mit 50 oder 60 Prozent spielst, kannst du nicht um den Sieg mitspielen“, sagte er gegenüber Reportern. Das bewahrheitete sich auch, dennoch gelang Kaymer ein ordentliches Turnier. Nach Runden von 72, 72 und 70 Schlägen erzielte er in der Finalrunde mit 68 Schlägen sein bestes Ergebnis. Mit insgesamt 282 Schlägen rückte er auf den geteilten 37. Platz vor, den er sich unter anderem mit dem spanischen Masters-Sieger Sergio Garcia teilte. Seiner zehnten Teilnahme bei seinem erklärten Lieblingsturnier konnte er am Ende sogar noch eine positive Erkenntnis abgewinnen. „Endlich habe ich einen Putter gefunden, der zu mir passt“, freute sich Kaymer über einen vorgenommenen Schlägerwechsel im Vorfeld der Open.

Nicht zufriedenstellend verlief die Open für Bernd Wiesberger. Er war mit einer 69 blendend ins Turnier gestartet, verlor aber mit einer 75 den Anschluss nach oben. Eine 71 und 73 am Wochenende addierten sich zu 288 Schlägen und Rang 74.

Golf Week Redaktion
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