Blick nach Haven

Blick nach Haven

Der 43. Ryder Cup soll von 21. bis 26. September gespielt werden. Ein Ausblick auf das Turnier.

Seit 1927 treffen sich Golfer aus den USA und Europa alle zwei Jahre, um sich im Ryder Cup zu messen. Der Herrenvergleich gilt als eines der wichtigsten Turniere im internationalen Golf. Das Turnier wird gemeinsam von der PGA of America und Ryder Cup Europe veranstaltet. Letzterer ist ein Joint Venture der PGA European Tour (60 Prozent), der PGA of Great Britain and Ireland (20 Prozent) und der PGA of ­Europe (20 Prozent). Benannt ist er übrigens nach Samuel Ryder, einem englischen Saatguthändler, der 1858 geboren wurde und  im Alter von 50 Jahren mit dem Golfspielen anfing. Das heutige Format geht auf seine Initiative zurück. Bereits seit 1920/21 trafen sich die Golfer beider Seiten des Atlantiks, um im Vorfeld der British Open 1921 in St Andrews in Schottland gegeneinander zu golfen, die Idee kam vom Journalisten James D. Harnett. Erst 1926 kam es – der Reiseaufwand war damals ein großer – wieder zu einem Aufruf, den Vergleich zu machen. Ryder trat damals schon als Sponsor auf, Europa gewann 13:1, noch im Lochspielmodus bzw. mit Einzelmatches. Es hagelte Kritik, Ryder hielt den Cup  zurück, und 1927 fand dann die erste offizielle Ausrichtung statt. Abgesagt wurde der Vergleich bedingt durch den Zweiten Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 sowie dann aufgrund der Terroranschläge vom 11. September 2001. Zwischen 1935 und 1973 konnte sich die britische Auswahl nur einmal durchsetzen. Ab 1973 konnten auch Iren mitgolfen, seit 1979 Golfer aus ganz Europa.­ Im Gegensatz zu den sonst üblichen professionellen Golfturnieren wird der Ryder Cup nicht als Zählspiel, sondern im Lochspielmodus (Mann gegen Mann) gespielt. Seit dem Jahr 1979 werden an drei Tagen (Freitag, Samstag, Sonntag) 28 Partien über maximal 18 Loch gespielt: jeweils vier Foursome- und Fourball-Partien am Freitag und Samstag vor­mittags und nachmittags und am Schlusstag traditionell die zwölf Einzelmatches. Jedes Team stellt zwölf Spieler, die Qualifikation erfolgt hauptsächlich über die „Moneylists“ der PGA und der European/World Tour. In der Regel qualifizieren sich acht bis zehn Spieler über die relevanten Listen, für die restlichen freien Plätze kann der Captain Wildcards („Captain’s Picks“) ver­teilen.

Der Austragungsort

Gespielt wird an wechselnden Orten, dieses Jahr von 21. bis 26. September 2021 auf dem Straits Course des Golfclubs Whistling Straits in Haven, Wisconsin in den USA. Der 1998 eröffnete Golfplatz Whistling Straits ist erstmals Austragungsort des Ryder Cup, zuvor war er bereits Austragungsort der PGA Championship 2004, 2010 und 2015. Auf dem gespielten Straits Course befinden sich vier Par-3-Löcher und vier Par-5-Löcher. Der Par-72-Platz ist von den Championship-Abschlägen mit 7501 Yards vermessen. Als Titelverteidiger aus dem Jahr 2018 gehen die Europäer ins Spiel. Damals gewannen die Golfer rund um Kapitän Thomas Bjørn gegen die USA mit Jim Furyk mit 17,5 zu 10,5. 

Team USA

Die ersten Spieler des Teams USA stehen seit letzter Woche fest. Einer davon ist Colin Morikawa. Er ist der Beste im USA-Ryder-Cup-Ranking, seine Visitenkarte: ein Major-Sieg, ein WGC-Erfolg, acht Top-10-Platzierungen bislang. Keine Frage, der Rookie wird wohl auch in Whistling Straits überzeugen können. Ebenfalls ein Ticket in der Tasche hat Dustin Johnson. Der Langzeitweltranglistenerste war bereits viermal mit dabei und konnte 2016 mit dem Team USA gewinnen. Ebenfalls fix mit dabei: die zwei Streithähne Bryson DeChambeau und Brooks Koepka. Letzterer hatte bekanntlich mit Knieproblemen zu kämpfen, wird aber sicher gut aufteen. Jus­tin Thomas wiederum gab 2018 sein Debüt, spielte stark auf. Überraschend: Patrick Cantlay, der die BMW Championship gewinnen und sich somit sein Ticket sichern konnte. Nicht mit dabei im Team von Kapitän Steve Stricker sind noch Tony Finau, Xander Schauffele, Jordan Spieth, Harris English und Patrick Reed. Es könnte aber sein, dass einer von ihnen als Captain’s Pick (nach Redaktionsschluss) noch in das Team rutscht, um um den begehrten Ryder Cup zu kämpfen. Interessant ist, wen Stricker als seine Co-Captains nominiert. Da sind einerseits Fred Couples, andererseits Phil Mickelson. Letzterer ist somit das erste Mal seit 1995 nicht als Spieler beim Kontinentalvergleich mit dabei. Der erfahrene Profi dazu per Twitter: „Ich empfinde Demut und Ehre.“ 

Bryson DeChambeau wird sicherlich auch beim Ryder Cup für Aufsehen sorgen.

 

TEAM Europa

In Europa ist die Sache etwas komplexer. Zunächst hat Kapiän Padraig Harrington nur noch drei Picks übrig. Dann gibt es noch zwei verschiedene Listen, die die neun anderen Plätze definieren, einerseits die europäische, andererseits die weltweite Liste. Über die Europaliste sind zu Redaktionsschluss Jon Rahm, Tommy Fleetwood, Tyrell Hatton und Rory McIlroy qualifiziert. Viktor Hovland, Paul Casey, Matthew Fitzpatrick, Lee Westwood und Shane Lawry über die Weltliste. Ein sicher geglaubter Spieler nahm sich selbst aus dem Spiel: Francesco Molinari, der Grund sind Rückenprobleme. Er sagte gegenüber Medienvertretern: „Ich glaube nicht, dass Hoffnung besteht. Ich wäre keine Hilfe für das Team.“ Als Fünfter auf der European-Points-Liste scheint Österreichs Bernd Wiesberger auf. Der hatte in Crans-Montana den Sieg knapp verpasst, liegt aber eben unmittelbar hinter Rory McIlroy, der über die World List schon qualifiziert wäre. Stichtag für Team Europa ist der 13. September. Wiesberger wäre der erste Österreicher, der beim Ryder Cup mit dabei ist. Er könnte dank seiner guten Leistungen zuletzt auch einer der Captain’s Picks sein, Ziel ist aber eine direkte Qualifikation über die Europaliste. „Darauf möchte es Bernd nicht ankommen lassen, sondern vielmehr die gute Form, die er zuletzt im Training aufbauen konnte, noch in den verbleibenden beiden Wochen der Qualifikationsphase bestätigen“, erklärte Vater und Manager Klaus Wiesberger jüngst gegenüber Medienvertretern. Der Deutsche Martin Kaymer wird übrigens (nebst Graeme McDowell) als Co-Kapitän mit dabei sein. Kapitän Padraig Harrington sagte zu der Nominierung: „Ich freue mich, Martin und Graeme als Vizekapitäne begrüßen zu dürfen. Sie beide bringen Erfahrung, Wissen und einen ausgleichenden Charakter ins Team.“

Österreichs Top-Golfer Bernd Wiesberger macht sich noch Hoffnungen!

 


Bildnachweis: © Getty Images.

.