Bitterfelds Zukunft strahlt gold-gelb

Bitterfelds Zukunft strahlt gold-gelb

Neue Golf-Hotelkette lädt im August zum Bernstein-Cup.

Den vermutlich ältesten Siegerpreis, der je bei einem Golfturnier ausgespielt wurde, gibt es Mitte August beim Bernstein-Cup zu gewinnen – auf dem Golfplatz von Schloss Meisdorf im Harz (!). Die gastgebenden Bernstein Hotels & Resorts haben eine spannende Story zu erzählen, die mindestens 25 Millionen Jahre zurückreicht – und sie haben große Pläne für die nahe Zukunft. 

An Bitterfeld in Sachsen-Anhalt hat sich, bei Licht besehen, die untergegangene DDR mehr versündigt als an jeder anderen Stadt im einstigen Osten. Aber Bitterfeld und Licht, das waren zu DDR-Zeiten zwei Begriffe, die sich quasi ausschlossen. Ingo Jung, der in der Braunkohle- und Chemiestadt an der Mulde, 35 Kilometer nördlich von Leipzig, aufgewachsen ist, erinnert sich nur allzu gut: „Das hier war die Dreckschleuder Europas, Bitterfeld war zu DDR-Zeiten die dreckigste Stadt des Kontinents.“

Dabei hätte der „Arbeiter- und Bauernstaat“ spätestens ab Mitte der 70er-Jahre durchaus die Möglichkeit gehabt, der geschundenen Kommune zu einem neuen positiven, geradezu gold-gelben Image zu verhelfen. Auf der Sohle des riesigen Braunkohletagebaus Goitzsche östlich der Stadt, in 25 bis 30 Meter Tiefe, war man unverhofft auf einen viele Millionen Jahre alten Schatz gestoßen, der sich weltweit größter Beliebtheit erfreut: Bernstein.

Schatz aus Urzeiten

„Im Tertiär, vor gut 25 Millionen Jahren, gab es hier eine Meeresbucht, und da hat es das ganze Harz der umliegenden Wälder zusammengespült“, erklärt Dr. Ivo Rappsilber vom Landesamt für Geologie und Bergwesen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. „In den Jahren 1975 bis 1990 sind in den Braunkohlegruben bei Bitterfeld im Tagebau über 400 Tonnen Bernstein abgebaut worden. Damit ist Bitterfeld – nach dem Baltikum – die zweitgrößte Bernstein-Lagerstätte weltweit.“

Doch Bitterfeld hatte herzlich wenig davon. Der Rohbernstein aus dem Braunkohlerevier wurde vielmehr klammheimlich nach Norden verfrachtet, zum volkseigenen Betrieb „VEB Ostseeschmuck“ in Ribnitz-Damgarten auf der Halbinsel Darß. Dort wurde er gereinigt, geschliffen, zu Schmuck und Kunstgegenständen verarbeitet und als angeblicher „Ostsee-Bernstein“ mit Vorliebe devisenbringend ins westliche Ausland verkauft.

Auch dieser Tausendfüßler wurde im Tertiär vom Harz der Urweltbäume eingeschlossen.

 

70.000 Inklusen

Systematischer staatlicher Betrug an gutgläubigen Touristen? Nicht wirklich, erklärt Ivo Rappsilber: Zwar stammt der Bitterfelder Bernstein nicht von der Ostsee, ist aber zu 99,9 Prozent Succinit – und entspricht damit in Qualität, Aussehen und Eigenschaften exakt dem Bernstein aus den baltischen Regionen. Mit Einschlüssen, die Bernstein-Experten zum Schwärmen bringen: Über 70.000 Fundstücke mit Inklusen tierischer und pflanzlicher Organismen aus der fernen Vergangenheit wurden bereits gefunden, in verschiedenen Universitäten analysiert und katalogisiert. „Wir haben zum Beispiel eine ganz tolle Feder von einem Urzeitvogel, wir haben Tausendfüßler, Libellen, viele Arten von Mücken und sogar einen Schwimmkäfer, der sonst weltweit noch nirgends gefunden wurde“, erzählt Ingo Jung begeistert.   

Der Unternehmer und sein Sohn Niklas wollen jetzt nachholen, was seit DDR-Zeiten versäumt wurde: ihrer Heimatstadt Bitterfeld ein neues, strahlendes, bernsteinfarbenes Image verpassen. Zwar ist die Stadt noch immer ein bedeutender Standort der chemischen Industrie. Doch seit der Wende wurde die ganze Region ökologisch saniert. Nach dem Aus für den Braunkohle-Abbau vor drei Jahrzehnten wurden die riesigen Baggerlöcher geflutet. Es entstand eine für Wasser- und sonstige Freizeitsportler überaus attraktive Seenlandschaft; allein der Goitzschesee wurde zu einem Naturschutzgebiet mit 24 Quadratkilometern Wasserfläche. 

„Bernstein-See“

Der See gehört jetzt einem privaten Familien-Konsortium. Hauptpächter für die nächsten 25 Jahre: Ingo Jung. Der Mann hat Großes vor: „Warum sollten wir unseren Bernstein nicht als Marketing-Instrument nutzen?“ Jungs bernsteinklares Kalkül: „Wir sind die Einzigen in Deutschland, die Bernstein abbauen. Und wir sind die Einzigen weltweit, die Bernstein unter Wasser abbauen, in 30 Meter Tiefe.“ Dafür setzt die von Ingo Jung gegründete Goitsche Bernstein GmbH auf einem Teil des Goitzschesees, der schon den Beinamen „Bernstein-See“ trägt, einen sehr besonderen Schwimmbagger ein. Von der Arbeitsplattform abgelassene und gesteuerte riesige Schneidwerkzeuge lockern die Sedimente am Seeboden auf, Saugrohre befördern das Material nach oben, wo dann mithilfe von Wasserstrahlen und Rüttel-
sieben der Bernstein separiert wird. 

„Wir können hier eine großartige Story vom Bernstein erzählen, die international ein Riesenthema ist und viele Besucher anlocken wird“, ist Ingo Jung überzeugt. Dazu soll am Ufer des schönen Goitzschesees demnächst ein komfortables Ferienhotel entstehen – und eine spektakuläre „Bernstein-Erlebniswelt“, die mit vielen Originalexponaten, aber auch mit digitalen Effekten Kinder und Erwachsene 25 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit versetzen wird.

Kulturelle Leuchttürme

Die Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt ist Ingo und Niklas Jung schon sicher. Für den ehemaligen Kulturstaatssekretär und heutigen Landtagspräsidenten Dr. Gunnar Schellenberger reiht sich der Bitterfelder Bernstein ein unter die „Leuchttürme der Kulturschätze unseres Landes“ wie die berühmte Himmelsscheibe von Nebra oder das Ringheiligtum von Pömmelte, das „deutsche Stonehenge“ nahe Magdeburg. 

Mehr oder weniger „durch Zufall“ haben Ingo und Niklas Jung im vorigen Jahr in der Region zwischen Bitterfeld und dem Harz auf einen Schlag vier Hotels gekauft, die jetzt als Bernstein Hotels & Resorts firmieren. Zu der neuen Kette gehören zwei veritable Schlosshotels – und zwei exzellente Golfplätze, die am 13. und 14. August zur Premiere des Bernstein-Cups laden. Schönes Spiel!

www.bernsteinhotels.de


Bildnachweis: © Bernstein Hotels & Resorts (3).

.