Bester aller Zeiten

Bester aller Zeiten

Auch gesundheitlich angeschlagen ist Langer nicht zu stoppen und gewinnt sein zehntes Major.

Bernhard Langer hat seine sensationelle Siegesserie auf der Champions Tour fortgesetzt und mit seinem erneuten Erfolg bei der Senior Open Geschichte geschrieben. Der Deutsche gewann im walisischen Royal Porthcawl sein zehntes Major als Über-50-Jähriger und darf sich mit dieser neuen Bestmarke nun als größter Seniorengolfer aller Zeiten feiern lassen. Auf dem ebenso traditionsreichen wie schwierigen Links Course, wo er bereits 2014 mit 13 Schlägen Vorsprung gewonnen hatte, war Langer erneut eine Klasse für sich und trotzte allen Widrigkeiten: einer Erkältung mit Halsschmerzen, Regen und Sturm an den ersten Turniertagen, einer starken Konkurrenz und dem Druck des Favoriten, der diese Saison dominiert hat wie keiner vor ihm. „Alle meine Kollegen haben mich ständig an meine Favoritenrolle erinnert und das hat Wirkung gezeigt. Als ich am Donnerstag am ersten Tee stand, habe ich den ersten Drive gleich in einen Ginsterbusch geschlagen. So gesehen endete das Turnier wesentlich besser, als es anfing. Ich hatte die ganze Woche über einen entzündeten Hals, war nie annähernd bei 100 Prozent und hätte eigentlich gar nicht spielen dürfen. Meine Ärzte hatten mir Bettruhe verschrieben. Aber dadurch erhält dieser Sieg seine ganz spezielle Bedeutung“, erklärte Langer.

Verpatzte Players

Drei Wochen zuvor war Bernhard Langer bei dem Versuch, die Senior Players Championship zum vierten Mal in Folge zu gewinnen, nur knapp gescheitert. Er war im Caves Valley Golf Club, Maryland, als Führender in die Finalrunde gegangen, leistete sich aber auf den Schlusslöchern entscheidende Fehler. Nach einem Bogey am 13. Loch, sein erstes nach 31 Löchern, schlug er am 17. Loch, einem Par 3, seinen Ball ins Wasser und musste ein Doppelbogey notieren. „Ein wirklich mieser Schlag. Und dann habe ich auch noch den Zwei-Meter-Putt zum Bogey verschoben, das war der Killer“, kommentierte Langer sein Missgeschick. Die 73er-Runde des Deutschen nutzte Scott McCarron zu seinem ersten Major-Sieg, mit einer 66er-Runde und 270 Schlägen war er einen Zähler besser als Langer. „Das wird eine Weile weh tun, denn ich hatte den Sieg in der Hand, aber ich habe es verbockt. So einfach ist das“, so der Deutsche.

Tolle dritte Runde

Auch in Wales war Langer der Mann, den es zu schlagen galt. Bei zunächst brutalen äußeren Bedingungen konnte die Konkurrenz bis zur Halbzeit des Turniers Paroli bieten, als sich Langer Platz eins noch bei 1 über Par mit fünf weiteren Spielern teilen musste. Als das Wetter dann am Samstag aufklarte, zeigte der Deutsche seine große Klasse: Mit einer fehlerfreien 65er-Runde setzte er sich vom Feld mit vier Schlägen ab, ein Vorsprung, den er in der Finalrunde komfortabel verwalten konnte. „Der Schlüssel war, dass ich mich gleich in der ersten Runde an die Spitze spielen konnte. Das gibt Auftrieb und ich habe mich nicht mehr verdrängen lassen“, sagte Langer. Mit vier unter Par (280/ 69 +74 +65+72) siegte er mit drei Schlägen Vorsprung auf den Amerikaner Corey Pavin. Billy Andrade, Fred Couples und Peter Lonard teilten sich mit +1 Rang drei. Langer erhielt 266.000 Euro Preisgeld.

Beste Saison

Wichtiger als Geld aber dürfte dem Anhausener sein, dass er an seiner eigenen Legende gestrickt hat. Langers Sieg war sein zweiter in Royal Porthcawl und sein dritter Senior-Open-Sieg (2010 konnte er in Carnoustie gewinnen), zudem sein dritter Major-Sieg in dieser Saison und sein zehnter insgesamt, was ihm besonders viel bedeutet. „Das schafft man nicht so leicht angesichts der Konkurrenz auf unserer Tour und vielleicht gelingt mir ja noch der eine oder andere Sieg in Zukunft. Aber jetzt will ich erst einmal die Früchte meiner Arbeit genießen. Drei Majors in einer Saison zu gewinnen ist schon spektakulär – und eigentlich wären es vier gewesen, wenn ich die Senior Players nicht vergeigt hätte“, erklärte er.

Vorbildliche Moral

Sich auch mit dem größten Erfolg nicht zufrieden zu geben, ist typisch für Langer. Und zeigt seine Einstellung, die ihn von den vielen seiner prominenten Mitstreiter unterscheidet, die das Spiel auf der Senioren-Tour als gut bezahltes Schaulaufen zum Karriereausklang betrachten. Was immer man über Langer sagen möge – und es werde viel über ihn geredet, schrieb der englische Telegraph doppeldeutig –, niemand könne ihm seine Arbeitsethik und seine Entschlossenheit absprechen, die er im Überfluss besitze. Er lasse sich auch bei Schwierigkeiten nicht vom Ziel abbringen, bleibe beharrlich, etwa im Falle des Anchoring-Verbots, wo er trotz der damit verbundenen „Kaskade der Kritik“ weiter seinen Besenstil-Putter benutze – und sich dadurch dem böswilligen Vorwurf aussetze, er schummele, was auch im Vorfeld der Senior Open thematisiert wurde. Der deutsche Rekordsieger wurde bei den Pressekonferenzen weniger zu seinen Aussichten, die Open zu gewinnen, befragt als vielmehr zum nicht enden wollenden Murren über seinen langen Putter. Diesem Störfeuer Woche für Woche, Major für Major zu begegnen, zeige Langers starke Psyche.

Dem Alter trotzen

Nicht zu vergessen das Alter. Langer wird Ende August 60 Jahre alt, aber widersetzt sich, auch dank seiner robusten Physis, beharrlich dem geltenden Gesetz der Senioren-Tour, wonach ab Mitte 50 der Leistungsabfall einsetzt. Gary Player etwa hatte acht seiner neun Senioren-Majors vor seinem 55. Lebensjahr gewonnen, Bernhard Langer dagegen bis jetzt sieben nach seinem 55. Geburtstag. Dass weitere Major-Siege folgen, ist eher wahrscheinlich. Für ihn scheint auf der Champions Tour das Oliver-Kahn’sche Motto „Weiter, immer weiter“ zu gelten, ein Ende ist vorher nicht abzusehen. Auf die Frage der GolfWeek vor wenigen Wochen, woher er noch seinen Antrieb nehme, antwortete er wie folgt: „Das liegt in meinem Naturell. Ich will immer mein Bestes geben und egal, was es ist, es so gut wie möglich tun. Ich spiele sehr gern Golf und liebe meinen Beruf.“

Bei der Open 2018 dabei

Mit seinem Sieg in Porthcawl hat sich Langer für die 147. Open Championship im kommenden Jahr in Carnoustie qualifiziert, Schauplatz seines Senior-Open-Sieges 2010. Kurz darauf folgt die erstmalige Austragung der Senior Open in St. Andrews, einer von Langers absoluten Lieblingsplätzen. Es ist davon auszugehen, dass er bei beiden Turnieren eine gute Rolle spielen wird.

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