Beim alten Bismarck um die Ecke

Beim alten Bismarck um die Ecke

Der Sachsenwald bei Hamburg bietet schöne Golfplätze und ein sehr besonderes Romantikhotel.

Nein, ein Wald wie jeder andere ist der Sachsenwald wahrlich nicht. Vom Namen her ist er ein Meister im Tarnen und Täuschen: Mit dem Freistaat im Osten Deutschlands hat er herzlich wenig zu tun. Vielmehr liegt er mehrere hundert Kilometer weiter nordwestlich, im Südosten Schleswig-Holsteins, gleich vor den Toren der Hansestadt Hamburg. Stattliche 6000 Hektar umfassend,  gilt er als größtes zusammenhängendes Waldgebiet des nördlichsten Bundeslandes. 

Knauserig war Kaiser Wilhelm I. wirklich nicht, als er anno 1871 – im Hochgefühl des gerade errungenen Sieges im Krieg gegen Frankreich – seinem verdienten Reichskanzler Otto von Bismarck mal eben diesen kompletten, riesigen Wald schenkte. Dessen Nachfahren gehört der Sachsenwald größtenteils noch immer, auch wenn Urenkel Ferdinand Herbord Ivar Graf von Bismarck-Schönhausen – der sich freilich zuletzt Fürst von Bismarck nannte – wenige Jahre vor seinem Tod 2019 ein knappes Viertel davon gegen eine unbekannte Summe an einen nicht ganz unvermögenden Hamburger Reeder abtrat. 

Bitte besserlegen! Diesen Sachsenwald-Bewohner lässt man besser in Ruhe.

 

Die Sau rausgelassen

Geradezu legendär waren die allherbstlichen Jagdgesellschaften, zu denen die von Bismarcks in die weiten Ländereien rund um ihren Stammsitz Schloss Friedrichsruh einluden. Auch gekrönte Häupter wie Schwedens König Karl-Gustav gingen schon im Wald vom alten Bismarck im Parforce-Ritt auf Wildschweinjagd. 

Nicht immer allerdings verhielten sich die eingeladenen reichen und schönen „Vons“ auch standesgemäß. Eines Nachts im November 2011 etwa geriet die insgesamt viertägige High-Society-Party derart aus dem Ruder, dass das Hamburger Abendblatt geradezu genüsslich titelte: „Adlige Jagdgesellschaft lässt die Sau raus“. Im Reinbeker Sachsenwald Hotel hatten rund 40 „alkoholisierte Gäste auf den Fluren randaliert, Türen aus den Angeln getreten und Zimmer verwüstet“. Polizeieinsatz – Anzeige wegen Sachbeschädigung. Schwamm drüber!

In der Berichterstattung gut weg kam hingegen Gunilla Gräfin von Bismarck, die mit ihrem Teil der Gästeschar – darunter „auch Princess Beatrice of York, ein Sprössling von Prinz Andrew und Sarah Ferguson“ – wenige Kilometer entfernt im Romantikhotel Waldhaus „gut gelaunt und in bunter Kostümierung“ im gediegenen Ambiente der American Bar Bibliothek vergleichsweise gesittet gefeiert hatte – so wie tags zuvor auch bereits mit Topmodel Naomi Campbell, Poplegende Bob Geldorf und Olivier Sarkozy, dem Halbbruder des damaligen französischen Staatspräsidenten. 

Viel genutzter Roter Teppich: Im Romantik-hotel Waldhaus in Reinbek bei Hamburg geben sich VIPs die Klinke in die Hand.

 

Hohe Promidichte

Nicht nur im November, wenn zum Halali geblasen wird, auch ganzjährig ist im Waldhaus Reinbek die hohe Promidichte des Sachsenwalds nicht zu übersehen. An fast jedem Türrahmen des Fünf-Sterne-Romantikhotels künden ganze Reihen von Messingtäfelchen davon, welche VIPs im jeweiligen Gemach wann genächtigt haben – ein „Who‘s who“ von wahrhaft internationalem Format. „Prince & Princess Charles & Camilla“ gaben vor ein paar Jahren im Goldenen Oktober dem Waldhaus offenbar ebenso den Vorzug vor dem Schloss derer von Bismarck wie schon zuvor, einst im Mai, Ex-US-Außenminister Henry Kissinger, der legendäre Playboy Gunter Sachs und diverse Male Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer. 

An fast jedem der 49 Gästezimmer erinnern zahlreiche Schildchen an VIPs, die hier schon genächtigt haben.

 

Die zahlreichen in Messing gestanzten Namen berühmter Kino- und Bühnenstars, die schon in den 49 individuell im Landhausstil eingerichteten Zimmern und Suiten des Waldhauses Reinbek abstiegen, lassen so manchen roten Teppich in Hamburg vor Neid erblassen: Ex-Spice Girl Geri Halliwell, Sänger und Songwriter Bob Geldorf und Alt-Rocker Peter Kraus waren zu unterschiedlichen Daten im Zimmer 311 zu Gast, das schon die Volksmusik-Nachtigallen Margot und Maria Hellwig einst geteilt hatten. Der Torwart-Titan und jetzige Bayern-München-Boss Oliver Kahn bettete sein Haupt in Zimmer 112 offenbar in dieselben Kissen, auf denen auch die Sängerin Marianne Rosenberg und die Schauspielerin Gudrun Landgrebe schon sanft schlummerten. 

Große Showküche

Ob es zu einer ungestörten Nachtruhe beiträgt, wenn der Gast an der Türzarge von Zimmer 223 liest, dass in eben seinem Bett einst im Juni der kurvenreiche Körper einer gewissen „Michaela Schaffrath – Ex Gina Wild“ gelegen hat? Leise Zweifel, ob Matratze und Bettgestell nicht vielleicht über Gebühr strapaziert worden sind, werden wohl eher im Nachbarzimmer mit der Schnapszahl 222 aufkommen, wo mit Ex-Fußballmanager Rainer Calmund schon ein Schwergewicht von besonderem Kaliber übernachtet hat. 

Ganze VIP-Heerscharen haben schon Küchenchef Christian Dudka und seinem Team beim Zubereiten seiner berühmten saisonalen Köstlichkeiten über die Schultern geschaut – es gibt gebratenes Perlhuhn, geschmorte Rehkeule, Wachtelbrüstchen oder, der herbstliche Sachsenwald lässt grüßen, „Frischlingskeule aus heimischen Fors­ten“. Als besondere Attraktion der Waldhaus-Gastronomie ist Dudkas große Showküche von allen vier Restaurants des Waldhauses aus einsehbar.

 

Herbstliches Farbspiel

Gut, dass die herrliche Sachsenwald-Region viele Gelegenheiten bietet, die Folgen kleiner „Sündenfälle“ auf äußerst angenehme Weise wieder abzutrainieren. Ein halbes Dutzend Golfplätze sind von Reinbek aus in weniger als einer halben Autostunde zu erreichen. Kaum zehn Minuten entfernt liegt beispielsweise der 1985 gegründete Golf-Club am Sachsenwald, der auf einem 60 Hektar großen, leicht geschwungenen Gelände am Südrand des riesigen Waldgebietes zu einer herausfordernden, abwechslungsreichen Golfrunde einlädt. 

Vor der Kulisse des Sachsenwaldes mit seinen dichten Buchen-, Eichen- und Kiefernbeständen erwarten den Golfer zahlreiche Teiche und Biotope, die langen Fairways kreuzende Bäche und von Bunkern gut verteidigte, oftmals hängende Grüns. Imposanter alter Baumbestand und die für die holsteinische Landschaft typischen Knicks wurden geschickt in den Platz integriert und machen ihn zu einem wunderbaren Naturereignis – besonders, wenn im Herbst der Sachsenwald ein Farbenspiel bietet, das dem berühmten Indian Summer in Neuengland in nichts nachsteht. 

Ein nicht weniger schönes Kontrastprogramm bietet eine gute Viertelstunde entfernt der 2002 gegründete Golf Club Gut Glinde. Dort ist das weitläufige Gelände mit insgesamt 33 Golfbahnen (18-Loch-Platz, 9-Loch-Platz und 6-Loch-Platz) sehr viel offener und von einigen Bahnen sieht man in der Ferne bis zu den Wohnsilos der östlichen Hamburger Vororte. Hier erwarten den Golfer lange Fairways, große künstliche Wasserhindernisse und ein beißendes Rough, das man lieber vermeidet. 

Unterm Strich: Die Golfplätze am Rande des Sachsenwaldes und das vorzügliche Romantik­hotel Waldhaus Reinbek sind ein mehr als lohnendes Ziel für eine Kurzreise  – auch ohne Wildschweinjagd.


Bildnachweis: © Wolfgang Weber (6).

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