„Beginnt zu greifen“

„Beginnt zu greifen“

Der ÖGV reformierte mit Jahresbeginn die Platzreife. Das einheitliche System soll Anfänger nachhaltig binden.

Der ÖGV sah sich durch die geänderten Markt- und Rahmenbedingungen im österreichischen Golfsport dazu bewogen, das Ausbildungssystem zu reformieren und hat auf Basis zahlreicher, intensiver Expertengespräche die „ÖGV-Platzreife“ entwickelt und somit den Einstieg in den Golfsport neu gestaltet. Seit am 1.1.2017 die neue Regelung in Kraft getreten ist, gibt es österreichweit einheitliche Prüfungsvorgaben & Empfehlungen in einem „Zwei-Stufen-System“. Die Ausbildung soll dadurch besser und transparenter – mit klar strukturierten Vorgaben – und somit ein Garant für ein gehobenes Ausbildungsniveau sein. Als Ziel wurde ausgegeben, die Neo-Golfer nachhaltig für den Golfsport zu begeistern, um mehr und länger Spaß am Golfen zu haben, und um sie schneller an das Turnierleben und den Turniersport heranzuführen.

Einheitliche Stufen

Stufe eins ist die „Platzerlaubnis (PE)“: In diese Etappe fallen die Absolvierung eines Schnupper- oder Platzerlaubniskurses sowie eine freiwillige Ausbildung nach Vorgaben des Clubs. Mit einer „PE“ kann man nur am Ausbildungsplatz spielen. Es ist noch nicht möglich, bei Turnieren teilzunehmen und auf anderen Plätzen Startzeiten zu buchen. Stufe zwei besteht aus drei Teilbereichen:

1. Überprüfung des altersgerechten Basiskönnens, der Spielgeschwindigkeit und Sicherheit am Platz

2. Regel- und Etiketten-Test

3. Handicap Challenge (9 Loch Stableford Turnier)

Die „ÖGV Platzreife“ ist erfolgreich bestanden, wenn man bei der Handicap Challenge mindestens zwölf Stablefordpunkte auf neun Loch erspielt hat, dann erhält man sein Zertifikat bzw. Eintrag am Stammblatt von -54, bei mehr als 18 Stablefordpunkten wird die erspielte Stammvorgabe ausgewiesen. Voraussetzung, um die Erlaubnis auf Basis der Vorgaben erteilen zu können, ist die Zustimmung zu den Punkten und Regelungen der ÖGV Ausbildungsvereinbarung. Die neue Regelung gibt aber nur den Rahmen vor, die Clubs selber sind gefordert, Ausbildungskonzepte zu entwickeln. Die Golf Week hat sich diesbezüglich in den Clubs umgehört:

Individuell planen

Für Gerald Stangl, Leiter der Marketing Abteilung der Murhof Gruppe, ist die Idee, Anfängern einen schnelleren Zugang zum Golfsport zu ermöglichen, prinzipiell zu begrüßen, jedoch stifte die Regelung im Moment eher noch Verwirrung und es müssen noch viele Dinge erklärt werden.

„Am Anfang sind die neuen Begrifflichkeiten und das neue System ungewohnt, aber es beginnt nun langsam zu greifen.“ Am Markt gebe es jedenfalls bereits die unterschiedlichsten Herangehensweisen – von einer Verkürzung der Kurse und Preisreduktionen bis zu neuen Ideen.

„Im Gegensatz zu anderen Anlagen setzen wir auf Qualität und Individualität. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Club-Platzreife bieten wir ein Modul-System an, das von den Teilnehmern individuell gebucht werden kann. Es gibt die Module: Kurzes Spiel I, kurzes Spiel II, langes Spiel I, langes Spiel II und Spielen am Platz, um die Teilnehmer auf die drei Prüfungen ideal vorzubereiten. Diese Ausbildungs-Module werden auf allen unseren Anlagen angeboten und kosten jeweils 29 Euro für zwei Stunden. Damit kann man sehr flexibel die nächsten Schritte individuell planen“, erklärt Stangl die Herangehensweise der Murhof Gruppe.

Als Ziel wurde seitens des ÖGV auch ausgegeben, die Neo-Golfer nachhaltig für den Sport zu begeistern und eine profunde Ausbildung gehört dazu: „Drei neu gestaltete Prüfungen können diese Aufgabe wohl kaum übernehmen, daher ist das von den Clubs angebotene System entscheidend. Wir sehen mit unserem Modulsystem und der Vermischung von Startern und bestehenden Mitgliedern aber einen großen Schritt in die richtige Richtung. Zusätzlich belohnen wir unsere Zielgruppen mit den Panther-Stempelheften und versuchen damit, eine weitere Bindung zum Golfsport zu schaffen. In diesen Bereichen wurden die Clubs ein wenig in die Eigenverantwortung entlassen, aber daraus kann man dann natürlich ein passendes Konzept schnüren.“

Weit überfordert

Für Günter Gerhartinger, aus der Geschäftsführung der Direkt Marketing und Betriebsgesellschaft mbH, mit ihren österreichischen Anlagen GC Drautal/Berg und GC Dolomitengolf Osttirol, verläuft der Start auch eher schleppend: „Die Umsetzung zur neuen Platzreife ist holprig und für alle Clubs verpflichtend, da es ohne Umstellung für Anfänger nicht mehr möglich ist, das geforderte Turnier zu spielen. Pros sind zum Teil verunsichert, selbstständige Akademien müssen sich einen Partnerclub suchen, da sie sonst ihre Anfänger nicht bis zu einem Hcp und Abschluss begleiten können.“ Dass die ausgegebenen Ziele des ÖGV auch erreicht werden, beurteilt Gerhartinger ebenso skeptisch: „Das Ziel seitens des ÖGV scheint nicht erreicht zu werden. Die Anfänger und wohl auch mehr als zwei Drittel aller Golfer sind an Turnieren nicht interessiert. Sie wollen privat und ohne Stress auf verschiedenen Golfplätzen spielen. Persönlich bin ich der Meinung, dass nach einer Woche Golfkurs die meisten, besonders wenn sie schon älter sind, die geforderten Punkte nicht spielen können. Der Effekt wird sein, entweder man erschwindelt sich das Ergebnis oder man hört mit  dem Golf wieder auf. Anfänger sind mit einem Turnier nach einem Kurs weit überfordert.“

Turniergolfer erzeugt?

Für Günter Obermayr, Geschäftsführer des Golf Resorts Kremstal, ist die Umsetzung im Training kein Problem – auch wenn der administrative Aufwand um einiges mehr geworden ist. Er blickt schon positiver in die Zukunft: „Es sind sicher noch einige Korrekturen notwendig, aber der Kunde weiß, dass es ein einheitliches System gibt, das finde ich gut!“ Ob ein Spieler etwa für ein Turnier bereit ist, hängt immer von den Leistungen der angebotenen Kurse und Stunden ab und vom Talent des Schülers: „Turnierspielen kann jeder nach der Ausbildung, doch nur Talente werden auch erfolgreich sein.“ Und man müsse auch keine Turniergolfer erzeugen: „Sondern Golfer, die die Regeln und Etikette beherrschen und Spaß am Sport haben und nicht von sportlichen Erfolgen abhängen!“ Zudem wird seiner Meinung nach von der jetzigen Golfgeneration das Handicap überbewertet: „Spielen, Spaß haben, und das ohne Bürokratie, das sollte uns neue Leute bringen. Turniere mit Funfaktor ohne sportlichen Ehrgeiz sollten mehr publiziert werden. Natürlich sollte es auch die normalen Turniere geben, aber das Verhältnis sollte 50:50 sein, zurzeit haben wir 90 %
Handicap- und 10 % andere Turniere!“

Ohne Urteil

Nicht viel verändert hat sich laut Golfdirektor Peter Rzehak hingegen im Golfclub Zillertal Uderns: „Wir sind auch in den letzten Jahren schon nach einem ähnlichen Kursablauf vorgegangen. Ich denke, dass man dies jetzt nach zwei Monaten noch nicht wirklich beurteilen kann, aber es auf alle Fälle Sinn macht, eine annähernd ähnliche Ausbildung in Österreich für Golfeinsteiger anzubieten. Das kann man sicher auch nicht generell sagen, da die Teilnehmer doch sehr unterschiedlich schnell lernen, aber bei Golfern, die sich etwas schwerer tun, versuchen wir schon gleich mit der ein oder anderen Prostunde mehr, die Defizite aufzuholen.“ Die GolfRange GmbH mit ihren fünf Anlagen rund um Wien hält sich ebenfalls noch mit Bewertungen zurück. Allerdings haben die ersten Kurse und auch die Bewerbung der ÖGV-Platzreife erst Anfang Mai begonnen. Der Konzept sieht jedenfalls – gemäß dem Motto „Wir machen keine halben Sachen!“ – einen einzigen Kurs vor, in dem alle Programmpunkte, die einem am Platz in die Quere kommen, behandelt werden.

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