Bald fließt Blut

Bald fließt Blut

Die PGA Tour verschärft ab diesem Herbst ihre bisher teils laxen Anti-Doping-Regularien.

Die PGA Tour hat ihr Anti-Doping-Programm überarbeitet und in wichtigen Punkten an die Richtlinien der World Anti-Doping Agency (WADA) angepasst. Mit Start der Saison 2017/2018 werden erstmals Bluttests zusätzlich zu Urinproben eingeführt und die Liste verbotener Substanzen so komplettiert, dass sie mit jener der WADA übereinstimmt. Zudem werden jegliche aufgedeckten Dopingverstöße von Spielern und daraus resultierende Spielsperren, auch aufgrund von nichtleistungsfördernden, sogenannten „Freizeitdrogen“ wie Kokain, öffentlich gemacht, was bisher nicht der Fall war. „Mit diesen umsichtigen Änderungen wollen wir sowohl das Wohl unserer Tour-Mitglieder stärker schützen als auch die Integrität von Golf als sauberem Sport“, erklärte Tour Commissioner Jay Monahan in einer Stellungsnahme.

Erste Reaktionen betroffener Spieler waren mehrheitlich positiv. Kevin Kisner etwa, Sieger des Dean & DeLuca Invitational, sagte, er halte die Einführung von Bluttests für unvermeidlich, auch wenn kein Spieler erfreut sei, während einer Turnierwoche zur Blutprobe gebeten zu werden. „Wenn wir schon testen, dann bitte auf die effizienteste Weise. Und wenn man im Urin nicht alle verbotenen Stoffe nachweisen kann, sondern nur im Blut, dann muss man das testen“, sagte er. Kisner äußerte aber zudem die Hoffnung, dass die Tests im Vorfeld des Turniers und nicht nach dessen Start erfolgten. Zach Johnson, zweifacher Major-Sieger und ehemaliges Mitglied des Spielerrats der PGA Tour, erklärte, er halte zwar die bislang praktizierten Doping-Testmethoden für gut funktionierend, habe aber nichts gegen Bluttests und verspreche sich vor allem von der Öffentlichmachung von Dopingsündern abschreckende Wirkung. „Wenn jemand aus Angst davor, öffentlich bloßgestellt zu werden, ins Grübeln gerät, dann ist das eine gute Sache“, so Johnson weiter. Auch Brandt Snedeker, lange ein erklärter Gegner von Dopingtests, der diese angesichts des Ehrbegriffes von Golf als reine „Geld-, Zeit- und Energieverschwendung“ bezeichnet hatte, schwenkte um und zeigte Verständnis für die Bluttests. „Es darf keine Grauzonen geben. Wenn man Dopingtests durchführt, dann auf alle Substanzen. Der große Elefant im Raum war in den letzten Jahren HGH“, so der achtfache PGA-Tour-Sieger. Besonders erfreut zeigte sich Rory McIlroy, der die Einführung von Bluttests seit längerem gefordert hatte. „Die Bluttests stellen sicher, dass der Golfsport alles unternimmt, um sauber zu sein, und damit auch die gleichen Vorgaben macht wie andere olympische Sportarten. Wir Spieler müssen davor keine Angst haben, denn ich glaube nicht, dass der Golfsport ein Dopingproblem hat“, so der Nordire.

Eklat durch Player

Wäre da nicht „HGH“, das englische Kürzel für Wachstumshormone, die im Leistungssport vor allem zur Regeneration eingesetzt werden und nur im Blut und nicht in den bislang bei den Spielern nach dem Zufallsprinzip durchgeführten Urinproben nachgewiesen werden konnten. Dass derlei Substanzen überhaupt von Tourspielern im Golfsport eingesetzt würden, machte Altmeister und Fitness-Guru Gary Player öffentlich. Auf die Frage eines amerikanischen Journalisten, ob er die Verwendung leistungssteigender Dopingmittel auf der Tour für möglich halte, erklärte der Südafrikaner bei der Open Championship 2007, er wisse mit absoluter Sicherheit, dass gedopt werde, ob mit Wachstumshormonen, Kreatinen oder Steroiden, Namen wolle er allerdings nicht nennen.

Abwehrpolitik

Die Veröffentlichungen sorgten kurzzeitig für Schlagzeilen, unternommen wurde von offizieller Seite allerdings nichts. Der damalige PGA-Tour-Chef Tim Finchem, der Dopingtests generell für überflüssig im Golf hielt und diese überhaupt erst 2006 einführen ließ, um die Rückkehr von Golf ins olympische Programm nicht zu gefährden, zeigte sich angesichts der vermeintlichen Lücken in seinem Anti-Doping-Programm lediglich enttäuscht darüber, dass Golf ins Zwielicht gerückt wurde. Die stetig lauter werdende Kritik der Welt-Anti-Doping-Agentur angesichts fehlender Bluttests konterte Andy Levinson, Vice President Tournament Administration and Anti-Doping, noch vor nicht allzu langer Zeit mit dem fadenscheinigen medizinischen Einwand, eine Blutentnahme könne aufgrund möglicher Hämatome oder vorhandener Anämie die Leistung von Spielern schwächen. Die PGA Tour brauche derlei Tests nicht, sondern vertraue auf Auffälligkeiten und eigene Informationen, ergänzte Ty Votaw.

Zieht Europa nach?

Insofern ist der Sinneswandel der PGA Tour überraschend, unklar ist noch, in welcher Frequenz den Spielern neben den Urin- auch Blutproben entnommen werden. Aussagen der Profis zufolge sind etwa vier bis fünf Urinproben jährlich auf der PGA Tour die Regel. Unter Zugzwang gerät auch die European Tour, deren Anti-Doping-Kodex WADA-konform ist, bislang aber auch keine Bluttests vorsieht. Über Art und Umfang der Tests hüllt sich die European Tour in Schweigen. Justin Rose sorgte 2013 bei den Turkish Open für Aufsehen, als er zugab, noch nie einem Dopingtest bei einem Turnier der PGA European Tour unterzogen worden zu sein.

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