Auf den Hund gekommen

Auf den Hund gekommen

Über das Glück von golfenden Hundebesitzern und die Do‘s and Dont‘s.

Der großartige Vicco von Bülow alias Loriot hat einmal verlautbart, dass ein Leben ohne Hunde zwar möglich, aber sinnlos sei. Dem stimmen nicht wenige Menschen zu, auch viele Golffans sind dieser Meinung. Manche machen aber sogar Karriere – wegen Hunden. So einer ist Martin Rütter. Er ist der bekannteste Hundeflüsterer Deutschlands.

Dabei begann seine Karriere laut eigener Aussage ohne Plan und Ziel. Zu Beginn hatte er nur einen Hund in seiner Nachbarschaft ausgeführt, dann mehrere. Dann machte er Hausbesuche bei verhaltensauffälligen Hunden. Als er 60 Vierbeiner betreute, entschloss er sich, Tierpsychologie zu studieren und aus dem ursprünglichen Studentenjob einen richtigen Beruf zu machen. 

Hundecoach und Golf-Freak Martin Rütter

 

Hundeprofi und Single-Handicapper

Heute füllt der fünffache Vater große Hallen und Stadien mit seinen Live-Shows. Der bekennende Golfjunkie ist Autor zahlreicher Fachbücher über Hundeerziehung mit eigener Lehrmethode, die von ihm zertifizierte Trainer in Deutschland, Österreich und der Schweiz anwenden.

Platzreife für den Hund

Wir treffen eine von ihnen, Conny Sporrer von „Martin Rütter DOGS“ in Wien. Sie kann nicht klagen: Aktuell haben Hundetrainer alle Hände voll zu tun. Die 35-jährige Wienerin ist selbst Golferin und geht immer mit ihrem Mischling Semmerl los. Sie weiß aus beruflicher Erfahrung, dass viele Hunde null Erziehung bekommen haben. Weder im Alltag noch am Golfplatz sind Hunde dann als Begleiter angenehm. Schade, denn was könnte eigentlich schöner sein, als das Golf-Hobby in der freien Natur mit dem Wauzi zu teilen? 

Platzreife für den Hund und für Christian Clerici

 

Hunde auf der Runde

Immer mehr Plätze erlauben die Mitnahme eines Hundes auf die Runde. Um als Golfpartner fit zu sein, muss der Vierbeiner aber mehr können als „Sitz“ und „Platz“. Wichtige Skills: An lockerer Leine gehen, warten können, über eine gute Impulskontrolle verfügen, also gut aushalten, dass der Ball fliegt, und sich nicht von Enten oder sonstigen Ablenkungen am Platz irritieren lassen. Nur dann kann sich der Hundebesitzer – und auch der Flightpartner – entspannt auf das Spiel konzentrieren.

Erziehung ist wichtig

Besonders gut erzogen ist Akira, die weiße Schäferhündin von Clubmanager Franz Wittmann Jr. Sein Golfclub GC Schlad­ming gilt als besonders hundefreundlich. Zumindest seit Wittmann (selbst Hcp 13) das Zepter 2016 übernahm. Als eine der ersten Neuerungen erlaubte er den golfenden Hundebesitzern die Mitnahme, auch wenn er zuerst Skepsis bei den Mitgliedern erntete. 

„Ich finde, sie verhalten sich alle diszipliniert und für mich sind Hunde überhaupt kein Problem am Platz. Den meisten Hunden taugt es außerdem total.“ Wenn abends mal Zeit ist, geht der 37-Jährige mit Akira an der Leine gerne selbst eine flotte Runde.

Ein unzertrennliches Gespann: Franz Wittmann Jr. und Akira

 

Hunde-Lounge auf Rädern

Am Golfplatz Brandlhof im Salzburger Land gibt es sogar ein eigenes Golfcart für Hundebesitzer zu mieten. Einer der ersten, der diesen Service in Anspruch nahm, war Christian Clerici. Der TV-Moderator, Unternehmer und Autofreak und auch Hund Kollin waren recht angetan. Kein Wunder, bietet die Ausstattung des Gefährts einige tolle Features wie einen rutschfesten Einstieg, Futterschüssel, Hundematte, Leckerlis und extra Spielzeug sowie eine Kühltruhe fürs Hundewasser. 

Clerici erinnert sich noch genau an den ersten Tag mit Hund am Platz. „Ich bin ein totaler Showgolfer, ich hab ja nur die Platzreife und nicht mal einen eigenen Eisensatz – ich hab an dem Tag ein Texas-Scramble-Turnier mit Flightpartner und Club-Inhaber Alexander Strobl gespielt und war in Hochform. Aber nur am ersten Abschlag, da hatten wir Publikum …“ Dem Hund war‘s egal, Hauptsache dabei.

Golf ist oft ein Wechselbad der Gefühle – und, das wusste schon anno dazumal Schriftsteller Mark Twain, manchmal einfach ein Spaziergang mit Hindernissen. Gut, wenn es nicht der eigene Hund ist.

Tipps für die Runde mit dem Vierbeiner

Spezielles Training für die Runde, am besten in guten Hundeschulen oder Onlinekur­sen oder durch Studium von Sachbüchern. Leinenführigkeit und Impulskontrolle – langsam zu Hause ohne Ablenkung anfangen, dann auf der Range und schließlich auf der Runde, zuerst ein paar Löcher, dann steigern,

Ein No-Go: den Hund mit Golfbällen spielen lassen. Es ist gefährlich (Erstickungsgefahr!) und ein Ball sollte eben immer tabu sein.

Bei hügeligen und anspruchsvollen, langen Plätzen sollten sich Besitzer kleinerer Hunderassen besser für eine Mitnahme des Vierbeiners im E-Cart entscheiden, damit er zwischendurch rasten kann.

Wenn der Vierbeiner am Trolley an der Leine geht, dann auf die Feststellbremse achten, damit sich Hund und Ausrüstung nicht selbstständig machen.

Zeckenzange, Leckerlis und das „Sackerl fürs Gackerl“ (für alle Nicht-Wiener: Kotbeutel 😁) im Bag nicht vergessen


Bildnachweis: © Privat, Getty Images, © Stefan Thaler, Privat.

Isabella Henkel
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