15 Jahre später

15 Jahre später

Mit zwölf Jahren schlug Lexi Thompson schon bei den U.S. Women’s Open ab. Sie ist im Juni sicher Favoritin.

Die U.S. Women’s Open werfen ihre Schatten voraus. Auch für Lexi Thompson, die bei ihren ersten vier Turnieren in diesem Jahr dreimal in die Top 10 kam und bei der LPGA Drive On Championship auf Platz zwei landete. Doch die Women’s Open sind gerade für sie etwas Besonderes: Die aus Coral Springs stammende Thompson schlug im Alter von zwölf Jahren in Pine Needles ab. Mit 86 und 82 Schlägen verpasste sie den Cut als damals jüngste Teilnehmerin der Geschichte. 

Früh Profi

Doch schon drei Jahre später wechselte sie ins Profilager und gewann 2011 mit 16 Jahren ihr erstes Turnier, die Navistar LPGA Classic. Drei Monate später wurde sie die zweitjüngste Gewinnerin eines Ladies-European-Tour-Events und gewann die Dubai Ladies Masters mit vier Schlägen. Sie gewann ihr erstes Major 2014 im Alter von 19 Jahren, 1 Monat und 27 Tagen und ist damit die zweitjüngste LPGA-Golferin, die ein Major gewonnen hat (sie gehört immer noch zu den Top 5 der jüngsten LPGA-Major-Gewinner). Insgesamt gelangen ihr inklusive des Major-Titels elf Tour-Siege, zuletzt 2019. ­Neben weiteren Siegen gelangen ihr acht Top-3-Platzierungen bei Majors, insgesamt landete sie über die Jahre 18 Mal unter den besten zehn Spielerinnen. Seit 2013, fast selbstverständlich, ist sie Teil des Solheim-Cup-Teams der USA.

Schattenseiten

Lexi Thompson stand also schon früh im Rampenlicht, wurde ab ihrem Teenager-Dasein von der Golföffentlichkeit beobachtet. Sie kommt zwar aus einem golf-verrückten Hause, aber auch damit muss man erst umgehen können. Mit den Siegen kamen Werbeverträge, Geldsorgen hat sie keine. Dazu bräuchte es auch die Verträge nicht, die 27-Jährige erspielte sich bislang über zwölf Millionen US-Dollar. Doch der ständige Druck über zehn Jahre und mehr führt auch die Schattenseiten vor Augen. Ein Vorfall bei der ANA Inspiration 2017 kos­tete sie den Sieg, viel schlimmer wirkten über die Jahre der Tod der Großmutter, eine Krebserkrankung der Mutter und das Immer-liefern-Müssen. Thompson verheimlichte lange, wie es ihr geht. 2018 schließlich öffnete sie sich den Fans, erklärte, kein Roboter zu sein und dass sie, damals erst 23 Jahre alt, ein Leben abseits des Golfplatzes brauchen würde. Sie entschied sich für das offenbar einzig Richtige: die Golfschläger zur Seite zu legen und eine Therapie zu machen.

Therapie

Sie sprach darüber. In einem Interview damals erklärte sie, was in ihr vorging. „Ich möchte den Leuten wirklich nur zeigen, dass man alles überstehen kann, was das Leben einem entgegenwirft“, sagte sie. „Offensichtlich sind wir alle Menschen. Wir haben Emotionen. Wir fühlen uns traurig, deprimiert und alles, wenn wir diese Dinge durchmachen, aber man muss stark genug sein, um durch die Dinge zu kommen. Ich denke, das ist das Wichtigste, das Support-Team um sich zu haben, die Familie, die Freunde, einfach, um dich immer wieder abzuholen und für dich da zu sein. Ich glaube, das hat mir am meisten geholfen.“ 

Rückkehr

Mittlerweile läuft es für sie eben wieder viel runder als noch vor ein paar Jahren. Und Anfang Juni werden die U.S. Women’s Open eben wieder in Pine Needles in North Carolina stattfinden. Dort, wo vor 15 Jahren die Lexi-Thompson-Story begann. Und was letztlich ganz klar ist: Ihre Zeit als Profisportlerin ist mit 27 Jahren noch lange nicht vorbei.


Bildnachweis: © Sportcom/Getty Images.

Georg Sander
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